Archiv der Kategorie: Politics

Es droht Gefahr!

Die Men­schen heu­te sind ja gro­ßen Gefah­ren aus­ge­setzt. Wir wis­sen, dass in der Bevöl­ke­rung Masern wie­der ihr Unwe­sen trei­ben, wir hören immer wie­der von mul­ti­re­sis­ten­ten Kei­men, Vogel­grip­pe und ande­ren wun­der­ba­ren Errun­gen­schaf­ten der Natur. 

Um sicher­zu­stel­len, dass wir auch noch unbe­kann­te Bedro­hun­gen auf dem Schirm haben und auch die Zusam­men­hän­ge erken­nen, die sich heu­te noch nicht erschlie­ßen, soll­ten wir uns dafür stark machen, dass ein­fach alle Gesund­heits­da­ten zen­tral zusam­men­ge­führt wer­den. Alle Dia­gno­se­schlüs­sel, alle Behand­lun­gen (ins­be­son­de­re Medi­ka­men­ten­ver­schrei­bun­gen) müs­sen für die ent­spre­chen­den Behör­den ein­seh­bar sein. Es ist ja alles nur im Diens­te der Volks­ge­sund­heit. 

Ach, bei Gesund­heits­da­ten ist das nicht so toll? Aber bei Kom­mu­ni­ka­ti­ons­da­ten sol­len wir es uns gefal­len las­sen? 

Perspektivenkorrektur

Ges­tern ist mir ein Video unter­ge­kom­men, das ich auch auf jeden Fall mit Euch tei­len muss. Es geht mir schon den gan­zen Tag nicht aus dem Sinn. Und letzt­lich fasst es auf unglaub­li­che Wei­se einen Aspekt zusam­men, was in unse­rer Welt so total schief läuft.

Es geht um die Ver­tei­lung von Reich­tum in den USA – wie die Men­schen es emp­fin­den, und wie es tat­säch­lich ist.

Ver­mö­gens­ver­tei­lung – der unge­recht ver­teil­te Reich­tum der USA

Grundsätzliche Überlegungen.

Wenn wir anneh­men, dass Geheim­diens­te immer wei­ter spio­nie­ren wer­den und alle For­men der elek­tro­ni­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on in dem Maße über­wa­chen, das tech­nisch mög­lich ist – egal, in wel­cher Wei­se Geset­ze sie zu beschrän­ken ver­su­chen. Wenn wir wei­ter­hin anneh­men, dass wir nicht mal legis­la­ti­ven Ein­fluss auf die über­wie­gen­de Anzahl an Geheim­diens­ten haben, da sie Insti­tu­tio­nen ande­rer Staa­ten sind. Wenn wir zusätz­lich noch anneh­men, dass die Geheim­diens­te auch noch die Auf­sicht, die in man­chen Staa­ten die Legis­la­ti­ve aus­zu­üben berech­tigt ist, als ihren Geg­ner auf­fas­sen und ihr Mög­lichs­tes tun, ihre tat­säch­li­chen Akti­vi­tä­ten zu ver­schlei­ern und die eigent­lich Befug­ten auch absicht­lich im Dun­keln las­sen – ja, wel­che Mit­tel haben wir denn dann über­haupt, die Situa­ti­on der Welt zu ver­bes­sern?

Konnte man ja nicht wissen

Nein, natür­lich hat wahr­schein­lich kaum jemand gewusst, wie die glo­ba­le Über­wa­chung genau funk­tio­niert und wer dar­an so betei­ligt ist. Und natür­lich brin­gen die Details zu all die­sen Din­gen immer noch Ent­set­zen her­vor. Aber trotz­dem, jetzt zu sagen, dass kann ja kei­ner gewusst haben, ist auch schein­hei­lig. Denn wenn man ver­stan­den hat, in wel­chem Umfang die gro­ßen Inter­net-Unter­neh­men Daten sam­meln und die­se ja auch offen­sicht­lich nut­zen, dann ist es doch nur auf der Hand lie­gend, dass auch Begehr­lich­kei­ten danach bei den Ver­bre­chens­ver­hin­de­rern (so ja in dem Fal­le das erklär­te Ver­ständ­nis der Geheim­diens­te) ent­ste­hen. Schon alles gesam­melt, vor­ver­ar­bei­tet und elek­tro­nisch aus­wert­bar. Und, wenn ich mich nicht irre, ist es ja genau das, was die Minis­te­rin Aigner und die diver­sen Daten­schutz­be­auf­trag­ten den Unter­neh­men so vor­wer­fen: die­ser Daten­hun­ger.

Nur jetzt will kei­ner was gewusst haben?

Bücher, Daten, Internet

Ich bin ein ziem­li­cher Bücher­wurm. Schon wäh­rend mei­nes Auf­wach­sens waren mir Bücher wich­tig und wert. Ich hat­te mei­ne Stamm­buch­hand­lung, die Buch­händ­ler dort kann­ten mich gut. Von Zeit zu Zeit half ich ein wenig bei tech­ni­schen Pro­ble­men, oder ich durf­te Bücher schon mal in Muf­fins bezah­len. Mein Geschmack, mei­ne Inter­es­sen: das war dort alles klar – und siche auch ein Stück weit von den Men­schen der Buch­hand­lung beein­flusst. Ich den­ke ger­ne an mei­ne Nach­mit­ta­ge dort zurück. Ich bin mit mei­ner Netz­kar­te mit den öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln hin­ge­fah­ren, habe geschmö­kert und gequatscht, habe oft Bücher gekauft (Buch neh­men, Geld geben) und bin wie­der gegan­gen.

Ich lese immer noch viel, aber vie­les hat sich dabei ver­än­dert. Papier­bü­cher kau­fe ich immer sel­te­ner, und wenn, dann zumeist bei immer dem sel­ben Online-Bücher­ver­sen­der, einem US-ame­ri­ka­ni­schen Unter­neh­men. Es gibt auch noch eine gro­ße Buch­hand­lung in der Stadt, in der ich mitt­ler­wei­le lebe – aber die Sachen bis an die Türe gelie­fert zu bekom­men ist halt doch so bequem. Und ich bin auch ein gro­ßer Freund des elek­tro­ni­schen Buches: kein Papier wird ver­ar­bei­tet und durch die Welt trans­por­tiert, der Lese­stoff ist inner­halb von Sekun­den auf mei­nen elek­tro­ni­schen Gerä­ten und über­haupt wird die Inter­ak­ti­on mit dem Mate­ri­al eine ganz ande­re.

Nur: frü­her, da wuss­te gera­de mal mei­ne Buch­händ­le­rin, was unge­fähr für Bücher ich kann­te und moch­te. Es gab dort wahr­schein­lich kei­ne Auf­zeich­nun­gen, die über die nor­ma­le Buch­hal­tung im Ein­zel­han­del hin­aus­gin­gen. Gezahlt wur­de mit Bar­geld, das war es.

Heu­te? Ich kann bei ama­zon mein Kun­den­kon­to der letz­ten fünf­zehn Jah­re ein­se­hen, und jedes Buch, dass ich gekauft oder ver­schenkt habe, ist dort auf­ge­führt (auch mit der Emp­fän­ger­adres­se, damit es schön klar ist, ob es für mich selbst oder viel­leicht doch direkt für jemand ande­ren war). Ja, ich füh­re sogar säu­ber­lich zwei Lis­ten dort, wel­che Bücher mich noch inter­es­sie­ren und die ich wahr­schein­lich zu kau­fen geden­ke. Ich zah­le per Last­schrift oder Kre­dit­kar­te, also gehen auch da wie­der Daten an ande­re Unter­neh­men. Und wenn ich dann ebooks auf mei­nem Kind­le lese, wird ver­mut­lich sogar erfasst, wie viel Zeit ich mit wel­chem Buch ver­brin­ge. Auf jeden Fall aber, was ich mir im Buch notie­re und wel­che Pas­sa­gen ich mir selbst her­vor­he­be.

Das Bild des lesen­den Men­schen: in einer ruhi­gen Umge­bung, sehr pri­vat. Aber eben die­ses Gefühl von Pri­vat­heit trifft über­haupt nicht mehr zu.

Weni­ge Daten­samm­lun­gen im Leben geben wohl so viel Aus­ukunft über einen Men­schen als jene die genau doku­men­tie­ren, was er oder sie so liest. Und das vor allem von Bequem­lich­keit und Zeit­er­spar­nis getrie­be­ne Kauf­ver­hal­ten führt dazu, dass das eine enor­me Men­ge an Daten offen­legt. Natür­lich gibt es Optio­nen: ich kann wie­der zur klei­nen Buch­hand­lung gehen und dort Bücher kau­fen – oder bes­ser gleich in meh­re­ren Buch­hand­lun­gen. Leih­bi­blio­the­ken fal­len aus, wenn man vor allem an Daten­spar­sam­keit inter­es­siert ist; mehr als nur klei­ne Tausch­rin­ge wohl auch. Alles, was Ebooks betrifft, ist ja sowie­so aus­ge­schlos­sen – da ist die Zuord­nung letzt­lich immer mög­lich.

Ich bin mir nicht sicher, ob Poli­ti­kern heu­te die­se Zusam­men­hän­ge klar und offen­sicht­lich sind. Wenn wir übers Lesen spre­chen, den­ken die an Papier­bü­cher die man im Laden kauft, oder sehen sie den Film über die gan­zen Daten vor dem geis­ti­gen Auge?

Merkel und der Geltungsbereich des deutschen Rechts.

Als ich das ers­te Mal das Zitat von Ange­la Mer­kel hör­te, in dem sie so sehr beton­te, dass auf deut­schem Ter­ri­to­ri­um auch deut­sches Recht gel­ten müs­se, wur­de ich sehr, sehr skep­tisch. In die­ser Abgren­zung, und in die­ser For­mu­lie­rung: da muss­te irgend­was ande­res im Busch sein.

Mitt­ler­wei­le habe ich die eine oder ande­re Ver­mu­tung, wor­um es geht; so sind z.B. Anla­gen der US-Streit­kräf­te exter­ri­to­ria­le Gebie­te – und natür­lich ist sind auch inter­na­tio­na­le Hoheits­ge­wäs­ser kein Punkt, an dem deut­sches Recht gel­ten kann.

Wenn man sich z.B. die Deutsch­land­kar­te rund um den Dag­ger Com­plex ansieht (und hier aus­drück­li­cher Dank an @ziromr auf Twit­ter), so sieht man, dass in nicht mal 5km Ent­fer­nung die Fir­men­zen­tra­le von T-Online liegt. Und auch zum ESOC, dem Euro­pean Space Ope­ra­ti­ons Cent­re ‚ist es nicht so weit. Es scheint ja rela­tiv klar zu sein, dass im Dag­ger Com­plex eini­ges an NSA-Per­so­nal arbei­tet. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Was Mer­kel uns also mit die­sem State­ment über den Gel­tungs­be­reich des deut­schen Rech­tes sagt ist nicht: „In Deutsch­land muss deut­sches Recht gel­ten!“ son­dern viel eher: „Wir kön­nen nichts gegen die mas­si­ve Abhö­rung deut­scher Daten unter­neh­men.“ Ob die Bun­des­re­gie­rung etwas gegen die­se Maß­nah­men machen möch­te, dar­über möge sich jeder selbst sei­ne eige­ne Theo­rie bil­den. Es wür­de mich über­ra­schen, wenn wir dazu noch Aus­sa­gen bekom­men.

Verschlüsselung ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems

Im Rah­men der glo­ba­len Inter­net-Über­wa­chung, die PRISM und Tem­po­ra offen­sicht­lich gemacht haben – und wahr­schein­lich gibt es doch auch noch ande­re Pro­gram­me in ande­ren Staa­ten – ist ein Gut­teil des Online-Dis­kur­ses der Fra­ge gewid­met, wie man sich selbst mit Ver­schlüs­se­lung schüt­zen kann.

Nach mei­nem Dafür­hal­ten ist aber der Ein­satz von Ver­schlüs­se­lung kei­ne Lösung des Pro­blems: weder für per­sön­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on noch als Ansatz für die glo­ba­le Her­aus­for­de­rung.

Was wir bis­lang gehört haben, geht es bei den Über­wa­chungs­pro­gram­men um Meta­da­ten. Die­se wer­den durch kei­ne Ver­schlüs­se­lung ver­schlei­ert: Emp­fän­ger der Nach­rich­ten sind bei der­zeit allen Diens­ten iden­ti­fi­zier­bar. Auch die Nach­rich­ten­län­ge und Nach­rich­ten­fre­quenz sind leicht fest­zu­stel­len. Hier hilft Ver­schlüs­se­lung nicht.

Ver­schlüs­se­lung ver­führt uns zur Annah­me, die Kom­mu­ni­ka­ti­on sei sicher. Dies muss nicht so sein. Die NSA ist einer der größ­ten Arbeit­ge­ber für Mathe­ma­ti­ker welt­weit. Aus Zei­ten der Ver­ab­schie­dung des DES (1976) ist bekannt, dass die NSA schon damals der öffent­lich bekann­ten For­schung an Ver­schlüs­se­lung eini­ge Jah­re vor­aus war – die von ihnen vor­ge­schla­ge­nen Ver­än­de­run­gen am Algo­rith­mus sicher­ten ihn gegen Ana­ly­se­ver­fah­ren ab, die zu dem Zeit­punkt in der zivi­len Welt noch nicht ent­deckt wor­den waren. Es kann also gut sein, dass wir uns auf Ver­fah­ren ver­las­sen, deren Sicher­heit nicht mehr gege­ben ist.

Und selbst wenn die Ver­schlüs­se­lung heu­te noch sicher ist: die NSA spei­chert sehr, sehr lan­ge. Wer sagt uns denn, dass inner­halb der nächs­ten dreis­sig Jah­ren die ent­spre­chen­den Algo­rith­men – sei es durch hin­rei­chend schnel­le Com­pu­ter, sei es durch Fort­schrit­te in deren Rück­rech­nung – nicht alle kei­nen Wert mehr haben? So groß ist die Anzahl der der­zeit in den ver­schie­de­nen Tools ein­ge­setz­ten Ver­fah­ren nicht.

Ein wei­te­res The­ma ist, dass Ver­schlüs­se­lung eine kom­ple­xe Auf­ga­be ist, wenn man sie ernst nimmt. Auch wenn wir uns bemü­hen, die Ver­fah­ren so ein­fach wie mög­lich zu gestal­ten und die Pro­gram­me so benut­zer­freund­lich wie mög­lich zu bekom­men: eine gewis­se Kom­ple­xi­tät muss blei­ben, wenn die Ver­fah­ren ernst­haft genutzt wer­den sol­len. Man den­ke nur an die Auf­ga­ben, um pri­va­te Schlüs­sel einer­seits sicher und nur auf Gerä­ten des Benut­zers zu hal­ten, ande­rer­seits aber auch in Back­ups zu sichern oder über meh­re­re Gerä­te abzu­glei­chen. Von so The­men wie Inte­gra­ti­on in Web­mail ganz zu schwei­gen – hier sto­ßen dann Wel­ten zusam­men, die nur sehr, sehr schwie­rig zusam­men­zu­füh­ren sein wer­den. Durch die­se Kom­ple­xi­tät wird es aber auch so blei­ben, dass Ver­schlüs­se­lung immer nur einer Min­der­heit zur Ver­fü­gung steht: jenen Men­schen, die sich ernst­haft mit die­sen The­men aus­ein­an­der­set­zen.

Was die Men­schen, die sich stark online bewe­gen, so sehr stört ist kein tech­ni­sches Pro­blem; es ist ein poli­ti­sches. Anstatt sich um tech­ni­sche Lösun­gen zu küm­mern, soll­ten wir die Ener­gie viel lie­ber dar­auf ver­wen­den, uns poli­ti­sche und sozia­le Lösun­gen zu über­le­gen: das ist das Spiel­feld, auf dem wir uns der­zeit bewe­gen müs­sen. Ich sehe gera­de kei­nen ande­ren Weg, uns der Über­wa­chung der Unter­see­ka­bel zu ent­zie­hen, als nur mög­lichst wenig Daten über die­se Kabel zu schi­cken. Das bedeu­tet: Euro­pa muss sich Gedan­ken dar­über machen, wie es die Abhän­gig­kei­ten von den USA als Tech­no­lo­gie­quel­le redu­ziert. Euro­pa muss sich dar­über Gedan­ken machen, auf wel­che Wei­se wir die Inter­net-Wirt­schaft in Euro­pa so stär­ken kön­nen, dass euro­päi­schen Benut­zern der Zugriff auf euro­päi­sche Diens­te lie­ber ist, als Unter­neh­men zu bemü­hen, die sich dem ame­ri­ka­ni­schen Recht unter­ord­nen müs­sen. Denn, machen wir uns doch nichts vor: Euro­pa wird es nicht schaf­fen, nen­nens­wer­ten Ein­fluss auf das Vor­ge­hen der ame­ri­ka­ni­schen Sicher­heits­be­hör­den zu neh­men. Über kei­ne Ver­hand­lun­gen, über kei­ne Gesetz­ge­bung wer­den wir es schaf­fen, dass FISA-Beschlüs­se öffent­lich wer­den, dass die NSA sich gegen­über Aus­län­dern anders ver­hal­ten muss oder dass die ame­ri­ka­ni­schen Unter­neh­men plötz­lich bes­se­re Werk­zeu­ge haben, um sich dem Sicher­heits­we­sen zu wider­set­zen. Viel­leicht ändert sich der Nar­ra­tiv, den wir hören: das heisst aber noch lan­ge nicht, dass sich fun­da­men­tal am Vor­ge­hen was ändert.

Die EU muss sich dar­um bemü­hen, dass die IT-Indus­trie in Euro­pa zu einer inno­va­ti­ven, beweg­li­chen und eben auch unab­hän­gi­gen Bran­che wird. Erst dann wer­den wir es schaf­fen, dass das euro­päi­sche Recht auch für die euro­päi­schen Daten bin­dend ist.

So ein Blog … 

Da gibt es also einen gelern­ten Jour­na­lis­ten, der jetzt eine PR Agen­tur betreibt und der für einen Bun­des­kanz­ler­kan­di­da­ten einen Blog auf­setzt. Der sich, zumin­dest auf sei­ner Refe­ren­zen-Lis­te nicht mit son­der­lich inno­va­ti­ven oder auch gar nur im öffent­li­chen Dis­kurs statt­fin­den­den Online-Pro­jek­ten her­vor­tut. Angeb­lich hat er dafür Spen­den in sechs­stel­li­ger Höhe von Unter­neh­mern ein­ge­sam­melt. Und dann hat die­ser Mensch die Ver­ve, zu behaup­ten, die­ses Pro­jekt ent­sprä­che in etwa dem, was die Kam­pa­gne für Barack Oba­ma in den USA online auch schon umge­setzt hat.

Mal abge­se­hen davon, dass es schon wirk­lich Grö­ßen­wahn ent­spricht, einen ein­zel­nen Blog mit einer so zen­tra­len stra­te­gi­schen Kom­po­nen­te – für die wirk­lich gute Men­schen über Jah­re gear­bei­tet haben und über die mitt­ler­wei­le nun doch das eine oder ande­re bekannt gewor­den ist – des Oba­ma-Wahl­kampfs zu ver­glei­chen. Die­ser Grö­ßen­wahn wird zwar auch in der finan­zi­el­len Dimen­si­on klar (ein Blog, der nicht mal ein Jahr lau­fen soll, und dann ein sechs­stel­li­ges Bud­get?). Nein, was ich nun wirk­lich nicht ver­ste­he ist, war­um das gan­ze so ama­teur­haft ange­gan­gen wird. Stein­brück muss das Pro­jekt gekannt haben, sonst hät­te es doch gar nicht mit sei­nem Namen star­ten kön­nen. Hat also der Kan­di­dat kei­nen Kon­takt mit sei­ner Par­tei­zen­tra­le – wo es ja durch­aus Kom­pe­tenz in die­sem The­men­be­reich gibt? Oder ist ihm so egal, was sei­ne Par­tei ihm sagt? Wenn Letz­te­res wahr ist, was sagt das dann über eine poten­zi­el­le Regie­rungs­mann­schaft auf SPD-Sei­te aus? Und wenn das gan­ze auch inner­halb der SPD abge­stimmt war – will man dann Stein­brück jetzt ver­hei­zen, weil die Wahl die­ses Jahr sowie­so zu kei­nem SPD-Bun­des­kanz­ler füh­ren kann, son­dern nur zu einem Vize­kanz­ler, und das will Genos­se Peer ja bekannt­lich nicht machen?

Und nicht zuletzt: Will man einen Bun­des­kanz­ler haben, der im The­ma Medi­en­kom­pe­tenz sowohl selbst so unge­schickt wie auch so schlecht bera­ten ist, wie Stein­brück?

Politicians, This Is Your Wakeup Call.

Lie­be Poli­ti­ker,

spä­tes­tens durch die Affä­re rund um das Vor­ge­hen von News of the World muss es Euch doch offen­sicht­lich gewor­den sein, dass der bis­he­ri­ge Umgang mit den Medi­en zu einem Risi­ko wer­den kann. Mit dem von der Poli­tik gesuch­ten Nah­ver­hält­nis zur Pres­se erge­ben sich zwei­er­lei unter­schied­li­che Abhän­gig­kei­ten: Einer­seits von Jour­na­lis­ten; also jenen Men­schen, die tat­säch­lich berich­ten und deren Auf­ga­be es ist, die Emp­fän­ger der Nach­richt auch tat­säch­lich zu errei­chen. Ande­rer­seits ergibt sich aber – und das wird gera­de in Eng­land mehr als nur offen­sicht­lich – eine Abhän­gig­keit zu Ver­le­gern, die in ihrer Natur anders ist; offen­sicht­lich gel­ten da noch mal ande­re Spiel­re­geln. Natür­lich ist mir schon klar, dass die Machen­schaf­ten der News Corp noch mal eine ande­re Dimen­si­on haben als das, was hier­zu­lan­de so pas­siert. Das aber die Ver­le­ger hier auch Macht nut­zen und auf die Poli­tik ein­wir­ken, kann nie­mand bestrei­ten: Aus­ge­stal­tung Rund­funk-Staats­ver­trag (Stich­wort Pres­se­ähn­li­che Ange­bo­te), „Tages­schau-App“, Leis­tungs­schutz­recht … Allei­ne in den letz­ten 24 Mona­ten gibt es vie­le Bei­spie­le, wo die Zei­tungs­ver­la­ge nicht über das, was man gemein­hin als markt­wirt­schaft­li­ches Ver­hal­ten ver­steht, ihr Unter­neh­mens­ziel zu errei­chen und zu sichern suchen.
Es gibt aber einen Aus­weg: Poli­ti­ker kön­nen in mei­nen Augen bald gut ohne Ver­la­ge exis­tie­ren. Und was kann hel­fen? Das Inter­net! Kei­ne Zei­tung hat mehr Leser als Men­schen online sind: sowohl im Gros­sen (Bund und Län­der) als auch im Klei­nen (Kom­mu­na­le Ebe­ne). Das Medi­um hat also eine Reich­wei­te, die durch­aus inter­es­sant ist. Nun kann man sagen, nur dass so vie­le Men­schen im Inter­net sind, heisst ja noch lan­ge nicht, dass sie auch lesen, was man als Poli­ti­ker so im Inter­net zu sagen hat. Das stimmt natür­lich, aber das gilt auch für die Zei­tung: Bloss, dass ein Mensch eine Zei­tung kauft oder im Abo hat, heisst noch lan­ge nicht, dass er jene Arti­kel liest, mit denen der spe­zi­el­le Poli­ti­ker jeman­den errei­chen möch­te. Wenn der Poli­ti­ker sich aber medi­en­kon­form ver­hält, sei­ne Nach­richt inhalt­lich inter­es­sant und attrak­tiv gestal­tet ist, dann besteht im heu­ti­gen Inter­net eine deut­lich grös­se­re Chan­ce dar­auf, dass ande­re Men­schen sei­ne Nach­richt wei­ter­ver­brei­ten – über sozia­le Net­ze wie Face­book, Twit­ter, Goog­le+ oder was gera­de aktu­ell ist. Der Sen­der hat zwar nicht mehr die Kon­trol­le über die Ver­brei­tung, er hat aber eine grös­se­re Kon­trol­le über die Bot­schaft: Er muss sich nicht eines Mitt­lers – eben der Jour­na­lis­ten – bedie­nen.
Der grös­se­re Schritt im medi­en­kon­for­men Ver­hal­ten ist aber der viel schwie­ri­ge und im Prin­zip auch grund­sätz­li­che­re: das Netz nicht als Medi­um zu ver­ste­hen, mit­tels des­sen man sei­ne Nach­rich­ten ver­brei­tet, son­dern als ein Medi­um des Dia­logs. Nicht nur zu schrei­ben, son­dern auch zu lesen: den Men­schen zuzu­hö­ren und sie – zum Teil auch in klei­nen Run­den oder gar vir­tu­el­len Ein­zel­ge­sprä­chen – zu über­zeu­gen.
Nun mag man ein­wer­fen, dass man eine Abhän­gig­keit (die von den Jour­na­lis­ten) gegen eine neue (die von sozia­len Netz­wer­ken) aus­tauscht. Diver­se Bera­ter mei­nen, dass man unbe­dingt auf einem spe­zi­fi­schen Sys­tem sein muss, um zu kom­mu­ni­zie­ren. Wenn man sei­ne Stra­te­gie auf nur ein Pro­dukt (Twit­ter, Face­book, Xing, MyS­pace) aus­rich­tet, dann ja: dann macht man sich davon abhän­gig. Wenn man aber die­se spe­zi­fi­schen Kanä­le als nur die jeweils aktu­el­len Sys­te­me begreift, die aber inner­halb weni­ger Mona­te sehr deut­lich an Rele­vanz ver­lie­ren kön­nen, weil ein neu­es Sys­tem neue, schö­ne Din­ge mit sich bringt, dann rela­ti­viert sich die­se Sicht­wei­se schon. Und wenn man dann meh­re­re Kanä­le gleich­zei­tig besetzt, gibt es kei­ne ein­zel­ne Abhän­gig­keit mehr. Und nicht zuletzt ist es im Inter­net ein ein­fa­ches, auch selbst zum Anbie­ter zu wer­den: Blog-Soft­ware ist so ein­fach gewor­den, dass man mit nur weni­gen Klicks das tech­ni­sche Sys­tem selbst bereit­stel­len kann, um im Inter­net zu publi­zie­ren. Aber das ist erst der Start­punkt für das neue Aben­teu­er. Mit dem Zen­trum der eige­nen Inter­net-Akti­vi­tä­ten begibt man sich also in kei­ne Abhän­gig­keit – was man auf sei­ner Web­site, auf sei­nem Blog tut und lässt, liegt vor allem in der eige­nen Hand.
Ich glau­be, die Ver­le­ger begin­nen zu ver­ste­hen, dass sich die Welt in die­se Rich­tung ändert. Mit des­halb ja ihre Ver­su­che, ihre Rele­vanz auch in die Online-Welt zu über­tra­gen: Und sei es, in dem die Rele­vanz ande­rer Anbie­ter per Gericht oder ein­ge­schränkt wird. Nun ist es an der Zeit, dass die Poli­tik auch zu ver­ste­hen beginnt. Denn der Tag wird kom­men, an dem man sich end­lich von den Rupert Mur­dochs die­ser Welt eman­zi­pie­ren kann.

Vroniplag vs Chatzimarkakis

Schon seit Tagen läßt mich die Fern­seh­dis­kus­si­on bei Anne Will, an der Anke Dom­scheit-Berg und Geor­gi­os Chat­zi­marka­kis teil­ge­nom­men haben, nicht los. Ins­be­son­de­re der Schlag­ab­to­ausch, als es um die Anony­mi­tät der Vro­ni­plag-Teil­neh­mer ging, die dem FDP-Man­da­tar offen­sicht­lich so sehr ein Dorn im Auge ist.

Ich ver­mu­te – und wahr­schein­lich ist das Frau Dom­scheit-Berg auch sehr wohl klar – dass wir hier genau den Kern des Miss­ver­ständ­nis­ses zwi­schen den aktu­el­len poli­ti­schen Man­da­ta­ren und den im Netz sozia­li­sier­ten. Und auch die Jour­na­lis­ten hat­ten an die­sem Punkt augen­schein­lich noch nicht ver­stan­den, war­um die Iden­ti­tät der ein­zel­nen Recher­cheu­re irrele­vant ist – so, wie letzt­lich für den Linux-Ker­nel oder ein belie­bi­ges ande­res offe­nes und klar abge­grenz­tes Online-Pro­jekt auch irrele­vant ist, wel­che kon­kre­ten Per­so­nen sich zu jedem belie­bi­gen Zeit­punkt dar­an betei­li­gen. Denn: es geht dabei nicht dar­um, eine sub­jek­ti­ve Mei­nung zu ver­kün­den oder mit sei­nem Namen für gewis­se Aus­sa­gen ein­zu­ste­hen, wie es das Selbst­ver­ständ­nis des kom­men­tie­ren­den Jour­na­lis­mus ist. Und letzt­lich: bei dpa-Mel­dun­gen inter­es­siert auch der kon­kre­te Ver­fas­ser ähn­lich stark, wie es für Par­la­ments­pro­to­kol­le rele­vant ist, wel­cher Ste­no­ty­pist gera­de Dienst hat­te. Wenn also Spreng sagt, dass Jour­na­lis­ten davon Leben, mit ihrem Namen für etwas ein­zu­ste­hen, befleis­sigt er sich auch eines ein­ge­schränk­ten Bli­ckes auf die eige­ne Zunft. Von Volon­tä­ren und Prak­ti­kan­ten, die z.B. Achiv­re­cher­chen durch­zu­füh­ren haben und dafür nicht nament­lich genannt wer­den, jetzt ganz geschwie­gen. Es geht in die­sen kon­kre­ten Fäl­len dar­um, eine klar umris­se­ne, voll­stän­dig nach­voll­zieh­ba­re und in gewis­sem Sin­ne fast mecha­ni­sche Arbeits­leis­tung zu erbrin­gen. Bei der Pla­gi­ats­re­cher­che kann man, sicher über­zeich­nend, schon fast von einer intel­lek­tu­el­len Fliess­band­ar­beit spre­chen. Selbst wenn man um die kon­kre­ten han­deln­den Per­so­nen wüss­te, so änder­te dies nichts an der Bewer­tung der gemein­sam erbrach­ten Arbeits­leis­tung.

Die­se Kul­tur der „Schwarm-Intel­li­genz“, die das Netz als eigen­stän­di­ge, neue Form der Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on ein­bringt, ist mög­li­cher­wei­se in den Köp­fen der Poli­ti­ker noch nicht ange­kom­men. Die­se Orga­ni­sa­ti­on steht auch dem poli­ti­schen Betrieb inso­fern dia­me­tral ent­ge­gen, als gera­de dort ja eine Per­so­na­li­sie­rung und Zuspit­zung nur auf ein­zel­ne, iden­ti­fi­zier­ba­re Men­schen raum­grei­fend ist. Die Ant­wort aus dem Netz – die Kol­la­bo­ra­ti­ons-Wikis, die Lul­caz und anony­mous, aber auch die S21-Pro­test­be­we­gung – ist eben der mög­li­cher­wei­se aus die­sem Betrieb schwer zu begrei­fen­de Gegen­trend.

Wir wer­den ver­mut­lich noch eini­ge Zeit brau­chen, bis das Wis­sen um lose, the­men­spe­zi­fi­sche Zusam­men­ar­beit im Netz in den Köp­fen der Poli­ti­ker ange­kom­men ist. Selbst in der ent­spre­chen­den Enquet­te-Kom­mis­si­on, wo die Poli­tik ja mit sol­chen Ansät­zen kon­fron­tiert wur­de und eigent­lich auch rela­tiv gefahr­los hät­te expe­ri­men­tie­ren kön­nen, wur­den die­se Ansät­ze zunächst abge­blockt.

Übri­gens ent­behrt es nicht einer dunk­len Iro­nie, dass gera­de ein Autor, in des­sen Dis­ser­ta­ti­on diver­se Pla­gia­te nach­ge­wie­sen sind, von den Recher­cheu­ren eine nament­li­che Kenn­zeich­nung ihrer Arbeits­leis­tung ein­zu­for­dern ver­sucht, oder?

European Software

Rea­ding that the Ger­man For­eign Minis­try is about to chan­ge their com­pu­ting desk­tops back from a GNU/­Li­nux-based sys­tem to Micro­soft Win­dows and their Office offe­rings, a thing that has been on my mind for a while comes back again.
I think it would be very worthwhile to start an initia­ti­ve to fos­ter euro­pean soft­ware; I think that whe­re­ver soft­ware pro­du­ced in euro­pe is avail­ab­le, it should be favo­r­ed over other pro­ducts. The­re are euro­pean ope­ra­ting sys­tem ven­dors – espe­ci­al­ly in the GNU/Linux are­na. Why are they not get­ting the money, but rather the big ven­dor from Red­mont?
The­re also is the point that I think par­ti­cu­lar­ly for sen­si­ti­ve infor­ma­ti­on, an ope­ra­ting sys­tem whe­re the code can be audi­ted and traced is a good idea. I am not sure that you should be trus­ting the ope­ra­ti­ons of a high­ly sen­si­ti­ve net­work to a com­pa­ny that is not all trans­pa­rent about it moti­ves, or its poten­ti­al con­nec­tions to the intel­li­gence com­mu­ni­ty in its home coun­try.
I think that stra­te­gic invest­ments would also do won­ders to sti­mu­la­te activi­ty in the soft­ware mar­ket. Working towards the goal of ero­ding Microsoft’s domi­nan­ce would be a good thing in my book. Con­s­i­de­ring that the­re have been many pushes towards fos­te­ring some­thing like a euro­pean (or ger­man, or bri­tish or …) Sili­con Val­ley, this could just be the way to get the euro­pean soft­ware indus­try to focus on pro­vi­ding com­pe­ti­ti­ve offe­rings for basic func­tio­na­li­ty like office and desk­top ope­ra­ting sys­tems.

Stoiber’sches Missverständnis

Bis­her noch nicht die Zeit gefun­den, den klei­nen Sei­ten­hieb zu blog­gen:

Stoi­ber hat, in einer der zahl­rei­chen Begrün­dun­gen, war­um er nicht in die Bun­des­re­gie­rung geht, gemeint, dass er die Inter­es­sen der CSU bes­ser in Mün­chen als in der Bun­des­re­gie­rung ver­tre­ten kann. Ich erwar­te von einem Minis­ter, dass er die Inter­es­sen des Lan­des ver­trtitt, und nicht vor­nehm­lich die sei­ner Par­tei. Wenn er in die Regie­rung geht, um das zu tun, hat er dort nichts ver­lo­ren.

Dass er jetzt zuge­ge­ben hat, nicht Mün­te­fehring sei aus­schlag­ge­bend gewe­sen, son­dern sein Ver­hält­nis zu Frau Mer­kel, ist übri­gens wie­der einer die­ser Fak­to­ren der Unglaub­wür­dig­keit: Wenn es jetzt Mer­kel ist, und nicht Mün­te, war­um hat er letz­te­res zuerst behaup­tet, und damit gelo­gen?

Jobgipfel Aluminium

Gut, ein nur mehr geschäfts­füh­ren­der Kanz­ler muss wahr­schein­lich klei­ne­re Bröt­chen backen, aber bit­te: Wegen 800 Arbeits­plät­zen inter­ve­nie­ren jetzt schon drei Minis­ter­prä­si­den­ten und der Bun­des­kanz­ler beim nor­we­gi­schen Mut­ter­haus der Alu­mi­ni­um­öfen? Es ist ja schon bit­ter, dass man dies­mal nicht die bösen ame­ri­ka­ni­schen Hedge-Fonds ver­ant­wort­lich machen kann, son­dern ein euro­päi­sches Unter­neh­men hin­ter den Ent­las­sun­gen steht (und das, wo sie doch hier sogar schwar­ze Zah­len schrei­ben!).

Nicht falsch ver­ste­hen: Natür­lich ist es für die nun bald Arbeits­lo­sen und deren Fami­li­en kein ein­fa­ches Schick­sal, ins­be­son­de­re da ihre Fähig­kei­ten und Fer­tig­kei­ten am Arbeits­markt wohl auch nicht mehr so schnell gefragt sein wer­den. Aber, wenn man sich der Sta­tis­ti­ken über die Arbeits­platz­ver­nich­tung erin­nert, die im Wahl­kampf so ger­ne als Argu­ment ver­wen­det wur­den, dann sind doch die­se 800 Arbeits­plät­ze jetzt nicht gera­de eine Grö­ßen­ord­nung, die so unge­wöhn­lich ist. Und das noch in einer Indus­trie, deren Umwelt­bi­lanz nicht so rich­tig gut aus­fällt; der man also durch­aus kri­tisch gegen­über ste­hen kann.

Aber … drei Minis­ter­prä­si­den­ten und der Bun­des­kanz­ler? Und das gan­ze dann auch noch in den Nach­rich­ten?

Personalisierung

Man mag ja zu ihr ste­hen, wie man möch­te, aber war­um genau ist jetzt Frau Nah­les an allem schuld?

Sie hat kan­di­diert, gut. Das hat sie offen­sicht­lich auch vor­her klar­ge­macht; immer­hin gab es eine Dis­kus­si­on, wel­che Auf­ga­ben ein Gene­ral­se­kre­tär haben soll. Aber es haben sie eine gar nicht uner­heb­li­che Anzahl von Prä­si­di­ums­mit­glie­dern gewählt, und das wird wohl kein Ver­se­hen gewe­sen sein. Und Franz Mün­te­fehring hat weder sei­ne Absich­ten zu die­ser Wahl kund­ge­tan; noch war es in mei­nen Augen klar, dass er die­sen Schritt tun muss. Er hät­te genau­so sagen kön­nen, dass er den Wil­len des Prä­si­di­ums so akzep­tiert, es für ihn zwar kei­ne leich­te Auf­ga­be sein wird, aber er sich der Her­aus­for­de­rung stellt.

Aber die Schuld trifft nur die eine, Frau Nah­les?

Politikverdrossenheit

Es ist ja auf eine gewis­se Art sehr span­nend zu ver­fol­gen, in wel­cher Wei­se sich die bei­den Volks­par­tei­en sich gera­de ins Knie schie­ßen.

Ich glau­be aber, dass neben dem lus­ti­gen Thea­ter das wir hier sehen und den poli­ti­schen Her­aus­for­de­run­gen, die dar­in lie­gen, das gan­ze auch zur Poli­tik­ver­dros­sen­heit bei­trägt, und dadurch sehe ich es als nicht unpro­ble­ma­tisch. Es besteht ein ziem­li­cher Unter­schied zwi­schen dem Auf­tre­ten spe­zi­ell im Wahl­kampf, der Ent­schlos­sen­heit und der dar­ge­stell­ten Klar­heit in den Stra­te­gi­en, die bestehen­den Pro­ble­me zu lösen. Und nun wird geze­tert und gezie­hen als hät­ten vie­le der Betei­lig­ten in ihrem Leben noch nie eine kom­ple­xe­re, viel­schich­ti­ge Ent­schei­dung getrof­fen. Außer­dem geht es nun wie­der rein und aus­schließ­lich um Per­so­nen und nicht um Inhal­te oder poli­ti­sche Pro­gram­me. Wie die Koali­ti­on gedenkt, die Arbeits­lo­sig­keit zu sen­ken, was genau zum sozia­len Aus­gleich getan wer­den soll, wie sich Deutsch­land wei­ter in der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on zurecht­fin­det … alles egal. Ob Stoi­ber in Mün­chen oder Ber­lin bleibt, und wer SPD-Gene­ral­se­kre­tär ist, das sind offen­sicht­lich die drän­gen­den Fra­gen die­ser Nati­on. Mei­ne Befürch­tung ist, dass man die­se Fra­gen nicht wirk­lich ver­mit­teln kann. Dass den Men­schen der Unter­schied auf­fällt und der Wahl­kampf damit nach­träg­lich doch wie­der unehr­lich wird. Und eben auch das Gezer­re die Vor­ur­tei­le alle bestä­tigt.

Auch das ist Deutsch­land.

Gut so!

Die aktu­el­len poli­ti­schen Ent­wick­lun­gen sind sehr span­nend zu beob­ach­ten. Was ich per­sön­lich sehr span­nend fin­de ist, dass die Poli­tik momen­tan nicht mehr jeden Schritt der Ver­hand­lun­gen direkt über alle Medi­en ver­brei­tet, son­dern die Jour­na­lis­ten auch schon mal ein paar Tage war­ten müs­sen, bis sie irgend­wel­che Infor­ma­tio­nen bekom­men. So sehr ich selbst ein Infor­ma­ti­ons­jun­kie bin und auch Nach­rich­ten auch einen erheb­li­chen Teil mei­nes Tages­ab­laufs aus­ma­chen – dass hier der Druck, alles und jedes sofort als Nach­richt prä­sen­tie­ren zu kön­nen von den Poli­ti­kern abprallt, gefällt mir gut. Ich hal­te das für eine Ent­wick­lung, die durch­aus posi­tiv zu bewer­ten ist.

Globalization

Wow. Has it real­ly been that long sin­ce I last was active here? Sheesh!

During the long wee­kend that I’m cur­r­ent­ly enjoy­ing, Glo­ba­li­za­ti­on seems to be a fair­ly pro­mi­nent topic. I’ve seen two docu­men­ta­ries on TV about two sepe­ra­te aspects of it that got me thin­king hard and deep on clu­tu­ral eli­tism and euro­cen­tric views, as well as trends Euro­pe might cer­tain­ly miss if it doesn’t stop loo­king at it’s own agen­das so much. And now, going through my feed reader again, I see that one post on Joi Ito’s blog stand out to me, remin­ding me of my own expe­ri­en­ces with Ame­ri­can Express.

When I moved from Aus­tria to Ger­ma­ny, I wan­ted to take my AmEx card with me. Alas, it was a Gold card and not the nor­mal AmEx, so I wan­ted that in Ger­ma­ny as well. I tal­ked to two dif­fe­rent custo­mer rep­re­sen­ta­ti­ves on the pho­ne, but both said that they couldn’t issue me the card I wan­ted. The credit histo­ry of me in Ger­ma­ny was not good enough for me to get the Gold card. („Schufa-Aus­kunft“) I was wil­ling to give them the card num­ber of my Aus­tri­an card, but they said that they couldn’t access that data, so it wouldn’t be of any help. To make the long sto­ry short (and I do admit that I was fair­ly angry about it at that time), I signed up for a gold Visa card, got that wit­hin days and I’ve been hap­py with that ever sin­ce.

May­be I might take an inte­rest in AmEx again if they offer me a Cen­tu­ri­on card without the year­ly mem­bership fee.

Merkel und der Terror …

Dank eines Hin­wei­ses bei Frau Zucker las ich gera­de, dass Ange­la Mer­kel plant, kei­ne Sol­da­ten in den Irak zu ent­sen­den, und dass die Wäh­ler dar­auf auch nach der Wahl ver­las­sen könn­ten. Abge­se­hen davon, dass es mich sehr skep­tisch stimmt, dass das extra betont wird – für die Irr­tü­mer ist ja der poten­zi­el­le klei­ne Koali­ti­ons­part­ner zustän­dig – und das doch gera­de dazu ein­lädt zu fra­gen, auf wel­che Din­ge der Wäh­ler sich nicht ver­las­sen kann, ist es doch inter­es­sant zu sehen, dass nach dem lau­ten Geze­ter die Kanz­ler­po­si­ti­on ja doch nicht voll­stän­dig falsch sein kann. Man soll­te aber ver­mut­lich dar­auf hin­wei­sen, dass man mit genau die­ser Posi­ti­on nicht noch mal eine Wahl wird gewin­nen kön­nen.

Was mich aber im Zusam­men­hang mit der Bun­des­wehr und dem Ter­ror auch noch befrem­det ist, dass Frau Mer­kel immer noch so vehe­ment für den Ein­satz im Inland ein­tritt, auch wenn genug kom­pe­ten­te Men­schen dage­gen argu­men­tie­ren. Vor allem auch die Begrün­dung, dass die Bun­des­wehr im Aus­land ja schon den Kampf gegen den Ter­ror (eigent­lich: gegen das Hin­ter­land der Ter­ro­ris­ten) unter­stützt, da müs­se sie das ja auch im Inland tun kön­nen.

Ich fin­de, die­ser Fra­ge soll­te man sich erst stel­len, wenn dann in Deutsch­land auch die Zustän­de wie in Afgha­ni­stan oder im Irak herr­schen.

Rechtschreibreform

Die deutsch­spra­chi­ge Blog-Welt kom­men­tiert es ja schon kräf­tig und auch ich ver­knei­fe mir mei­nen Kom­men­tar nicht: Ich fin­de die Ent­schei­dung der bay­ri­schen und nord­rhein-west­fä­li­schen Lan­des­re­gie­rung, an der Recht­schreib­re­form nicht teil­zu­neh­men, aber­wit­zig dumm. Nicht nur, weil alle Dis­kur­se rund um die­se Reform sehr ger­ne auch für popu­lis­ti­sche Kunst­grif­fe genutzt wer­den, son­dern auch aus ande­ren Grün­den:

  • Es geziemt sich nicht, bereits getrof­fe­ne und gemein­schaft­lich ver­ab­schie­de­te Ent­schei­dun­gen der­art offen zu tor­pe­die­ren. Eine gewis­se Kon­ti­nui­tät der Regie­run­gen ist schon sinn­voll. Die CDU hät­te es sich wirk­lich ver­knei­fen kön­nen, da jetzt aus­zu­sche­ren
  • Auch wenn man inhalt­lich mit man­chen Detail­ent­schei­dun­gen nicht ein­ver­stan­den ist, hal­te ich es trotz­dem für die düm­me­re Ent­schei­dung, die Gemein­sam­keit der Recht­schrei­bung inner­halb eines Staa­tes auf­zu­ge­ben. Wenn ich das rich­tig ver­ste­he, bekom­men Kin­der in Bie­le­feld jetzt Wor­te als Feh­ler ange­stri­chen, die in Han­no­ver als rich­tig gese­hen wer­den – da ver­schlägt es einem doch wirk­lich die Spra­che.