Archive for the ‘Politics’ category

Politicians, This Is Your Wakeup Call.

July 20th, 2011

Liebe Poli­ti­ker,

spä­tes­tens durch die Affäre rund um das Vor­ge­hen von News of the World muss es Euch doch offen­sicht­lich gewor­den sein, dass der bis­he­rige Umgang mit den Medien zu einem Risiko wer­den kann. Mit dem von der Poli­tik gesuch­ten Nah­ver­hält­nis zur Presse erge­ben sich zwei­er­lei unter­schied­li­che Abhän­gig­kei­ten: Einer­seits von Jour­na­lis­ten; also jenen Men­schen, die tat­säch­lich berich­ten und deren Auf­gabe es ist, die Emp­fän­ger der Nach­richt auch tat­säch­lich zu errei­chen. Ande­rer­seits ergibt sich aber – und das wird gerade in Eng­land mehr als nur offen­sicht­lich – eine Abhän­gig­keit zu Ver­le­gern, die in ihrer Natur anders ist; offen­sicht­lich gel­ten da noch mal andere Spiel­re­geln. Natür­lich ist mir schon klar, dass die Machen­schaf­ten der News Corp noch mal eine andere Dimen­sion haben als das, was hier­zu­lande so pas­siert. Das aber die Ver­le­ger hier auch Macht nut­zen und auf die Poli­tik ein­wir­ken, kann nie­mand bestrei­ten: Aus­ge­stal­tung Rundfunk-Staatsvertrag (Stich­wort Pres­se­ähn­li­che Ange­bote), „Tagesschau-App“, Leis­tungs­schutz­recht … Alleine in den letz­ten 24 Mona­ten gibt es viele Bei­spiele, wo die Zei­tungs­ver­lage nicht über das, was man gemein­hin als markt­wirt­schaft­li­ches Ver­hal­ten ver­steht, ihr Unter­neh­mens­ziel zu errei­chen und zu sichern suchen.
Es gibt aber einen Aus­weg: Poli­ti­ker kön­nen in mei­nen Augen bald gut ohne Ver­lage exis­tie­ren. Und was kann hel­fen? Das Inter­net! Keine Zei­tung hat mehr Leser als Men­schen online sind: sowohl im Gros­sen (Bund und Län­der) als auch im Klei­nen (Kom­mu­nale Ebene). Das Medium hat also eine Reich­weite, die durch­aus inter­es­sant ist. Nun kann man sagen, nur dass so viele Men­schen im Inter­net sind, heisst ja noch lange nicht, dass sie auch lesen, was man als Poli­ti­ker so im Inter­net zu sagen hat. Das stimmt natür­lich, aber das gilt auch für die Zei­tung: Bloss, dass ein Mensch eine Zei­tung kauft oder im Abo hat, heisst noch lange nicht, dass er jene Arti­kel liest, mit denen der spe­zi­elle Poli­ti­ker jeman­den errei­chen möchte. Wenn der Poli­ti­ker sich aber medi­en­kon­form ver­hält, seine Nach­richt inhalt­lich inter­es­sant und attrak­tiv gestal­tet ist, dann besteht im heu­ti­gen Inter­net eine deut­lich grös­sere Chance dar­auf, dass andere Men­schen seine Nach­richt wei­ter­ver­brei­ten – über soziale Netze wie Face­book, Twit­ter, Google+ oder was gerade aktu­ell ist. Der Sen­der hat zwar nicht mehr die Kon­trolle über die Ver­brei­tung, er hat aber eine grös­sere Kon­trolle über die Bot­schaft: Er muss sich nicht eines Mitt­lers – eben der Jour­na­lis­ten – bedie­nen.
Der grös­sere Schritt im medi­en­kon­for­men Ver­hal­ten ist aber der viel schwie­rige und im Prin­zip auch grund­sätz­li­chere: das Netz nicht als Medium zu ver­ste­hen, mit­tels des­sen man seine Nach­rich­ten ver­brei­tet, son­dern als ein Medium des Dia­logs. Nicht nur zu schrei­ben, son­dern auch zu lesen: den Men­schen zuzu­hö­ren und sie – zum Teil auch in klei­nen Run­den oder gar vir­tu­el­len Ein­zel­ge­sprä­chen – zu über­zeu­gen.
Nun mag man ein­wer­fen, dass man eine Abhän­gig­keit (die von den Jour­na­lis­ten) gegen eine neue (die von sozia­len Netz­wer­ken) aus­tauscht. Diverse Bera­ter mei­nen, dass man unbe­dingt auf einem spe­zi­fi­schen Sys­tem sein muss, um zu kom­mu­ni­zie­ren. Wenn man seine Stra­te­gie auf nur ein Pro­dukt (Twit­ter, Face­book, Xing, MyS­pace) aus­rich­tet, dann ja: dann macht man sich davon abhän­gig. Wenn man aber diese spe­zi­fi­schen Kanäle als nur die jeweils aktu­el­len Sys­teme begreift, die aber inner­halb weni­ger Monate sehr deut­lich an Rele­vanz ver­lie­ren kön­nen, weil ein neues Sys­tem neue, schöne Dinge mit sich bringt, dann rela­ti­viert sich diese Sicht­weise schon. Und wenn man dann meh­rere Kanäle gleich­zei­tig besetzt, gibt es keine ein­zelne Abhän­gig­keit mehr. Und nicht zuletzt ist es im Inter­net ein ein­fa­ches, auch selbst zum Anbie­ter zu wer­den: Blog-Software ist so ein­fach gewor­den, dass man mit nur weni­gen Klicks das tech­ni­sche Sys­tem selbst bereit­stel­len kann, um im Inter­net zu publi­zie­ren. Aber das ist erst der Start­punkt für das neue Aben­teuer. Mit dem Zen­trum der eige­nen Internet-Aktivitäten begibt man sich also in keine Abhän­gig­keit – was man auf sei­ner Web­site, auf sei­nem Blog tut und lässt, liegt vor allem in der eige­nen Hand.
Ich glaube, die Ver­le­ger begin­nen zu ver­ste­hen, dass sich die Welt in diese Rich­tung ändert. Mit des­halb ja ihre Ver­su­che, ihre Rele­vanz auch in die Online-Welt zu über­tra­gen: Und sei es, in dem die Rele­vanz ande­rer Anbie­ter per Gericht oder ein­ge­schränkt wird. Nun ist es an der Zeit, dass die Poli­tik auch zu ver­ste­hen beginnt. Denn der Tag wird kom­men, an dem man sich end­lich von den Rupert Mur­dochs die­ser Welt eman­zi­pie­ren kann.

Vroniplag vs Chatzimarkakis

July 11th, 2011

Schon seit Tagen läßt mich die Fern­seh­dis­kus­sion bei Anne Will, an der Anke Domscheit-Berg und Geor­gios Chat­zi­mar­ka­kis teil­ge­nom­men haben, nicht los. Ins­be­son­dere der Schlag­ab­toausch, als es um die Anony­mi­tät der Vroniplag-Teilnehmer ging, die dem FDP-Mandatar offen­sicht­lich so sehr ein Dorn im Auge ist.

Ich ver­mute – und wahr­schein­lich ist das Frau Domscheit-Berg auch sehr wohl klar – dass wir hier genau den Kern des Miss­ver­ständ­nis­ses zwi­schen den aktu­el­len poli­ti­schen Man­da­ta­ren und den im Netz sozia­li­sier­ten. Und auch die Jour­na­lis­ten hat­ten an die­sem Punkt augen­schein­lich noch nicht ver­stan­den, warum die Iden­ti­tät der ein­zel­nen Recher­cheure irre­le­vant ist – so, wie letzt­lich für den Linux-Kernel oder ein belie­bi­ges ande­res offe­nes und klar abge­grenz­tes Online-Projekt auch irre­le­vant ist, wel­che kon­kre­ten Per­so­nen sich zu jedem belie­bi­gen Zeit­punkt daran betei­li­gen. Denn: es geht dabei nicht darum, eine sub­jek­tive Mei­nung zu ver­kün­den oder mit sei­nem Namen für gewisse Aus­sa­gen ein­zu­ste­hen, wie es das Selbst­ver­ständ­nis des kom­men­tie­ren­den Jour­na­lis­mus ist. Und letzt­lich: bei dpa-Meldungen inter­es­siert auch der kon­krete Ver­fas­ser ähn­lich stark, wie es für Par­la­ment­s­pro­to­kolle rele­vant ist, wel­cher Ste­no­ty­pist gerade Dienst hatte. Wenn also Spreng sagt, dass Jour­na­lis­ten davon Leben, mit ihrem Namen für etwas ein­zu­ste­hen, befleis­sigt er sich auch eines ein­ge­schränk­ten Bli­ckes auf die eigene Zunft. Von Volon­tä­ren und Prak­ti­kan­ten, die z.B. Achiv­re­cher­chen durch­zu­füh­ren haben und dafür nicht nament­lich genannt wer­den, jetzt ganz geschwie­gen. Es geht in die­sen kon­kre­ten Fäl­len darum, eine klar umris­sene, voll­stän­dig nach­voll­zieh­bare und in gewis­sem Sinne fast mecha­ni­sche Arbeits­leis­tung zu erbrin­gen. Bei der Pla­gi­ats­re­cher­che kann man, sicher über­zeich­nend, schon fast von einer intel­lek­tu­el­len Fliess­band­ar­beit spre­chen. Selbst wenn man um die kon­kre­ten han­deln­den Per­so­nen wüsste, so änderte dies nichts an der Bewer­tung der gemein­sam erbrach­ten Arbeitsleistung.

Diese Kul­tur der „Schwarm-Intelligenz“, die das Netz als eigen­stän­dige, neue Form der Arbeits­or­ga­ni­sa­tion ein­bringt, ist mög­li­cher­weise in den Köp­fen der Poli­ti­ker noch nicht ange­kom­men. Diese Orga­ni­sa­tion steht auch dem poli­ti­schen Betrieb inso­fern dia­me­tral ent­ge­gen, als gerade dort ja eine Per­so­na­li­sie­rung und Zuspit­zung nur auf ein­zelne, iden­ti­fi­zier­bare Men­schen raum­grei­fend ist. Die Ant­wort aus dem Netz – die Kollaborations-Wikis, die Lul­caz und anony­mous, aber auch die S21-Protestbewegung – ist eben der mög­li­cher­weise aus die­sem Betrieb schwer zu begrei­fende Gegentrend.

Wir wer­den ver­mut­lich noch einige Zeit brau­chen, bis das Wis­sen um lose, the­men­spe­zi­fi­sche Zusam­men­ar­beit im Netz in den Köp­fen der Poli­ti­ker ange­kom­men ist. Selbst in der ent­spre­chen­den Enquette-Kommission, wo die Poli­tik ja mit sol­chen Ansät­zen kon­fron­tiert wurde und eigent­lich auch rela­tiv gefahr­los hätte expe­ri­men­tie­ren kön­nen, wur­den diese Ansätze zunächst abgeblockt.

Übri­gens ent­behrt es nicht einer dunk­len Iro­nie, dass gerade ein Autor, in des­sen Dis­ser­ta­tion diverse Pla­giate nach­ge­wie­sen sind, von den Recher­cheu­ren eine nament­li­che Kenn­zeich­nung ihrer Arbeits­leis­tung ein­zu­for­dern ver­sucht, oder?

European Software

February 15th, 2011

Rea­ding that the Ger­man For­eign Minis­try is about to change their com­pu­ting desk­tops back from a GNU/Linux-based sys­tem to Micro­soft Win­dows and their Office offe­rings, a thing that has been on my mind for a while comes back again.
I think it would be very worthwhile to start an initia­tive to fos­ter euro­pean soft­ware; I think that whe­re­ver soft­ware pro­du­ced in europe is avail­able, it should be favored over other pro­ducts. There are euro­pean ope­ra­ting sys­tem ven­dors – espe­cially in the GNU/Linux arena. Why are they not get­ting the money, but rather the big ven­dor from Red­mont?
There also is the point that I think par­ti­cu­larly for sen­si­tive infor­ma­tion, an ope­ra­ting sys­tem where the code can be audi­ted and tra­ced is a good idea. I am not sure that you should be trus­ting the ope­ra­ti­ons of a highly sen­si­tive net­work to a com­pany that is not all trans­pa­rent about it moti­ves, or its poten­tial con­nec­tions to the intel­li­gence com­mu­nity in its home coun­try.
I think that stra­te­gic invest­ments would also do won­ders to sti­mu­late activity in the soft­ware mar­ket. Working towards the goal of ero­ding Microsoft’s domi­nance would be a good thing in my book. Con­side­ring that there have been many pus­hes towards fos­te­ring some­thing like a euro­pean (or ger­man, or bri­tish or …) Sili­con Val­ley, this could just be the way to get the euro­pean soft­ware indus­try to focus on pro­vi­ding com­pe­ti­tive offe­rings for basic func­tio­na­lity like office and desk­top ope­ra­ting systems.

Stanford Podcast

July 20th, 2006

Unter http://​itu​nes​.stan​ford​.edu/​r​ss/ stellt die Stan­ford Uni­ver­sity nun eine Reihe von Pod­casts zur Ver­fü­gung. Defi­ni­tiv lecke­res iPod-Futter für unterwegs!

[tags]podcasts, stan­ford, online, listening[/tags]

Stoiber’sches Missverständnis

November 7th, 2005

Bis­her noch nicht die Zeit gefun­den, den klei­nen Sei­ten­hieb zu bloggen:

Stoi­ber hat, in einer der zahl­rei­chen Begrün­dun­gen, warum er nicht in die Bun­des­re­gie­rung geht, gemeint, dass er die Inter­es­sen der CSU bes­ser in Mün­chen als in der Bun­des­re­gie­rung ver­tre­ten kann. Ich erwarte von einem Minis­ter, dass er die Inter­es­sen des Lan­des ver­trtitt, und nicht vor­nehm­lich die sei­ner Par­tei. Wenn er in die Regie­rung geht, um das zu tun, hat er dort nichts verloren.

Dass er jetzt zuge­ge­ben hat, nicht Münte­feh­ring sei aus­schlag­ge­bend gewe­sen, son­dern sein Ver­hält­nis zu Frau Mer­kel, ist übri­gens wie­der einer die­ser Fak­to­ren der Unglaub­wür­dig­keit: Wenn es jetzt Mer­kel ist, und nicht Münte, warum hat er letz­te­res zuerst behaup­tet, und damit gelogen?

Jobgipfel Aluminium

November 5th, 2005

Gut, ein nur mehr geschäfts­füh­ren­der Kanz­ler muss wahr­schein­lich klei­nere Bröt­chen backen, aber bitte: Wegen 800 Arbeits­plät­zen inter­ve­nie­ren jetzt schon drei Minis­ter­prä­si­den­ten und der Bun­des­kanz­ler beim nor­we­gi­schen Mut­ter­haus der Alu­mi­ni­umö­fen? Es ist ja schon bit­ter, dass man dies­mal nicht die bösen ame­ri­ka­ni­schen Hedge-Fonds ver­ant­wort­lich machen kann, son­dern ein euro­päi­sches Unter­neh­men hin­ter den Ent­las­sun­gen steht (und das, wo sie doch hier sogar schwarze Zah­len schreiben!).

Nicht falsch ver­ste­hen: Natür­lich ist es für die nun bald Arbeits­lo­sen und deren Fami­lien kein ein­fa­ches Schick­sal, ins­be­son­dere da ihre Fähig­kei­ten und Fer­tig­kei­ten am Arbeits­markt wohl auch nicht mehr so schnell gefragt sein wer­den. Aber, wenn man sich der Sta­tis­ti­ken über die Arbeits­platz­ver­nich­tung erin­nert, die im Wahl­kampf so gerne als Argu­ment ver­wen­det wur­den, dann sind doch diese 800 Arbeits­plätze jetzt nicht gerade eine Grö­ßen­ord­nung, die so unge­wöhn­lich ist. Und das noch in einer Indus­trie, deren Umwelt­bi­lanz nicht so rich­tig gut aus­fällt; der man also durch­aus kri­tisch gegen­über ste­hen kann.

Aber … drei Minis­ter­prä­si­den­ten und der Bun­des­kanz­ler? Und das ganze dann auch noch in den Nachrichten?

Personalisierung

November 3rd, 2005

Man mag ja zu ihr ste­hen, wie man möchte, aber warum genau ist jetzt Frau Nah­les an allem schuld?

Sie hat kan­di­diert, gut. Das hat sie offen­sicht­lich auch vor­her klar­ge­macht; immer­hin gab es eine Dis­kus­sion, wel­che Auf­ga­ben ein Gene­ral­se­kre­tär haben soll. Aber es haben sie eine gar nicht uner­heb­li­che Anzahl von Prä­si­di­ums­mit­glie­dern gewählt, und das wird wohl kein Ver­se­hen gewe­sen sein. Und Franz Münte­feh­ring hat weder seine Absich­ten zu die­ser Wahl kund­ge­tan; noch war es in mei­nen Augen klar, dass er die­sen Schritt tun muss. Er hätte genauso sagen kön­nen, dass er den Wil­len des Prä­si­di­ums so akzep­tiert, es für ihn zwar keine leichte Auf­gabe sein wird, aber er sich der Her­aus­for­de­rung stellt.

Aber die Schuld trifft nur die eine, Frau Nahles?

Politikverdrossenheit

November 1st, 2005

Es ist ja auf eine gewisse Art sehr span­nend zu ver­fol­gen, in wel­cher Weise sich die bei­den Volks­par­teien sich gerade ins Knie schießen.

Ich glaube aber, dass neben dem lus­ti­gen Thea­ter das wir hier sehen und den poli­ti­schen Her­aus­for­de­run­gen, die darin lie­gen, das ganze auch zur Poli­tik­ver­dros­sen­heit bei­trägt, und dadurch sehe ich es als nicht unpro­ble­ma­tisch. Es besteht ein ziem­li­cher Unter­schied zwi­schen dem Auf­tre­ten spe­zi­ell im Wahl­kampf, der Ent­schlos­sen­heit und der dar­ge­stell­ten Klar­heit in den Stra­te­gien, die beste­hen­den Pro­bleme zu lösen. Und nun wird geze­tert und gezie­hen als hät­ten viele der Betei­lig­ten in ihrem Leben noch nie eine kom­ple­xere, viel­schich­tige Ent­schei­dung getrof­fen. Außer­dem geht es nun wie­der rein und aus­schließ­lich um Per­so­nen und nicht um Inhalte oder poli­ti­sche Pro­gramme. Wie die Koali­tion gedenkt, die Arbeits­lo­sig­keit zu sen­ken, was genau zum sozia­len Aus­gleich getan wer­den soll, wie sich Deutsch­land wei­ter in der euro­päi­schen Inte­gra­tion zurecht­fin­det … alles egal. Ob Stoi­ber in Mün­chen oder Ber­lin bleibt, und wer SPD-Generalsekretär ist, das sind offen­sicht­lich die drän­gen­den Fra­gen die­ser Nation. Meine Befürch­tung ist, dass man diese Fra­gen nicht wirk­lich ver­mit­teln kann. Dass den Men­schen der Unter­schied auf­fällt und der Wahl­kampf damit nach­träg­lich doch wie­der unehr­lich wird. Und eben auch das Gezerre die Vor­ur­teile alle bestätigt.

Auch das ist Deutschland.

Gut so!

October 18th, 2005

Die aktu­el­len poli­ti­schen Ent­wick­lun­gen sind sehr span­nend zu beob­ach­ten. Was ich per­sön­lich sehr span­nend finde ist, dass die Poli­tik momen­tan nicht mehr jeden Schritt der Ver­hand­lun­gen direkt über alle Medien ver­brei­tet, son­dern die Jour­na­lis­ten auch schon mal ein paar Tage war­ten müs­sen, bis sie irgend­wel­che Infor­ma­tio­nen bekom­men. So sehr ich selbst ein Infor­ma­ti­ons­jun­kie bin und auch Nach­rich­ten auch einen erheb­li­chen Teil mei­nes Tages­ab­laufs aus­ma­chen – dass hier der Druck, alles und jedes sofort als Nach­richt prä­sen­tie­ren zu kön­nen von den Poli­ti­kern abprallt, gefällt mir gut. Ich halte das für eine Ent­wick­lung, die durch­aus posi­tiv zu bewer­ten ist.

Globalization

October 3rd, 2005

Wow. Has it really been that long since I last was active here? Sheesh!

During the long wee­kend that I’m cur­rently enjoy­ing, Glo­ba­liza­tion seems to be a fairly pro­mi­nent topic. I’ve seen two docu­men­ta­ries on TV about two sepe­rate aspects of it that got me thin­king hard and deep on clu­tu­ral eli­tism and euro­cen­tric views, as well as trends Europe might cer­tainly miss if it doesn’t stop loo­king at it’s own agen­das so much. And now, going through my feed rea­der again, I see that one post on Joi Ito’s blog stand out to me, remin­ding me of my own expe­ri­en­ces with Ame­ri­can Express.

When I moved from Aus­tria to Ger­many, I wan­ted to take my AmEx card with me. Alas, it was a Gold card and not the nor­mal AmEx, so I wan­ted that in Ger­many as well. I tal­ked to two dif­fe­rent cust­o­mer rep­re­sen­ta­ti­ves on the phone, but both said that they couldn’t issue me the card I wan­ted. The credit history of me in Ger­many was not good enough for me to get the Gold card. („Schufa-Auskunft“) I was wil­ling to give them the card num­ber of my Aus­trian card, but they said that they couldn’t access that data, so it wouldn’t be of any help. To make the long story short (and I do admit that I was fairly angry about it at that time), I signed up for a gold Visa card, got that wit­hin days and I’ve been happy with that ever since.

Maybe I might take an inte­rest in AmEx again if they offer me a Cen­tu­rion card wit­hout the yearly mem­bership fee.

Merkel und der Terror …

July 19th, 2005

Dank eines Hin­wei­ses bei Frau Zucker las ich gerade, dass Angela Mer­kel plant, keine Sol­da­ten in den Irak zu ent­sen­den, und dass die Wäh­ler dar­auf auch nach der Wahl ver­las­sen könn­ten. Abge­se­hen davon, dass es mich sehr skep­tisch stimmt, dass das extra betont wird – für die Irr­tü­mer ist ja der poten­zi­elle kleine Koali­ti­ons­part­ner zustän­dig – und das doch gerade dazu ein­lädt zu fra­gen, auf wel­che Dinge der Wäh­ler sich nicht ver­las­sen kann, ist es doch inter­es­sant zu sehen, dass nach dem lau­ten Geze­ter die Kanz­ler­po­si­tion ja doch nicht voll­stän­dig falsch sein kann. Man sollte aber ver­mut­lich dar­auf hin­wei­sen, dass man mit genau die­ser Posi­tion nicht noch mal eine Wahl wird gewin­nen können.

Was mich aber im Zusam­men­hang mit der Bun­des­wehr und dem Ter­ror auch noch befrem­det ist, dass Frau Mer­kel immer noch so vehe­ment für den Ein­satz im Inland ein­tritt, auch wenn genug kom­pe­tente Men­schen dage­gen argu­men­tie­ren. Vor allem auch die Begrün­dung, dass die Bun­des­wehr im Aus­land ja schon den Kampf gegen den Ter­ror (eigent­lich: gegen das Hin­ter­land der Ter­ro­ris­ten) unter­stützt, da müsse sie das ja auch im Inland tun können.

Ich finde, die­ser Frage sollte man sich erst stel­len, wenn dann in Deutsch­land auch die Zustände wie in Afgha­nis­tan oder im Irak herrschen.

Rechtschreibreform

July 19th, 2005

Die deutsch­spra­chige Blog-Welt kom­men­tiert es ja schon kräf­tig und auch ich ver­kneife mir mei­nen Kom­men­tar nicht: Ich finde die Ent­schei­dung der bay­ri­schen und nordrhein-westfälischen Lan­des­re­gie­rung, an der Recht­schreib­re­form nicht teil­zu­neh­men, aber­wit­zig dumm. Nicht nur, weil alle Dis­kurse rund um diese Reform sehr gerne auch für popu­lis­ti­sche Kunst­griffe genutzt wer­den, son­dern auch aus ande­ren Gründen:

  • Es geziemt sich nicht, bereits getrof­fene und gemein­schaft­lich ver­ab­schie­dete Ent­schei­dun­gen der­art offen zu tor­pe­die­ren. Eine gewisse Kon­ti­nui­tät der Regie­run­gen ist schon sinn­voll. Die CDU hätte es sich wirk­lich ver­knei­fen kön­nen, da jetzt auszuscheren
  • Auch wenn man inhalt­lich mit man­chen Detail­ent­schei­dun­gen nicht ein­ver­stan­den ist, halte ich es trotz­dem für die düm­mere Ent­schei­dung, die Gemein­sam­keit der Recht­schrei­bung inner­halb eines Staa­tes auf­zu­ge­ben. Wenn ich das rich­tig ver­stehe, bekom­men Kin­der in Bie­le­feld jetzt Worte als Feh­ler ange­stri­chen, die in Han­no­ver als rich­tig gese­hen wer­den – da ver­schlägt es einem doch wirk­lich die Sprache.

Heuschrecken!

July 12th, 2005

Seit ges­tern ver­stehe ich, was Franz Münte­fe­ring mit Heu­schre­cken in der Kapi­ta­lis­mus­kri­tik meinte.

Wir haben ges­tern aus dem alten Büro einen klei­nen Hau­fen Sachen auf die Straße gestellt, weil wir für nächs­ten Mor­gen einen Sperr­müll­ter­min hat­ten. Inner­halb weni­ger Minu­ten (fünf? zehn?) stan­den Men­schen um die Sachen, began­nen sie zu zer­le­gen, zu bewer­ten und in her­bei­ge­schaffte Autos zu packen. Das Stich­wort „ebay“ fiel mehr­fach, auch im Zusam­men­hang von „Auf ebay fin­dest Du auf jeden Fall einen Dum­men, der das kauft.“ Nach zwan­zig Minu­ten waren sicher zehn, fünf­zehn Leute zusam­men­ge­kom­men – wir hat­ten es zum Teil schwer, aus der Tür zu kom­men, weil so viele Men­schen rumstanden.

Jetzt macht das Bild der ein­fal­len­den Schwärme auch für mich Sinn.

Werteverfall

June 23rd, 2005

Ges­tern, auf wdr gings in Hart aber Fair um den Neu­an­fang in NRW und um die Kopf­no­ten wie „Ver­hal­ten“ und „Fleiß“, die jetzt in den Schu­len wie­der ein­ge­führt wer­den sol­len. In der Dis­kus­sion wurde von CDU und FDP mehr­fach dar­auf ver­wie­sen, dass die Gesell­schaft wie­der mehr Wert auf diese Sekun­där­tu­gen­den legt und legen sollte. Darum auch diese Noten.

Wenn es nun wirk­lich so wich­tig ist, sich auch um sol­che The­men einen Kopf zu machen, sollte man dann nicht in einer Fern­seh­dis­kus­sion, als gutes Vor­bild, sein Gegen­über aus­spre­chen las­sen, nicht bil­lige rhe­to­ri­sche Tricks unter­las­sen und ein­fach gene­rell auch mit dem poli­ti­schen Gege­ner einen ande­ren Umgang pfle­gen? Solange es nur um Noten geht, aber Poli­ti­ker lügen, Wahr­hei­ten ver­zer­ren, dem Gegen­über das Wort abschnei­den und gene­rell mei­nen, das Thema „Kin­der­stube“ habe mit ihnen nichts zu tun, finde ich die Dis­kus­sion mehr als nur scheinheilig.

Trauer in Dresden

February 11th, 2005

Natür­lich ist es sehr bit­ter, dass die Rech­ten der­zeit die vie­len Toten in Dres­den zu instru­men­ta­li­sie­ren suchen, um sich auch in gutem Licht dar­zu­stel­len. Offen­sicht­lich schaf­fen sie es aber, ein Thema zu beset­zen, dass in der geschicht­li­chen Auf­ar­bei­tung bis­her nur lokale Bedeu­tung hatte. So bit­ter das demo­kra­tie­po­li­tisch ist, zeigt es aber auch, dass es ein Feld ist, dass eben noch gut zu beset­zen ist. Gäbe es etwas mehr Selbst­ver­ständ­lich­keit darin, dass auf allen Sei­ten des Krie­ges Dinge pas­siert sind, auf die die Mensch­heit nicht stolz zu sein hat, fände das der­zei­tige Schau­spiel auch nicht statt.

Aber viel­leicht ist der Pro­zess gerade auch gut, um eine etwas sou­ve­rä­nere Sicht auf den zwei­ten Welt­krieg zu bekom­men und auch die Schlach­ten der ande­ren etwas anders zu betrachten.

Nazi-Vergleiche

February 6th, 2005

Wenn der Poli­ti­ker, der behaup­tet, die der­zei­tige Regie­rung würde für Ver­hält­nisse wie 1932 sor­gen, gerne Reichs–Kanz­ler wer­den möchte — wel­che Rolle nimmt denn er dann ein?

Abgeordnetendiäten

January 18th, 2005

Die Dis­kus­sion um die Neben­tä­tig­kei­ten von Abge­ord­ne­ten finde ich aus den ver­schie­dens­ten Grün­den span­nend; ich ver­su­che, sie auch halb­wegs ernst­haft zu ver­fol­gen. Es gibt aber einige Dinge, die mir noch immer nicht klar sind. Dazu gehört, warum Abge­ord­nete, die für einen vol­len Job bezahlt wer­den, immer auch noch Zeit haben, in einem Unter­neh­men zu arbei­ten. Zwei Gedan­ken gibt es aber, die ich bis­her noch kaum in der Dis­kus­sion gefun­den habe:

  1. Warum nicht jene Abge­ord­ne­ten, die dar­auf beste­hen, in Lohn und Brot bei ande­ren Arbeit­ge­bern zu ver­blei­ben, von Ämtern und Ent­schei­dun­gen aus­schlies­sen, die in direk­ter Weise Ein­fluss auf das Markt­um­feld der arbeit­ge­ben­den Unter­neh­men haben? So könn­ten dann Abge­ord­nete natür­lich wei­ter­hin bei Volks­wa­gen ange­stellt blei­ben, sie wären nur an kei­nen Ent­schei­dun­gen über Industrie-, Ver­kehrs– oder Ener­gie­po­li­tik beteiligt.
  2. Warum haben die Wäh­ler der spe­zi­el­len Wahl­kreise noch nicht begon­nen, die von ihnen gewähl­ten Ver­tre­ter genauer unter die Lupe zu neh­men oder sie zu befra­gen, wem sie denn in wel­cher Weise ver­ant­wort­lich sind? Ich glaube schon, dass in einem par­la­men­ta­ri­schen Sys­tem, wo Abge­ord­nete stär­ker an ihre Wäh­ler gebun­den sind (und natür­lich auch umge­kehrt) das Gefühl der per­sön­li­chen Ver­ant­wor­tung stärkt. Dadurch aber, dass bei uns mehr die Par­teien und Frak­tio­nen als die ein­zel­nen Per­so­nen im Vor­der­grund ste­hen, das Sys­tem also anony­mer wird, ist mög­li­cher­weise auch die Bin­dung zu ande­ren sozia­len Grup­pen (wie eben vor­he­rige Unter­neh­men) ein grös­se­rer Faktor.

Ein vom Timing zusätz­lich schlech­ter Fak­tor ist, gerade zu einem Zeit­punkt wo den Schwa­chen in der Gesell­schaft Enor­mes an Infor­ma­tion abge­for­dert wird, wo prin­zi­pi­el­les Miss­trauen herrscht (wieso sonst gibt es den direk­ten Zugriff auf die Kon­to­in­for­ma­tio­nen der ALG II Bezie­her, ohne deren Wis­sen), sich dar­auf zu beru­fen, dass Abge­ord­nete nicht unter Gene­ral­ver­dacht gestellt wer­den soll­ten oder auch ein Recht auf Pri­vat­sphäre haben, ist zumin­dest schlech­ter Stil. Ich möchte auch gar nicht wis­sen, was Abge­ord­nete in ihrem Schlaf­zim­mer tun; ich finde aber schon, dass ihre Abhän­gig­kei­ten durch­aus etwas sind, wor­auf man als von ihnen Reprä­sen­tier­ter (oder eben doch erst in zwei­ter oder drit­ter Linie Reprä­sen­tier­ter) ein Anrecht hat.

Post-election maps

November 7th, 2004

Having seen one US post-election map too many, I finally rea­li­zed what I so very much dis­li­ked about them — the color-coded maps showing all that red give a dis­tor­ted view of the electorate.

Area is not the inte­res­ting fac­tor, popu­la­tion den­sity is. It’s true that the US map looks fairly red, lea­ding to the con­clu­sion that an over­whel­ming majo­rity of the US citi­zens voted Bush.

This isn’t so.

It’s just spar­sely popu­la­ted states.

Michael Gast­ner has been doing rese­arch in dis­to­ring maps accor­ding to dif­fe­rent fac­tors; his home­page cur­rently pro­min­ently fea­tures a map of the US that evens out the popu­la­tion. And then, sud­denly, it’s a lot more even.

Thank you, Erich for dis­cus­sing this with me and of course for poin­ting out Michael Gast­ner to me.

Europa vs USA

November 6th, 2004

George Wal­ker Bush ist mit des­halb wie­der­ge­wählt wor­den, weil er sich deut­lich gegen ein poten­ti­el­les Recht homo­se­xu­el­ler Paare auf Ehe­schlies­sung gestellt hat.

Die alte neue EU-Kommision von José Manuel Bar­roso ist mit des­halb geschei­tert, weil einer sei­ner Kom­misare sich deut­lich gegen ein Recht homo­se­xu­el­ler Paare auf Ehe­schlies­sung aus­ge­spro­chen hatte.

Manch­mal finde ich es gar nicht so schlecht, in Europa zu leben.

Biometrische Daten im Pass

November 1st, 2004

Die EU-Innenminister haben sich wohl dar­über ver­stän­digt, bio­me­tri­sche Daten in die Rei­se­pässe der EU-Bürger aufzunehmen.

Wenn man sich über­legt, wel­chem Neben­nut­zen die im Rah­men der Ter­ror­be­kämp­fung ein­ge­führte Über­wa­chung von Bank­kon­ten im Zuge der Ein­füh­rung der Arbeits­lo­sen­hilfe neu (vulgo: Hartz IV) schon zuge­führt wurde, ist die Aus­sicht, dass in Kürze sys­te­ma­tisch Gesich­ter ver­mes­sen und Daten gespei­chert wer­den, eher beängs­ti­gend. Die Video-Überwachung ist ja schon in recht vie­len Gegen­den recht flä­chen­de­ckend, aber bis­her war die Gesichts­er­ken­nung noch nicht so weit, dass die Daten ordent­lich ver­wert­bar wären.

Das könnte sich nun plötz­lich ändern.

Wel­chen Nut­zen sol­len die bio­me­tri­schen Daten eigent­lich genau haben?