Archiv der Kategorie: Politics

Es droht Gefahr!

Die Menschen heute sind ja großen Gefahren ausgesetzt. Wir wissen, dass in der Bevölkerung Masern wieder ihr Unwesen treiben, wir hören immer wieder von multiresistenten Keimen, Vogelgrippe und anderen wunderbaren Errungenschaften der Natur. 

Um sicherzustellen, dass wir auch noch unbekannte Bedrohungen auf dem Schirm haben und auch die Zusammenhänge erkennen, die sich heute noch nicht erschließen, sollten wir uns dafür stark machen, dass einfach alle Gesundheitsdaten zentral zusammengeführt werden. Alle Diagnoseschlüssel, alle Behandlungen (insbesondere Medikamentenverschreibungen) müssen für die entsprechenden Behörden einsehbar sein. Es ist ja alles nur im Dienste der Volksgesundheit. 

Ach, bei Gesundheitsdaten ist das nicht so toll? Aber bei Kommunikationsdaten sollen wir es uns gefallen lassen? 

Perspektivenkorrektur

Gestern ist mir ein Video untergekommen, das ich auch auf jeden Fall mit Euch teilen muss. Es geht mir schon den ganzen Tag nicht aus dem Sinn. Und letztlich fasst es auf unglaubliche Weise einen Aspekt zusammen, was in unserer Welt so total schief läuft.

Es geht um die Verteilung von Reichtum in den USA – wie die Menschen es empfinden, und wie es tatsächlich ist.

Vermögensverteilung – der ungerecht verteilte Reichtum der USA

Grundsätzliche Überlegungen.

Wenn wir annehmen, dass Geheimdienste immer weiter spionieren werden und alle Formen der elektronischen Kommunikation in dem Maße überwachen, das technisch möglich ist – egal, in welcher Weise Gesetze sie zu beschränken versuchen. Wenn wir weiterhin annehmen, dass wir nicht mal legislativen Einfluss auf die überwiegende Anzahl an Geheimdiensten haben, da sie Institutionen anderer Staaten sind. Wenn wir zusätzlich noch annehmen, dass die Geheimdienste auch noch die Aufsicht, die in manchen Staaten die Legislative auszuüben berechtigt ist, als ihren Gegner auffassen und ihr Möglichstes tun, ihre tatsächlichen Aktivitäten zu verschleiern und die eigentlich Befugten auch absichtlich im Dunkeln lassen – ja, welche Mittel haben wir denn dann überhaupt, die Situation der Welt zu verbessern?

Konnte man ja nicht wissen

Nein, natürlich hat wahrscheinlich kaum jemand gewusst, wie die globale Überwachung genau funktioniert und wer daran so beteiligt ist. Und natürlich bringen die Details zu all diesen Dingen immer noch Entsetzen hervor. Aber trotzdem, jetzt zu sagen, dass kann ja keiner gewusst haben, ist auch scheinheilig. Denn wenn man verstanden hat, in welchem Umfang die großen Internet-Unternehmen Daten sammeln und diese ja auch offensichtlich nutzen, dann ist es doch nur auf der Hand liegend, dass auch Begehrlichkeiten danach bei den Verbrechensverhinderern (so ja in dem Falle das erklärte Verständnis der Geheimdienste) entstehen. Schon alles gesammelt, vorverarbeitet und elektronisch auswertbar. Und, wenn ich mich nicht irre, ist es ja genau das, was die Ministerin Aigner und die diversen Datenschutzbeauftragten den Unternehmen so vorwerfen: dieser Datenhunger.

Nur jetzt will keiner was gewusst haben?

Bücher, Daten, Internet

Ich bin ein ziemlicher Bücherwurm. Schon während meines Aufwachsens waren mir Bücher wichtig und wert. Ich hatte meine Stammbuchhandlung, die Buchhändler dort kannten mich gut. Von Zeit zu Zeit half ich ein wenig bei technischen Problemen, oder ich durfte Bücher schon mal in Muffins bezahlen. Mein Geschmack, meine Interessen: das war dort alles klar – und siche auch ein Stück weit von den Menschen der Buchhandlung beeinflusst. Ich denke gerne an meine Nachmittage dort zurück. Ich bin mit meiner Netzkarte mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hingefahren, habe geschmökert und gequatscht, habe oft Bücher gekauft (Buch nehmen, Geld geben) und bin wieder gegangen.

Ich lese immer noch viel, aber vieles hat sich dabei verändert. Papierbücher kaufe ich immer seltener, und wenn, dann zumeist bei immer dem selben Online-Bücherversender, einem US-amerikanischen Unternehmen. Es gibt auch noch eine große Buchhandlung in der Stadt, in der ich mittlerweile lebe – aber die Sachen bis an die Türe geliefert zu bekommen ist halt doch so bequem. Und ich bin auch ein großer Freund des elektronischen Buches: kein Papier wird verarbeitet und durch die Welt transportiert, der Lesestoff ist innerhalb von Sekunden auf meinen elektronischen Geräten und überhaupt wird die Interaktion mit dem Material eine ganz andere.

Nur: früher, da wusste gerade mal meine Buchhändlerin, was ungefähr für Bücher ich kannte und mochte. Es gab dort wahrscheinlich keine Aufzeichnungen, die über die normale Buchhaltung im Einzelhandel hinausgingen. Gezahlt wurde mit Bargeld, das war es.

Heute? Ich kann bei amazon mein Kundenkonto der letzten fünfzehn Jahre einsehen, und jedes Buch, dass ich gekauft oder verschenkt habe, ist dort aufgeführt (auch mit der Empfängeradresse, damit es schön klar ist, ob es für mich selbst oder vielleicht doch direkt für jemand anderen war). Ja, ich führe sogar säuberlich zwei Listen dort, welche Bücher mich noch interessieren und die ich wahrscheinlich zu kaufen gedenke. Ich zahle per Lastschrift oder Kreditkarte, also gehen auch da wieder Daten an andere Unternehmen. Und wenn ich dann ebooks auf meinem Kindle lese, wird vermutlich sogar erfasst, wie viel Zeit ich mit welchem Buch verbringe. Auf jeden Fall aber, was ich mir im Buch notiere und welche Passagen ich mir selbst hervorhebe.

Das Bild des lesenden Menschen: in einer ruhigen Umgebung, sehr privat. Aber eben dieses Gefühl von Privatheit trifft überhaupt nicht mehr zu.

Wenige Datensammlungen im Leben geben wohl so viel Ausukunft über einen Menschen als jene die genau dokumentieren, was er oder sie so liest. Und das vor allem von Bequemlichkeit und Zeitersparnis getriebene Kaufverhalten führt dazu, dass das eine enorme Menge an Daten offenlegt. Natürlich gibt es Optionen: ich kann wieder zur kleinen Buchhandlung gehen und dort Bücher kaufen – oder besser gleich in mehreren Buchhandlungen. Leihbibliotheken fallen aus, wenn man vor allem an Datensparsamkeit interessiert ist; mehr als nur kleine Tauschringe wohl auch. Alles, was Ebooks betrifft, ist ja sowieso ausgeschlossen – da ist die Zuordnung letztlich immer möglich.

Ich bin mir nicht sicher, ob Politikern heute diese Zusammenhänge klar und offensichtlich sind. Wenn wir übers Lesen sprechen, denken die an Papierbücher die man im Laden kauft, oder sehen sie den Film über die ganzen Daten vor dem geistigen Auge?

Merkel und der Geltungsbereich des deutschen Rechts.

Als ich das erste Mal das Zitat von Angela Merkel hörte, in dem sie so sehr betonte, dass auf deutschem Territorium auch deutsches Recht gelten müsse, wurde ich sehr, sehr skeptisch. In dieser Abgrenzung, und in dieser Formulierung: da musste irgendwas anderes im Busch sein.

Mittlerweile habe ich die eine oder andere Vermutung, worum es geht; so sind z.B. Anlagen der US-Streitkräfte exterritoriale Gebiete – und natürlich ist sind auch internationale Hoheitsgewässer kein Punkt, an dem deutsches Recht gelten kann.

Wenn man sich z.B. die Deutschlandkarte rund um den Dagger Complex ansieht (und hier ausdrücklicher Dank an @ziromr auf Twitter), so sieht man, dass in nicht mal 5km Entfernung die Firmenzentrale von T-Online liegt. Und auch zum ESOC, dem European Space Operations Centre ,ist es nicht so weit. Es scheint ja relativ klar zu sein, dass im Dagger Complex einiges an NSA-Personal arbeitet. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Was Merkel uns also mit diesem Statement über den Geltungsbereich des deutschen Rechtes sagt ist nicht: „In Deutschland muss deutsches Recht gelten!“ sondern viel eher: „Wir können nichts gegen die massive Abhörung deutscher Daten unternehmen.“ Ob die Bundesregierung etwas gegen diese Maßnahmen machen möchte, darüber möge sich jeder selbst seine eigene Theorie bilden. Es würde mich überraschen, wenn wir dazu noch Aussagen bekommen.

Verschlüsselung ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems

Im Rahmen der globalen Internet-Überwachung, die PRISM und Tempora offensichtlich gemacht haben – und wahrscheinlich gibt es doch auch noch andere Programme in anderen Staaten – ist ein Gutteil des Online-Diskurses der Frage gewidmet, wie man sich selbst mit Verschlüsselung schützen kann.

Nach meinem Dafürhalten ist aber der Einsatz von Verschlüsselung keine Lösung des Problems: weder für persönliche Kommunikation noch als Ansatz für die globale Herausforderung.

Was wir bislang gehört haben, geht es bei den Überwachungsprogrammen um Metadaten. Diese werden durch keine Verschlüsselung verschleiert: Empfänger der Nachrichten sind bei derzeit allen Diensten identifizierbar. Auch die Nachrichtenlänge und Nachrichtenfrequenz sind leicht festzustellen. Hier hilft Verschlüsselung nicht.

Verschlüsselung verführt uns zur Annahme, die Kommunikation sei sicher. Dies muss nicht so sein. Die NSA ist einer der größten Arbeitgeber für Mathematiker weltweit. Aus Zeiten der Verabschiedung des DES (1976) ist bekannt, dass die NSA schon damals der öffentlich bekannten Forschung an Verschlüsselung einige Jahre voraus war – die von ihnen vorgeschlagenen Veränderungen am Algorithmus sicherten ihn gegen Analyseverfahren ab, die zu dem Zeitpunkt in der zivilen Welt noch nicht entdeckt worden waren. Es kann also gut sein, dass wir uns auf Verfahren verlassen, deren Sicherheit nicht mehr gegeben ist.

Und selbst wenn die Verschlüsselung heute noch sicher ist: die NSA speichert sehr, sehr lange. Wer sagt uns denn, dass innerhalb der nächsten dreissig Jahren die entsprechenden Algorithmen – sei es durch hinreichend schnelle Computer, sei es durch Fortschritte in deren Rückrechnung – nicht alle keinen Wert mehr haben? So groß ist die Anzahl der derzeit in den verschiedenen Tools eingesetzten Verfahren nicht.

Ein weiteres Thema ist, dass Verschlüsselung eine komplexe Aufgabe ist, wenn man sie ernst nimmt. Auch wenn wir uns bemühen, die Verfahren so einfach wie möglich zu gestalten und die Programme so benutzerfreundlich wie möglich zu bekommen: eine gewisse Komplexität muss bleiben, wenn die Verfahren ernsthaft genutzt werden sollen. Man denke nur an die Aufgaben, um private Schlüssel einerseits sicher und nur auf Geräten des Benutzers zu halten, andererseits aber auch in Backups zu sichern oder über mehrere Geräte abzugleichen. Von so Themen wie Integration in Webmail ganz zu schweigen – hier stoßen dann Welten zusammen, die nur sehr, sehr schwierig zusammenzuführen sein werden. Durch diese Komplexität wird es aber auch so bleiben, dass Verschlüsselung immer nur einer Minderheit zur Verfügung steht: jenen Menschen, die sich ernsthaft mit diesen Themen auseinandersetzen.

Was die Menschen, die sich stark online bewegen, so sehr stört ist kein technisches Problem; es ist ein politisches. Anstatt sich um technische Lösungen zu kümmern, sollten wir die Energie viel lieber darauf verwenden, uns politische und soziale Lösungen zu überlegen: das ist das Spielfeld, auf dem wir uns derzeit bewegen müssen. Ich sehe gerade keinen anderen Weg, uns der Überwachung der Unterseekabel zu entziehen, als nur möglichst wenig Daten über diese Kabel zu schicken. Das bedeutet: Europa muss sich Gedanken darüber machen, wie es die Abhängigkeiten von den USA als Technologiequelle reduziert. Europa muss sich darüber Gedanken machen, auf welche Weise wir die Internet-Wirtschaft in Europa so stärken können, dass europäischen Benutzern der Zugriff auf europäische Dienste lieber ist, als Unternehmen zu bemühen, die sich dem amerikanischen Recht unterordnen müssen. Denn, machen wir uns doch nichts vor: Europa wird es nicht schaffen, nennenswerten Einfluss auf das Vorgehen der amerikanischen Sicherheitsbehörden zu nehmen. Über keine Verhandlungen, über keine Gesetzgebung werden wir es schaffen, dass FISA-Beschlüsse öffentlich werden, dass die NSA sich gegenüber Ausländern anders verhalten muss oder dass die amerikanischen Unternehmen plötzlich bessere Werkzeuge haben, um sich dem Sicherheitswesen zu widersetzen. Vielleicht ändert sich der Narrativ, den wir hören: das heisst aber noch lange nicht, dass sich fundamental am Vorgehen was ändert.

Die EU muss sich darum bemühen, dass die IT-Industrie in Europa zu einer innovativen, beweglichen und eben auch unabhängigen Branche wird. Erst dann werden wir es schaffen, dass das europäische Recht auch für die europäischen Daten bindend ist.

So ein Blog … 

Da gibt es also einen gelernten Journalisten, der jetzt eine PR Agentur betreibt und der für einen Bundeskanzlerkandidaten einen Blog aufsetzt. Der sich, zumindest auf seiner Referenzen-Liste nicht mit sonderlich innovativen oder auch gar nur im öffentlichen Diskurs stattfindenden Online-Projekten hervortut. Angeblich hat er dafür Spenden in sechsstelliger Höhe von Unternehmern eingesammelt. Und dann hat dieser Mensch die Verve, zu behaupten, dieses Projekt entspräche in etwa dem, was die Kampagne für Barack Obama in den USA online auch schon umgesetzt hat.

Mal abgesehen davon, dass es schon wirklich Größenwahn entspricht, einen einzelnen Blog mit einer so zentralen strategischen Komponente – für die wirklich gute Menschen über Jahre gearbeitet haben und über die mittlerweile nun doch das eine oder andere bekannt geworden ist – des Obama-Wahlkampfs zu vergleichen. Dieser Größenwahn wird zwar auch in der finanziellen Dimension klar (ein Blog, der nicht mal ein Jahr laufen soll, und dann ein sechsstelliges Budget?). Nein, was ich nun wirklich nicht verstehe ist, warum das ganze so amateurhaft angegangen wird. Steinbrück muss das Projekt gekannt haben, sonst hätte es doch gar nicht mit seinem Namen starten können. Hat also der Kandidat keinen Kontakt mit seiner Parteizentrale – wo es ja durchaus Kompetenz in diesem Themenbereich gibt? Oder ist ihm so egal, was seine Partei ihm sagt? Wenn Letzteres wahr ist, was sagt das dann über eine potenzielle Regierungsmannschaft auf SPD-Seite aus? Und wenn das ganze auch innerhalb der SPD abgestimmt war – will man dann Steinbrück jetzt verheizen, weil die Wahl dieses Jahr sowieso zu keinem SPD-Bundeskanzler führen kann, sondern nur zu einem Vizekanzler, und das will Genosse Peer ja bekanntlich nicht machen?

Und nicht zuletzt: Will man einen Bundeskanzler haben, der im Thema Medienkompetenz sowohl selbst so ungeschickt wie auch so schlecht beraten ist, wie Steinbrück?

Politicians, This Is Your Wakeup Call.

Liebe Politiker,

spätestens durch die Affäre rund um das Vorgehen von News of the World muss es Euch doch offensichtlich geworden sein, dass der bisherige Umgang mit den Medien zu einem Risiko werden kann. Mit dem von der Politik gesuchten Nahverhältnis zur Presse ergeben sich zweierlei unterschiedliche Abhängigkeiten: Einerseits von Journalisten; also jenen Menschen, die tatsächlich berichten und deren Aufgabe es ist, die Empfänger der Nachricht auch tatsächlich zu erreichen. Andererseits ergibt sich aber – und das wird gerade in England mehr als nur offensichtlich – eine Abhängigkeit zu Verlegern, die in ihrer Natur anders ist; offensichtlich gelten da noch mal andere Spielregeln. Natürlich ist mir schon klar, dass die Machenschaften der News Corp noch mal eine andere Dimension haben als das, was hierzulande so passiert. Das aber die Verleger hier auch Macht nutzen und auf die Politik einwirken, kann niemand bestreiten: Ausgestaltung Rundfunk-Staatsvertrag (Stichwort Presseähnliche Angebote), „Tagesschau-App“, Leistungsschutzrecht … Alleine in den letzten 24 Monaten gibt es viele Beispiele, wo die Zeitungsverlage nicht über das, was man gemeinhin als marktwirtschaftliches Verhalten versteht, ihr Unternehmensziel zu erreichen und zu sichern suchen.
Es gibt aber einen Ausweg: Politiker können in meinen Augen bald gut ohne Verlage existieren. Und was kann helfen? Das Internet! Keine Zeitung hat mehr Leser als Menschen online sind: sowohl im Grossen (Bund und Länder) als auch im Kleinen (Kommunale Ebene). Das Medium hat also eine Reichweite, die durchaus interessant ist. Nun kann man sagen, nur dass so viele Menschen im Internet sind, heisst ja noch lange nicht, dass sie auch lesen, was man als Politiker so im Internet zu sagen hat. Das stimmt natürlich, aber das gilt auch für die Zeitung: Bloss, dass ein Mensch eine Zeitung kauft oder im Abo hat, heisst noch lange nicht, dass er jene Artikel liest, mit denen der spezielle Politiker jemanden erreichen möchte. Wenn der Politiker sich aber medienkonform verhält, seine Nachricht inhaltlich interessant und attraktiv gestaltet ist, dann besteht im heutigen Internet eine deutlich grössere Chance darauf, dass andere Menschen seine Nachricht weiterverbreiten – über soziale Netze wie Facebook, Twitter, Google+ oder was gerade aktuell ist. Der Sender hat zwar nicht mehr die Kontrolle über die Verbreitung, er hat aber eine grössere Kontrolle über die Botschaft: Er muss sich nicht eines Mittlers – eben der Journalisten – bedienen.
Der grössere Schritt im medienkonformen Verhalten ist aber der viel schwierige und im Prinzip auch grundsätzlichere: das Netz nicht als Medium zu verstehen, mittels dessen man seine Nachrichten verbreitet, sondern als ein Medium des Dialogs. Nicht nur zu schreiben, sondern auch zu lesen: den Menschen zuzuhören und sie – zum Teil auch in kleinen Runden oder gar virtuellen Einzelgesprächen – zu überzeugen.
Nun mag man einwerfen, dass man eine Abhängigkeit (die von den Journalisten) gegen eine neue (die von sozialen Netzwerken) austauscht. Diverse Berater meinen, dass man unbedingt auf einem spezifischen System sein muss, um zu kommunizieren. Wenn man seine Strategie auf nur ein Produkt (Twitter, Facebook, Xing, MySpace) ausrichtet, dann ja: dann macht man sich davon abhängig. Wenn man aber diese spezifischen Kanäle als nur die jeweils aktuellen Systeme begreift, die aber innerhalb weniger Monate sehr deutlich an Relevanz verlieren können, weil ein neues System neue, schöne Dinge mit sich bringt, dann relativiert sich diese Sichtweise schon. Und wenn man dann mehrere Kanäle gleichzeitig besetzt, gibt es keine einzelne Abhängigkeit mehr. Und nicht zuletzt ist es im Internet ein einfaches, auch selbst zum Anbieter zu werden: Blog-Software ist so einfach geworden, dass man mit nur wenigen Klicks das technische System selbst bereitstellen kann, um im Internet zu publizieren. Aber das ist erst der Startpunkt für das neue Abenteuer. Mit dem Zentrum der eigenen Internet-Aktivitäten begibt man sich also in keine Abhängigkeit – was man auf seiner Website, auf seinem Blog tut und lässt, liegt vor allem in der eigenen Hand.
Ich glaube, die Verleger beginnen zu verstehen, dass sich die Welt in diese Richtung ändert. Mit deshalb ja ihre Versuche, ihre Relevanz auch in die Online-Welt zu übertragen: Und sei es, in dem die Relevanz anderer Anbieter per Gericht oder eingeschränkt wird. Nun ist es an der Zeit, dass die Politik auch zu verstehen beginnt. Denn der Tag wird kommen, an dem man sich endlich von den Rupert Murdochs dieser Welt emanzipieren kann.

Vroniplag vs Chatzimarkakis

Schon seit Tagen läßt mich die Fernsehdiskussion bei Anne Will, an der Anke Domscheit-Berg und Georgios Chatzimarkakis teilgenommen haben, nicht los. Insbesondere der Schlagabtoausch, als es um die Anonymität der Vroniplag-Teilnehmer ging, die dem FDP-Mandatar offensichtlich so sehr ein Dorn im Auge ist.

Ich vermute – und wahrscheinlich ist das Frau Domscheit-Berg auch sehr wohl klar – dass wir hier genau den Kern des Missverständnisses zwischen den aktuellen politischen Mandataren und den im Netz sozialisierten. Und auch die Journalisten hatten an diesem Punkt augenscheinlich noch nicht verstanden, warum die Identität der einzelnen Rechercheure irrelevant ist – so, wie letztlich für den Linux-Kernel oder ein beliebiges anderes offenes und klar abgegrenztes Online-Projekt auch irrelevant ist, welche konkreten Personen sich zu jedem beliebigen Zeitpunkt daran beteiligen. Denn: es geht dabei nicht darum, eine subjektive Meinung zu verkünden oder mit seinem Namen für gewisse Aussagen einzustehen, wie es das Selbstverständnis des kommentierenden Journalismus ist. Und letztlich: bei dpa-Meldungen interessiert auch der konkrete Verfasser ähnlich stark, wie es für Parlamentsprotokolle relevant ist, welcher Stenotypist gerade Dienst hatte. Wenn also Spreng sagt, dass Journalisten davon Leben, mit ihrem Namen für etwas einzustehen, befleissigt er sich auch eines eingeschränkten Blickes auf die eigene Zunft. Von Volontären und Praktikanten, die z.B. Achivrecherchen durchzuführen haben und dafür nicht namentlich genannt werden, jetzt ganz geschwiegen. Es geht in diesen konkreten Fällen darum, eine klar umrissene, vollständig nachvollziehbare und in gewissem Sinne fast mechanische Arbeitsleistung zu erbringen. Bei der Plagiatsrecherche kann man, sicher überzeichnend, schon fast von einer intellektuellen Fliessbandarbeit sprechen. Selbst wenn man um die konkreten handelnden Personen wüsste, so änderte dies nichts an der Bewertung der gemeinsam erbrachten Arbeitsleistung.

Diese Kultur der „Schwarm-Intelligenz“, die das Netz als eigenständige, neue Form der Arbeitsorganisation einbringt, ist möglicherweise in den Köpfen der Politiker noch nicht angekommen. Diese Organisation steht auch dem politischen Betrieb insofern diametral entgegen, als gerade dort ja eine Personalisierung und Zuspitzung nur auf einzelne, identifizierbare Menschen raumgreifend ist. Die Antwort aus dem Netz – die Kollaborations-Wikis, die Lulcaz und anonymous, aber auch die S21-Protestbewegung – ist eben der möglicherweise aus diesem Betrieb schwer zu begreifende Gegentrend.

Wir werden vermutlich noch einige Zeit brauchen, bis das Wissen um lose, themenspezifische Zusammenarbeit im Netz in den Köpfen der Politiker angekommen ist. Selbst in der entsprechenden Enquette-Kommission, wo die Politik ja mit solchen Ansätzen konfrontiert wurde und eigentlich auch relativ gefahrlos hätte experimentieren können, wurden diese Ansätze zunächst abgeblockt.

Übrigens entbehrt es nicht einer dunklen Ironie, dass gerade ein Autor, in dessen Dissertation diverse Plagiate nachgewiesen sind, von den Rechercheuren eine namentliche Kennzeichnung ihrer Arbeitsleistung einzufordern versucht, oder?

European Software

Reading that the German Foreign Ministry is about to change their computing desktops back from a GNU/Linux-based system to Microsoft Windows and their Office offerings, a thing that has been on my mind for a while comes back again.
I think it would be very worthwhile to start an initiative to foster european software; I think that wherever software produced in europe is available, it should be favored over other products. There are european operating system vendors – especially in the GNU/Linux arena. Why are they not getting the money, but rather the big vendor from Redmont?
There also is the point that I think particularly for sensitive information, an operating system where the code can be audited and traced is a good idea. I am not sure that you should be trusting the operations of a highly sensitive network to a company that is not all transparent about it motives, or its potential connections to the intelligence community in its home country.
I think that strategic investments would also do wonders to stimulate activity in the software market. Working towards the goal of eroding Microsoft’s dominance would be a good thing in my book. Considering that there have been many pushes towards fostering something like a european (or german, or british or …) Silicon Valley, this could just be the way to get the european software industry to focus on providing competitive offerings for basic functionality like office and desktop operating systems.

Stoiber’sches Missverständnis

Bisher noch nicht die Zeit gefunden, den kleinen Seitenhieb zu bloggen:

Stoiber hat, in einer der zahlreichen Begründungen, warum er nicht in die Bundesregierung geht, gemeint, dass er die Interessen der CSU besser in München als in der Bundesregierung vertreten kann. Ich erwarte von einem Minister, dass er die Interessen des Landes vertrtitt, und nicht vornehmlich die seiner Partei. Wenn er in die Regierung geht, um das zu tun, hat er dort nichts verloren.

Dass er jetzt zugegeben hat, nicht Müntefehring sei ausschlaggebend gewesen, sondern sein Verhältnis zu Frau Merkel, ist übrigens wieder einer dieser Faktoren der Unglaubwürdigkeit: Wenn es jetzt Merkel ist, und nicht Münte, warum hat er letzteres zuerst behauptet, und damit gelogen?

Jobgipfel Aluminium

Gut, ein nur mehr geschäftsführender Kanzler muss wahrscheinlich kleinere Brötchen backen, aber bitte: Wegen 800 Arbeitsplätzen intervenieren jetzt schon drei Ministerpräsidenten und der Bundeskanzler beim norwegischen Mutterhaus der Aluminiumöfen? Es ist ja schon bitter, dass man diesmal nicht die bösen amerikanischen Hedge-Fonds verantwortlich machen kann, sondern ein europäisches Unternehmen hinter den Entlassungen steht (und das, wo sie doch hier sogar schwarze Zahlen schreiben!).

Nicht falsch verstehen: Natürlich ist es für die nun bald Arbeitslosen und deren Familien kein einfaches Schicksal, insbesondere da ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten am Arbeitsmarkt wohl auch nicht mehr so schnell gefragt sein werden. Aber, wenn man sich der Statistiken über die Arbeitsplatzvernichtung erinnert, die im Wahlkampf so gerne als Argument verwendet wurden, dann sind doch diese 800 Arbeitsplätze jetzt nicht gerade eine Größenordnung, die so ungewöhnlich ist. Und das noch in einer Industrie, deren Umweltbilanz nicht so richtig gut ausfällt; der man also durchaus kritisch gegenüber stehen kann.

Aber … drei Ministerpräsidenten und der Bundeskanzler? Und das ganze dann auch noch in den Nachrichten?

Personalisierung

Man mag ja zu ihr stehen, wie man möchte, aber warum genau ist jetzt Frau Nahles an allem schuld?

Sie hat kandidiert, gut. Das hat sie offensichtlich auch vorher klargemacht; immerhin gab es eine Diskussion, welche Aufgaben ein Generalsekretär haben soll. Aber es haben sie eine gar nicht unerhebliche Anzahl von Präsidiumsmitgliedern gewählt, und das wird wohl kein Versehen gewesen sein. Und Franz Müntefehring hat weder seine Absichten zu dieser Wahl kundgetan; noch war es in meinen Augen klar, dass er diesen Schritt tun muss. Er hätte genauso sagen können, dass er den Willen des Präsidiums so akzeptiert, es für ihn zwar keine leichte Aufgabe sein wird, aber er sich der Herausforderung stellt.

Aber die Schuld trifft nur die eine, Frau Nahles?

Politikverdrossenheit

Es ist ja auf eine gewisse Art sehr spannend zu verfolgen, in welcher Weise sich die beiden Volksparteien sich gerade ins Knie schießen.

Ich glaube aber, dass neben dem lustigen Theater das wir hier sehen und den politischen Herausforderungen, die darin liegen, das ganze auch zur Politikverdrossenheit beiträgt, und dadurch sehe ich es als nicht unproblematisch. Es besteht ein ziemlicher Unterschied zwischen dem Auftreten speziell im Wahlkampf, der Entschlossenheit und der dargestellten Klarheit in den Strategien, die bestehenden Probleme zu lösen. Und nun wird gezetert und geziehen als hätten viele der Beteiligten in ihrem Leben noch nie eine komplexere, vielschichtige Entscheidung getroffen. Außerdem geht es nun wieder rein und ausschließlich um Personen und nicht um Inhalte oder politische Programme. Wie die Koalition gedenkt, die Arbeitslosigkeit zu senken, was genau zum sozialen Ausgleich getan werden soll, wie sich Deutschland weiter in der europäischen Integration zurechtfindet … alles egal. Ob Stoiber in München oder Berlin bleibt, und wer SPD-Generalsekretär ist, das sind offensichtlich die drängenden Fragen dieser Nation. Meine Befürchtung ist, dass man diese Fragen nicht wirklich vermitteln kann. Dass den Menschen der Unterschied auffällt und der Wahlkampf damit nachträglich doch wieder unehrlich wird. Und eben auch das Gezerre die Vorurteile alle bestätigt.

Auch das ist Deutschland.

Gut so!

Die aktuellen politischen Entwicklungen sind sehr spannend zu beobachten. Was ich persönlich sehr spannend finde ist, dass die Politik momentan nicht mehr jeden Schritt der Verhandlungen direkt über alle Medien verbreitet, sondern die Journalisten auch schon mal ein paar Tage warten müssen, bis sie irgendwelche Informationen bekommen. So sehr ich selbst ein Informationsjunkie bin und auch Nachrichten auch einen erheblichen Teil meines Tagesablaufs ausmachen – dass hier der Druck, alles und jedes sofort als Nachricht präsentieren zu können von den Politikern abprallt, gefällt mir gut. Ich halte das für eine Entwicklung, die durchaus positiv zu bewerten ist.

Globalization

Wow. Has it really been that long since I last was active here? Sheesh!

During the long weekend that I’m currently enjoying, Globalization seems to be a fairly prominent topic. I’ve seen two documentaries on TV about two seperate aspects of it that got me thinking hard and deep on clutural elitism and eurocentric views, as well as trends Europe might certainly miss if it doesn’t stop looking at it’s own agendas so much. And now, going through my feed reader again, I see that one post on Joi Ito’s blog stand out to me, reminding me of my own experiences with American Express.

When I moved from Austria to Germany, I wanted to take my AmEx card with me. Alas, it was a Gold card and not the normal AmEx, so I wanted that in Germany as well. I talked to two different customer representatives on the phone, but both said that they couldn’t issue me the card I wanted. The credit history of me in Germany was not good enough for me to get the Gold card. („Schufa-Auskunft“) I was willing to give them the card number of my Austrian card, but they said that they couldn’t access that data, so it wouldn’t be of any help. To make the long story short (and I do admit that I was fairly angry about it at that time), I signed up for a gold Visa card, got that within days and I’ve been happy with that ever since.

Maybe I might take an interest in AmEx again if they offer me a Centurion card without the yearly membership fee.

Merkel und der Terror …

Dank eines Hinweises bei Frau Zucker las ich gerade, dass Angela Merkel plant, keine Soldaten in den Irak zu entsenden, und dass die Wähler darauf auch nach der Wahl verlassen könnten. Abgesehen davon, dass es mich sehr skeptisch stimmt, dass das extra betont wird – für die Irrtümer ist ja der potenzielle kleine Koalitionspartner zuständig – und das doch gerade dazu einlädt zu fragen, auf welche Dinge der Wähler sich nicht verlassen kann, ist es doch interessant zu sehen, dass nach dem lauten Gezeter die Kanzlerposition ja doch nicht vollständig falsch sein kann. Man sollte aber vermutlich darauf hinweisen, dass man mit genau dieser Position nicht noch mal eine Wahl wird gewinnen können.

Was mich aber im Zusammenhang mit der Bundeswehr und dem Terror auch noch befremdet ist, dass Frau Merkel immer noch so vehement für den Einsatz im Inland eintritt, auch wenn genug kompetente Menschen dagegen argumentieren. Vor allem auch die Begründung, dass die Bundeswehr im Ausland ja schon den Kampf gegen den Terror (eigentlich: gegen das Hinterland der Terroristen) unterstützt, da müsse sie das ja auch im Inland tun können.

Ich finde, dieser Frage sollte man sich erst stellen, wenn dann in Deutschland auch die Zustände wie in Afghanistan oder im Irak herrschen.

Rechtschreibreform

Die deutschsprachige Blog-Welt kommentiert es ja schon kräftig und auch ich verkneife mir meinen Kommentar nicht: Ich finde die Entscheidung der bayrischen und nordrhein-westfälischen Landesregierung, an der Rechtschreibreform nicht teilzunehmen, aberwitzig dumm. Nicht nur, weil alle Diskurse rund um diese Reform sehr gerne auch für populistische Kunstgriffe genutzt werden, sondern auch aus anderen Gründen:

  • Es geziemt sich nicht, bereits getroffene und gemeinschaftlich verabschiedete Entscheidungen derart offen zu torpedieren. Eine gewisse Kontinuität der Regierungen ist schon sinnvoll. Die CDU hätte es sich wirklich verkneifen können, da jetzt auszuscheren
  • Auch wenn man inhaltlich mit manchen Detailentscheidungen nicht einverstanden ist, halte ich es trotzdem für die dümmere Entscheidung, die Gemeinsamkeit der Rechtschreibung innerhalb eines Staates aufzugeben. Wenn ich das richtig verstehe, bekommen Kinder in Bielefeld jetzt Worte als Fehler angestrichen, die in Hannover als richtig gesehen werden – da verschlägt es einem doch wirklich die Sprache.