Für eine neue Energiepolitik.

Energiepolitik ist Geopolitik: Fast alle Energieträger, die in Großkraftwerken eingesetzt werden, müssen aus dem Ausland importiert werden. Das heißt, dass wir die dortigen Regimes finanziell unterstützen. Gas kommt aus Russland, Öl kommt aus dem nahen Osten. Uran kommt aus Australien, Russland, Niger, Namibia, Kasachstan und Usbekistan. Und auch Kohle wird bald nicht mehr in Deutschland gefördert (und auch jetzt nicht zu wettbewerbsfähigen Kosten). Neben der finanziellen Unterstützung ist es aber auch – und das Beispiel Russland zeigt das ja jeden Winter aufs Neue in eindrucksvoller Weise – ein enormer Machtfaktor. Es muss im Sinne eines größeren Entscheidungsspielraumes das Interesse der europäischen Union sein, dass die Energieversorgung auch in ihren Verbrauchsgütern – so diese noch erforderlich sind – autark von statten geht. Erst dann wird es auch glaubhaft möglich, sich für andere politische Ziele wie Demokratisierung des nahen und mittleren Ostens einzusetzen: die bestehenden Abhängigkeitsstrukturen fallen weg.
Energiepolitik ist Umweltpolitik: diesen Punkt muss man wohl nicht mehr näher ausführen. CO2-Ausstoß, Umweltverschmutzung durch Abgase und Abfälle; Abwärme durch Verfeuerung in den Öfen der Kraftwerke. Die Mär, Atomenergie wäre saubere Energie ist ja schon lange entlarvt und das Abfallproblem ist noch immer nicht gelöst.
Energiepolitik ist Wirtschaftspolitik: in welchem Maße Energie zur Verfügung steht, welche Kosten Grossabnehmern erwachsen, in welcher Weise auch Energiegewinnung vergütet wird: das alles sind für die Industrie relevante Entscheidungsgrößen. Aber auch die Frage nach Forschung und Entwicklung in Energietechniken ist wichtig und sollte nicht aus den Augen verloren werden.
Wir sehen schon heute, dass der Strombedarf unserer Gesellschaft in nächster Zeit nicht weniger wird. Moderne Heizsysteme (wie Geothermie oder Wärmerückgewinnung) brauchen immer auch Strom. Die individuelle Mobilität geht nur in die Richtung weg von Verbrennungs- und hin zu Elektromotoren. Der gesamte Alltag wird mehr und mehr von elektrischen Geräten abhängig. Nicht zuletzt in der Medizin: Ein MRT-Scanner verbraucht im Betrieb zwischen 40 und 100 Kilowatt.
Die Fragestellungen sind bekannt; auch Lösungstechnologien liegen uns in vielen Fällen schon vor und müssten nur umgesetzt werden. Das Stromverteilungs-Netz innerhalb Deutschlands (und vermutlich auch innerhalb der EU) ist an vielen Stellen unterdimensioniert und muss stark ausgebaut werden. Durch den Tausch vieler Komponenten von ihren aktuell sehr einfachen Varianten hin zu intelligenteren Geräten ermöglicht viele neue Möglichkeiten; exemplarisch seien hier die Smart Meter für den Einsatz beim Endverbraucher genannt, die eine punktgenaue Verbrauchskontrolle und damit neue Abrechnungssysteme ermöglichen. Aber auch einfach einen Überblick, wie die Verbrauchssituation momentan denn ist, um z.B. im Haushalt auch gegensteuern zu können. In der Energiegewinnung müssen regenerative Energieträger viel stärker als bislang ausgebaut werden.
Es ist an der Zeit, sich der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung zu stellen und sich nicht nur den Interessen der aktuellen Stromindustrie zu widmen.

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