Warum ich bargeldlose Zahlungen nicht für den Untergang halte

Da im Aus­tausch auf Twit­ter nicht genug Platz war, mei­ne Ant­wort halb­wegs ver­ständ­lich zu kom­mu­ni­zie­ren, ver­su­che ich hier, mei­ne Gedan­ken etwas zu struk­tu­rie­ren. 

Es ist tech­nisch nicht so schwer, bar­geld­lo­se anony­me Zahl­ver­fah­ren zu bau­en. Die Geld­Kar­te ist ein Bei­spiel, für das es sogar Infra­struk­tur gäbe, es ver­wen­det sie nur nie­mand. Ande­re Pre­paid-Kar­ten, die nicht per­sön­lich zuor­den­bar sind, gibt es ja auch schon län­ge­re Zeit — sei­en sie von Kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­men oder auch nur vom Ein­zel­han­del.
In den letz­ten Jah­ren konn­te man ja nur schwer online über­se­hen, dass mit Bit­Coin prin­zi­pi­ell eine neue Tech­no­lo­gie exis­tiert, mit der anony­me Trans­ak­tio­nen sicher durch­führ­bar wären. Ich bin mir sicher, dass wir da in den nächs­ten Jah­ren eini­ge Inno­va­tio­nen erle­ben wer­den.
Aber gehen wir in den Gedan­ken wei­ter. Selbst wenn die Ban­ken alle sum­ma­ri­schen Umsät­ze mei­ner Ein­käu­fe hät­ten: was könn­te dann aus den Daten abge­le­sen wer­den und von wem?

Die Bank, bei der ich das Kon­to habe, das belas­tet wird. Deren Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se an den Trans­ak­tio­nen ist nicht so hoch, denn deren Infor­ma­ti­ons­be­darf ist schon durch den aktu­el­len Stand gut befrie­digt. Ob ich 200 Euro pro Woche am Geld­au­to­ma­ten zie­he oder wofür ich die­se 200 Euro aus­ge­be, gibt wahr­schein­lich für das Kre­dit-Sco­ring nur wenig an Mehr­wert.
Ich kann Kon­ten bei meh­re­ren Ban­ken unter­hal­ten und so mei­ne Daten nicht alle in eine Hand geben — also selbst wenn alle Trans­ak­tio­nen unbar sind, müs­sen nicht alle die glei­chen Betei­lig­ten haben.
Der Zugriff auf die Bewungsda­ten von Bank­kon­ten durch staat­li­che Stel­len (Poli­zei, Finanz­amt, Geheim­dienst) ist nicht so ein­fach — das hal­te ich aktu­ell für kei­ne wirk­lich dis­ku­tie­rens­wer­te Gefahr.
Mir ist auch nicht klar, war­um die Daten, was man kon­su­miert, so beson­ders mehr aus­sa­ge­kräf­tig sein soll­ten als die Daten von Twit­ter — ins­be­son­de­re, wenn man da die voll­stän­di­gen Trans­ak­tio­nen sieht. Twit­ter, das bedeu­tet: ein Teil Dei­ner Bezie­hungs­struk­tur und Dei­ner Über­zeu­gun­gen wer­den leicht auto­ma­tisch aus­wert­bar. Dei­ne Gewohn­hei­ten las­sen sich ein Stück weit rekon­stru­ie­ren (wann liest Du nur, wann inter­agierst Du mit wel­chen Links, wann schreibst Du — von wel­chem Device, und wenn von einem Mobil-Device, an wel­chem Ort). Beim Twit­ter-Stream ist nicht ersicht­lich, wer auf die­se Daten aller Zugriff nimmt und sie in wel­cher Wei­se nutzt (wir kön­nen sicher sein bei: NSA und die Seven Eyes, wahr­schein­lich aber auch noch Diens­te ande­rer Natio­nen). Und wenn dann auch noch die Mobil­te­le­fon-Daten dazu­kom­men, dann sieht das Bild noch­mal sehr anders aus.

Ich fin­de also, dass die Idee des Bar­geld­ver­zichts wirk­lich nicht so schlimm ist.

Ein Gedanke zu „Warum ich bargeldlose Zahlungen nicht für den Untergang halte“

  1. Man soll­te sich nur nicht auf eine Bezahl­mög­lich­keit fest­le­gen. Eine gesun­de Mischung aus unter­schied­li­chen Mög­lich­kei­ten ist und bleibt die bes­se­re Lösung.

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