Alle Beiträge von K. Neuwirth

Beim Namen genommen

Wenn es sich bei der Bewe­gung tat­säch­lich um Patrio­ti­sche Euro­pä­er han­delt, denen es um ihre euro­päi­schen Mit­men­schen geht, dann müss­te fol­gen­des Gedan­ken­ex­pe­ri­ment doch posi­tiv aus­ge­hen:

Wie sieht es aus mit der Unter­stüt­zung und Soli­da­ri­tät für die Gene­ra­ti­on arbeits­lo­ser jun­ger Grie­chin­nen und Grie­chen? Wie ist das mit Alba­nern, oder hoff­nungs­lo­sen Men­schen aus Bos­ni­en und Her­ze­go­wi­na? Wie sehr sind sie davon über­zeugt, dass Bul­ga­ren und Rumä­nen wert­vol­le Mit­glie­der der Gesell­schaft wer­den, wenn sie ein­wan­dern? (Was das übri­gens für die Gesell­schaf­ten in Bul­ga­ri­en und Rumä­ni­en bedeu­tet, wenn jetzt gut aus­ge­bil­de­te Men­schen in ande­re Volks­wirt­schaf­ten strö­men, weil sie dort mehr Ver­dienst zu erwar­ten haben, ist eine ande­re Fra­ge.) Oder, um bei gut katho­li­schen Bei­spie­len zu blei­ben: Wie sieht es damit aus, Spa­ni­er und Por­tu­gie­sen auf­zu­neh­men — oder Men­schen aus Nord­ir­land? Denn, nach der Begriffs­be­stim­mung von patrio­ti­schen Euro­pä­ern müss­ten das ja alles Grup­pen sein, die sich unse­rer Unter­stüt­zung sicher sein könn­ten.

Ich verstehe es nicht.

Da haben die Kom­mu­nen die Auf­ga­be, sich um Flücht­lin­ge und Asyl­be­wer­ber zu küm­mern und ihnen men­schen­wür­di­ge Unter­künf­te bereit­zu­stel­len. Da sie das aber angeb­lich selbst nicht kön­nen, wer­den pri­va­te (gewinn­ori­en­tier­te) Unter­neh­men beschäf­tigt, die ihrer­seits noch­mals auf diver­se Sub­un­ter­neh­men zurück­grei­fen.
Müll­ab­fuhr kön­nen die Städ­te selbst bewerk­stel­li­gen. Öffent­li­chen Ver­kehr auch. Aber das mit den Wohn­hei­men geht nicht? Woher kommt denn das Geld für die pri­va­ten Unter­neh­men und war­um ist das die attrak­ti­ve­re Wahl?

Zur Google-Debatte

Die aktu­ell gera­de wie­der durch einen Arti­kel im The Euro­pean in den Vor­der­grund der Netz­de­bat­te gehol­te Dis­kus­si­on um die Regu­lie­rung oder Nicht­re­gu­lie­rung von Goog­le inner­halb der EU oder inner­halb Deutsch­lands — ich hal­te sie für eine Schein­de­bat­te.

Einer­seits muss den deut­schen Poli­ti­kern, die sich dar­an betei­li­gen, klar sein, dass sie kei­nen nen­nens­wer­ten Ein­fluss auf die Kern­pro­duk­te von Goog­le haben. Weder wird Goog­le den Algo­rith­mus offen­le­gen, noch ist eine Zer­schla­gung etwas, das tat­säch­lich durch­setz­bar wäre. Und ich hal­te kei­nen der betei­lig­ten Men­schen für so unge­bil­det und poli­tisch naiv, das nicht voll­stän­dig ver­stan­den zu haben.

Ich fin­de es viel inter­es­san­ter zu fra­gen, war­um die­se Debat­te trotz­dem geführt wird. Und wel­che eigent­li­chen Fra­gen da aus­ge­tra­gen wer­den. Ich hal­te es für plau­si­bel, das hier eine Kulis­se für ande­re, bereits seit län­ge­rem beab­sich­tig­te Ver­än­de­run­gen gibt – ich habe aber kein Bild davon, wor­um es geht. Und nicht zuletzt den­ke ich, dass sich eini­ge Poli­ti­ker einen Image-Trans­fer erhof­fen: wenn Poli­ti­ker gegen die Daten­sam­mel­wut und den „Miss­brauch“ der Daten durch Goog­le auf­tre­ten, dann wer­den sie sich doch auch in ande­ren Gebie­ten um unse­re Daten bemü­hen, nicht? Und nicht zuletzt ist in Fra­ge Daten­schutz die Sam­mel­wut der Staa­ten oft genug und fest genug mit dem Geschäfts­ge­ba­ren von Unter­neh­men ver­mischt wur­den, sodass bei Men­schen, denen die Daten­the­ma­tik nicht das wich­tigs­te poli­ti­sche Anlie­gen sind, da wahr­schein­lich auch kei­ne schar­fe Tren­nung gegen­wär­tig ist. Es geht also, in mei­nen Augen, ein biss­chen auch um die Fra­ge der Über­wa­chung durch Geheim­diens­te.

Und wie jetzt damit umge­hen? In mei­nen Augen soll­ten wir danach suchen, was die nicht kom­mu­ni­zier­ten Zie­le der Debat­te sind. Und wel­che Ände­run­gen wel­che Inter­es­sen­grup­pe denn der Regie­rung (oder der SPD oder der Uni­on oder wem auch immer) schon lan­ge genug schmack­haft macht. Und dann kön­nen wir uns über­le­gen, wie wir die gestell­te Fra­ge beant­wor­ten.

My take on app​.net

As a fair­ly pro­li­fic pos­ter and emo­tio­nal­ly invested par­ti­ci­pant in app​.net who is not immu­ne to the emo­tio­nal tur­moil that has deve­lo­ped sin­ce the Sta­te of the Uni­on pos­ting, but par­ti­cu­lar­ly over the last few days, I want to sha­re my per­so­nal per­spec­tive on the deve­lop­ment of app​.net and a few thoughts that I have regar­ding pro­jects set up to be a suc­ces­sor-in-spi­rit of sorts.
As the­se things go, the­se obser­va­tions are pure­ly my own. I am acu­te­ly awa­re that I only have the limi­ted per­spec­tive of a regu­lar user. I know not­hing about the inter­nal dealings of app.net’s foun­ders, their rela­ti­ons­hip to inves­tors and tho­se par­ties prio­ri­ties. I try to not make assump­ti­ons about them, but I might be fai­ling at that in a few points.

The ori­gi­nal out­look of having an alter­na­ti­ve to Twit­ter – a pro­duct in many ways ali­gned more with ide­als of one who grew up in an Inter­net that was not pri­ma­ri­ly dri­ven by a quest for ad reve­nue – was so pro­mi­sing I backed the ori­gi­nal crowd­fun­ding dri­ve fair­ly quick­ly. As soon as I had access to the sys­tem, I fair­ly quick­ly spent less and less time on Twit­ter and more and more time on the micro­blog that was app​.net at that time. New cli­ents emer­ged, peop­le put in time and ener­gy to sup­port a gro­wing infra­st­ruc­tu­re. It was fun to be the­re. But not long after the pro­ject took of, the first high-pro­fi­le per­so­na­li­ties left the net­work: @gruber and @marco, and a few others. The first cli­ents got aban­do­ned: moApp and appe­ti­zer – their aut­hors also lea­ving the net­work behind. But that didn’t chan­ge the tone of the net­work. Stuff still hap­pen­ed, the net­work still felt most­ly like being built up and being main­tai­ned.

But over time, things chan­ged. Sud­den­ly, we heard that Micro­blog­ging was not the pri­ma­ry focus of app​.net. Rather, it was about infra­st­ruc­tu­re and pro­vi­ding plum­bing to other, novel app­li­ca­ti­ons that were not about micro­blog­ging. Ten­ta­ti­ve steps were taken in that direc­tion, and a few apps did show up. Also, deve­lop­ment hap­pen­ed around the micro­blog­ging ser­vice that took it ent­i­re­ly new pla­ces: Pat­ter, Tre­e­view – all stuff that sim­ply was not pos­si­ble with Twit­ter. Stuff thought up and imple­men­ted by inde­pen­dent deve­l­o­pers, but depen­dent on the stuff app​.net pro­vi­des – and the micro­blog­ging com­po­nent .But the offi­ci­al line of foun­ders con­ti­nued to be that the micro­blog­ging stuff was only a show­ca­se app­li­ca­ti­on of the actu­al pro­duct, the infra­st­ruc­tu­re. Often-requested fea­tures on that side were not imple­men­ted; a few things in the API remain in a less-than-ide­al sta­te until today.

What app​.net did to encou­ra­ge new pro­ducts to take them up for their offe­rings, how they spo­ke to deve­l­o­pers who might have had an inte­rest in inte­gra­ting app​.net in their stuff I don’t know. And while the­re were new app­li­ca­ti­ons inte­gra­ting app​.net in their offe­rings (Sun­lit and Momen­to come to mind), it appears that they were more gea­red towards tho­se users who alre­ady were on app​.net ins­te­ad of brin­ging in new users who would also pay for their usa­ge of app​.net.

And as a deve­l­oper, I remain uncon­vin­ced of inte­gra­ting app​.net in pro­ducts. I do not see a bene­fit of using that infra­st­ruc­tu­re over using my own. The user base is not lar­ge enough to be inte­res­ting as a poten­ti­al tar­get audi­ence; and I would essen­ti­al­ly be brin­ging ano­t­her com­pa­ny custo­mers. Why would I not want to have that money come in to my own com­pa­ny? And I know for sure I am not the only one who sees things that way.

But what the shif­ting focus of the app​.net team also meant that the­re no lon­ger was com­mu­ni­ty manage­ment. The cul­tu­re degra­ded; and while many noti­ced and drew their own con­clu­si­ons, no chan­ges were insti­tu­ted to work against that. The­re were no role models or media­tors; things just went down­hill. But not loo­king at the com­mu­ni­ty seems to have been inten­tio­nal: no struc­tures were put in place to help tend the com­mu­ni­ty; no resour­ces were invested in making sure that the posi­ti­ve cul­tu­re of the ear­ly days was encou­ra­ged.

What I per­so­nal­ly take away from this? If you have a pro­duct, it pays off to have a clear, easi­ly-com­mu­ni­ca­ble value pro­po­si­ti­on. I do not see that in app.net’s case. If you start buil­ding a com­mu­ni­ty, you have to make sure you have the resour­ces to work with the com­mu­ni­ty and to shape it the way you want. And if you want your com­mu­ni­ca­ti­ons chan­nel to be used by more than a very spe­ci­fic seg­ment of the popu­la­ti­on, you need to make sure that diver­si­ty hap­pens, becau­se only then are enough topics appa­rent enough that new peop­le com­ing in will find ways to con­nect. Just with­drawing and focus­sing pure­ly on tech­ni­cal aspects is – to me! – not the way that makes an endea­vor like that suc­ceed. Do I think it’s easy? No, not at all. Encou­ra­ging good com­mu­ni­ca­ti­on habits, set­ting good examp­les for new and old users is very hard work to get right. But I see litt­le alter­na­ti­ves to make an open net­work work.

 

 

Geweiteter Horizont

#Auf­schrei. Das war vor ein paar Mona­ten – gut, es ist jetzt schon über ein Jahr her — auf Twit­ter ein sehr beein­dru­cken­des Phä­no­men. Es hat auf ein­dring­li­che Wei­se illus­triert, wie sehr Frau­en von Män­nern beläs­tigt wer­den. Es hat erfahr­bar gemacht, dass es sich nicht um Ein­zel­fäl­le han­delt, son­dern eben ein kul­tu­rel­les Phä­no­men ist.

Ich selbst habe dadurch einen deut­lich ver­än­der­ten Blick – mir hat #Auf­schrei ermög­licht, die­se Kul­tur bes­ser zu ver­ste­hen. Es hat mir auf­ge­zeigt, dass mein eige­nes Emp­fin­den, ja doch sen­si­bel und auf­ge­klärt zu sein, nicht wirk­lich gerecht­fer­tigt war. Mei­ne Über­ra­schung ob dem, was ich da alles zu lesen bekam, war ein deut­li­ches Zei­chen, dass ich eben doch sehr viel von dem, was rund um mich pas­siert, nicht mit­be­kom­me oder in grö­ße­ren Zusam­men­hän­gen ver­ste­he.

Nun, mit etwas Abstand, kön­nen wir uns viel­leicht die Fra­ge stel­len, wo wir noch genau sol­chen kul­tu­rel­len Phä­no­me­nen auf­sit­zen. Wo wir Mei­nun­gen haben, ohne genug der Fak­ten zu ken­nen oder mit den Betrof­fe­nen über­haupt gespro­chen zu haben.

In so vie­len Dis­kus­sio­nen habe ich in letz­ter Zeit den Ein­druck, dass die Posi­tio­nen so stark von der per­sön­li­chen Lebens­welt geprägt sind, ohne dass sich Dis­ku­tan­ten über­haupt vor­stel­len kön­nen, dass man auch einen ande­ren Blick haben kann. So kann ich mir gut vor­stel­len, dass Berufs­po­li­ti­ker ein ande­res Gefühl der Bedro­hung erle­ben und daher ihre Per­spek­ti­ve auf das Sicher­heits- und Poli­zei­we­sen eine deut­lich ande­re ist als das von Men­schen, die nicht so expo­niert leben. Oder die Fra­ge, was Men­schen dazu brin­gen kann, Dro­gen zu neh­men oder extre­mis­ti­sche Posi­tio­nen ein­zu­neh­men.

Was hel­fen kann? Zum einen gute Mög­lich­kei­ten, eben genau die Per­spek­ti­ve der ande­ren ein­zu­neh­men. Das kann guter Jour­na­lis­mus sein, der einem die­se Optio­nen gibt – aber auch gute Lite­ra­tur oder empha­tisch gezeich­ne­te Cha­rak­te­re in Fil­men. Was es aber auf jeden Fall braucht ist die Bereit­schaft, den ande­ren Men­schen zuzu­trau­en, ihre Ent­schei­dun­gen sinn­voll zu tref­fen und ihr Ver­hal­ten so aus­zu­rich­ten, wie es ihnen adäquat auf die Gege­ben­hei­ten ihres Lebens erscheint. Das heisst: ande­re Men­schen ernst zu neh­men, und mit einem freund­li­chen Blick und einem offe­nen Geist auf sie zuzu­ge­hen. Sich selbst zurück­zu­neh­men, und mit Fra­gen zu kom­men anstatt mit Ant­wor­ten. Aber genau das ist wohl der schwie­rigs­te Teil an der gan­zen Auf­ga­be.

Get lost, Google.

OK Goog­le.

That is what your pho­ne and your Goog­le brow­ser soon will react to. Any time. I’m not even going to go into the details of how I stron­gly I oppo­se this from a pri­va­cy view­point – becau­se at a point in the not so distant future, I will be sur­roun­ded by active micro­pho­nes whe­re­ver I go, even if my per­so­nal tele­pho­ne is not all ears.

I dis­li­ke the idea of star­ting a con­ver­sa­ti­on – even if it is a rudi­men­ta­ry one – with the wor­ds “OK Goog­le”. I feel that it is wrong on a num­ber of counts.

  1. Who is this „Goog­le“ you talk to? It’s a nebu­lous ent­i­ty. Do they real­ly want you to think that you’re addres­sing all of the com­pa­ny, with just one state­ment? Do they want you to feel that with just one com­mand, the many thousands of employees are at your beck and call? Or is Goog­le – the com­pa­ny – try­ing to do away with dif­fe­ren­tia­ti­on, dif­fe­rent pro­ducts and have just one iden­ti­fier? Or is it sup­po­sed to be a vir­tu­al assi­stant, able to get at all data their sys­tems have about your habits, your calen­dar, your fri­ends and your inte­rests,  that just hap­pens to have the same name?
  2. Emo­tio­nal con­nec­tion. I feel that in part, using their brand here is sup­po­sed to for­ge an emo­tio­nal con­nec­tion bet­ween you and the com­pa­ny. To me, this is a kind of mani­pu­la­ti­on that I am not at all hap­py to see. They could use any other word „OK, Pho­ne“, „OK, Search engi­ne“ – any­thing. But no, it has to be Goog­le, their name.

 

Around a table.

I’ve recent­ly star­ted rea­ding Crea­ti­vi­ty, Inc by Ed Cat­mull. I’m not very far in yet, but in the first few pages, the­re was an anec­do­te that spo­ke rather deeply to me.

Cat­mull tells us of a table in a mee­ting room (West One) that was fun­da­ment­al­ly incom­pa­ti­ble with Pixar cul­tu­re, in unex­pec­ted ways. It was nar­row and long, for­cing peop­le to sit in neat rows oppo­si­te one ano­t­her. And as that means it’s not ent­i­re­ly easy to com­mu­ni­ca­te, they also had place cards, put­ting the hig­her-ups in the midd­le so that they could hear ever­yo­ne.

The fur­t­her out a per­son sat on the table, the less likely they were part of the con­ver­sa­ti­on, becau­se it was har­der to hear ever­y­thing and be heard.

Part of the pro­blem, he con­ti­nues to exp­lain, was that the peop­le sit­ting in the cen­ter did not even rea­li­ze that the­re was a pro­blem: they could hear ever­y­thing. They thought they knew what ever­yo­ne was up to and doing.

I see this as a very, very han­dy meta­phor to exp­lain the pro­blem of struc­tu­ral dis­ad­van­ta­ges in gene­ral. Tho­se in the midd­le, tho­se in the posi­ti­ons of power do not see any­thing wrong, becau­se for them, not­hing is. And how could it be dif­fe­rent for anyo­ne else? Isn’t ever­yo­ne sea­ted at the very same table? And why should they be giving up their seat – everyone’s the same around this table, are they not?

So fights start, to get from the out­side of the sea­ting order more to the cen­ter; and peop­le start expen­ding ener­gies into fights that dis­tract from what the actu­al, gene­ral agen­da is. And sud­den­ly, it is more about being heard than what you have to say.

The solu­ti­on Pixar final­ly rea­li­zed it had to app­ly? They got a new table, a new seat lay­out. That put ever­yo­ne in a posi­ti­on to equal­ly be com­mu­ni­ca­ting with all the others.

May­be it also is time that we exami­ned how we could gene­ral­ly lea­ve behind our old sit­ting order.

Das Telefonat der Julia T.

Lasst uns zusam­men­fas­sen: wir wis­sen nicht mal genau, mit wem sie die­ses Tele­fo­nat geführt hat. Unter wel­chen Umstän­den, oder zu wel­chem Zeit­punkt. Wie ihr Tag davor war, wie sie sich fühl­te (wenn ich mich rich­tig erin­ne­re, hat­te sie einen schwe­ren Band­schei­ben­vor­fall und des­halb schon ein paar Jah­re Schmer­zen), wie sehr das Tele­fo­nat sich vor­her schon auf­ge­heizt hat­te und wel­che Dyna­mik die Bezie­hung der Men­schen am Tele­fon hat­te.

Und dann sol­len wir uns über zwei, drei Sät­ze aus dem Tele­fo­nat ernst­haft unter­hal­ten? Ob das nun die eigent­li­che per­sön­li­che  Mei­nung der Frau zum Aus­druck brin­ge und in wel­cher Wei­se sie sich da jetzt poli­tisch dis­qua­li­fi­ziert habe?

Lasst uns doch eher dar­auf sehen, wer denn Inter­es­se hat, die­se Form der Öffent­lich­keit zu for­cie­ren. Oder uns fra­gen, war­um es die­se Mit­schnit­te über­haupt gibt und in wel­che Wei­se es legi­tim ist, so etwas zu ver­öf­fent­li­chen. Und wenn es nicht legi­tim ist, dann soll­ten wir dem The­ma tun­lichst nicht noch mehr Öffent­lich­keit ver­schaf­fen.

Das, was wir da sehen ist aller­feins­te Pro­pa­gan­da. Ich fin­de, dass gera­de die Ent­wick­lun­gen des letz­ten Jah­res sehr gut zei­gen, wel­che Dyna­mi­ken gera­de in der poli­ti­schen Öffent­lich­keit so wir­ken. Ich ver­ste­he nur nicht, war­um die Pres­se jetzt immer noch so mit­spielt.

Zur Spendenbereitschaft der Steuerhinterziehenden

Natür­lich ging es mir anläss­lich des Fal­les Ulrich H. aus M. durch den Kopf, es gilt natür­lich all­ge­mei­ner.

Wenn die­se Herr­schaf­ten so sagen, dass sie doch kei­ne Sozi­al­schma­rot­zer sind, oder kei­ne aso­zia­len Typen, und dann ihre Spen­den­be­reit­schaft als Argu­ment ins Feld füh­ren, so ist die mei­ne per­sön­li­che Ant­wort dar­auf: Wohl. Sind sie doch, und zwar sowohl das eine als auch das ande­re.

Aso­zi­al sind sie, weil sie mei­nen, dass das von ihnen erar­bei­te­te Geld nur genau an den Stel­len einer ein­ge­schränk­ten All­ge­mein­heit zu Gute kom­men soll, wo sie das für rich­tig emp­fin­den. Sie ent­zie­hen es also der all­ge­mei­nen Ver­fü­gungs­mas­se, bei der ein gesamt­ge­sell­schaft­li­cher Kon­sens zur Ver­wen­dung statt­ge­fun­den hat – denn das ist es, was die Poli­tik ja mit den Steu­ern macht. Es ist aber kei­ne Opti­on, dass man als Staats­bür­ger so allei­ne ent­schei­det, wie die Mit­teln zu ver­tei­len sind. Die­ses Ver­hal­ten ist aso­zi­al.

Sozi­al­schma­rot­zer sind sie, weil durch ihre Steu­er­hin­ter­zie­hung der All­ge­mein­heit schlicht weni­ger Geld zur Ver­fü­gung steht. Die Auf­ga­ben der Gemein­schaft wer­den ja nicht weni­ger, nur weil da man­che Leu­te beschlos­sen haben, bes­se­re Ver­wen­dun­gen für ihr Geld zu haben, als Steu­ern zu zah­len. (Das ist übri­gens auch eine Begrün­dung, die die katho­li­sche Kir­che in Köln für ein „Steu­er­spar­mo­dell“ bei einem Immo­bi­li­en­er­werb benützt hat.) Das heisst in der Kon­se­quenz, dass ande­re Men­schen mehr Steu­ern zah­len müs­sen, weil sich da Leu­te fein raus­hal­ten. Und das ist es, war­um auch der Begriff Sozi­al­schma­rot­zer passt.

Nur, falls noch mal jemand fragt. 🙂

Überwachungsfrei

Es ist schon seit ein paar Wochen so, aber ich habe es noch nicht öffent­lich gemacht: die­ser Blog läuft jetzt voll­stän­dig ohne User Tracking. Also, viel­leicht gibt es noch irgend­wel­che Wege, die Wor­d­Press intern nutzt und die ich noch nicht gese­hen habe. Aber alles, was so Jet­Pack, Goog­le Ana­ly­tics, sons­ti­ge Tra­cker sind, habe ich ent­fernt. Damit habe ich zwar kei­ne Idee mehr, wer mei­nen Blog so liest, woher ihr so kommt und wie vie­le ihr so seid, aber dass lässt mir dafür auch mehr den Raum, mich auf mei­ne Gedan­ken und mein Schrei­ben zu kon­zen­trie­ren. Klingt für mich nach einem guten Tausch.

Dear internet.

Some wor­ds of wis­dom to you and par­ti­cu­lar­ly me:

It is not the cri­tic who counts; not the man who points out how the strong man stumb­les, or whe­re the doer of deeds could have done them bet­ter. The credit belongs to the man who is actual­ly in the are­na, who­se face is mar­red by dust and sweat and blood; who stri­ves vali­ant­ly; who errs, who comes short again and again, becau­se the­re is no effort without error and short­co­m­ing; but who does actual­ly stri­ve to do the deeds; who knows gre­at enthu­si­asms, the gre­at devo­ti­ons; who spends him­s­elf in a worthy cau­se; who at the best knows in the end the tri­umph of high achie­ve­ment, and who at the worst, if he fails, at least fails while dar­ing great­ly, so that his place shall never be with tho­se cold and tim­id souls who neit­her know vic­to­ry nor defeat.

Theo­do­re Roo­se­velt.

Life changing … 

No, I would not descri­be any of the Mac­in­to­shes I used or owned as life chan­ging. My cour­se of life was too much direc­ted towards pro­fes­sio­nal geek­dom; my inte­rests had always been ali­gned with that stuff so that I would not call any sin­gle of the com­pu­ters I had life chan­ging.

The first Mac I ever had the fun of having on my desk was one of the very ear­ly models, and I must have been around ele­ven or so. My dad had got­ten it on loan from Apple Aus­tria for a while, and I got to play with it. I fond­ly remem­ber the sound that the disk dri­ves made on ejec­ting the disks – and I remem­ber my hun­ting for paper clips to get disks out once the eject func­tion did not real­ly work any­mo­re.

I remem­ber owning a Mac emu­la­tor for one of my Ami­gas, and even a hard­ware inter­face so that I could con­nect an exter­nal Mac flop­py to the Ami­ga. But that never real­ly worked so well.

The first Mac I owned in a while was a Power­book 170 – any­bo­dy remem­ber lap­tops with mono­chro­me dis­plays? I bought it becau­se I had wan­ted to install Net­BSD on it, but I never got around doing that. Part of the rea­son was becau­se at the time I had an inte­rest in that, the video card in that lap­top was not real­ly sup­por­ted well enough and the only opti­on to use Net­BSD on said lap­top was via seri­al con­so­le, which sort of made having a lap­top point­less. Ano­t­her part was that the­re was no built-in ether­net, and the exter­nal solu­ti­on I had was also in no way sup­por­ted by Net­BSD, so this would have made me the owner of a very, very soli­ta­ry Net­BSD sys­tem.

I sold the Mac­Book to a fri­end who used it for DTP on the road for a while; I don’t real­ly know what he did with it.

After tho­se mon­ths with the Power­book, I got hold of a used NeXT cube, for which I later also bought the NeXT­Di­men­si­on board. That was qui­te a fun machi­ne to have, and it ser­ved as my work hor­se for a good num­ber of years. I still keep it around for nost­al­gic rea­sons, but am rather cer­tain it no lon­ger boots.

At the same time, my sis­ter had a Per­for­ma Mac that she made still frame ani­ma­ti­ons with, and pro­bab­ly qui­te a num­ber of other things.

All the fond remem­bran­ces of Mac­in­tosh com­pu­ters of the past ages must not let us for­get that Apple did pro­du­ce a num­ber of crap­py pro­ducts. They let their Ope­ra­ting Sys­tem fall behind tre­men­dous­ly befo­re they swit­ched to what ear­lier had been Next­Step; they had a chaotic pro­duct poli­cy befo­re Ste­ve Jobs retur­ned and I’m sure most of us remem­ber just how clo­se they came to bankrupt­cy in their bad days.

But whe­re Apple shi­nes is put­ting the focus not on tech­ni­cal aspects or just the data of their machi­nes; in how they pre­sent things to the world, it always is about the things you can do with them, the new worlds that are avail­ab­le to you, the fea­tures you can accom­plish with just the right tools (which hap­pen to run on Apple pro­ducts) and your talents. This is what sets them apart; that in ever­y­thing, they see the stuff the pro­du­ce as a means to an end. Or at least they want us to belie­ve that.

And on that note, hap­py bir­th­day, Mac­in­tosh.

Perspektivenkorrektur

Ges­tern ist mir ein Video unter­ge­kom­men, das ich auch auf jeden Fall mit Euch tei­len muss. Es geht mir schon den gan­zen Tag nicht aus dem Sinn. Und letzt­lich fasst es auf unglaub­li­che Wei­se einen Aspekt zusam­men, was in unse­rer Welt so total schief läuft.

Es geht um die Ver­tei­lung von Reich­tum in den USA – wie die Men­schen es emp­fin­den, und wie es tat­säch­lich ist.

Ver­mö­gens­ver­tei­lung – der unge­recht ver­teil­te Reich­tum der USA

Alle Jahre wieder … 

Auch die­ses Jahr gibt es wie­der ein Dschun­gel­camp, und auch die­ses Jahr fin­det sich wie­der ein Poli­ti­ker, der er so ger­ne ver­bie­ten möch­te. Die­ses mal ist es Hau­ke Jagau von der SPD. Iro­ni­scher­wei­se for­dert er es in der BILD, also jener Zei­tung, die schon seit Wochen genau jenes For­mat behy­ped, um das es da geht. Ich bin mir recht sicher, dass es hier sicher auch dar­um gehen wird, den eige­nen Namen bekann­ter zu machen. Da eben genau jenes For­mat von RTL der­zeit so viel media­le Auf­merk­sam­keit genießt (selbst das öffent­lich-recht­li­che Fern­se­hen schenkt der Wer­bung für das Pro­gramm erstaun­lich vie­le Sen­de­mi­nu­ten) ist das dafür auch ein pro­ba­tes Mit­tel.

Wenn man das State­ment inhalt­lich aber ernst nimmt, ist es eine Bank­rott­er­klä­rung für die Poli­tik der SPD. Denn: war­um macht RTL denn so ein „men­schen­ver­ach­ten­des For­mat“?

Weil es funk­tio­niert.

Die Zuschau­er schal­ten ein. Die Quo­te der Sen­dun­gen ist enorm, die Wer­be­zei­ten sind sicher dem­entspre­chend teu­er. Das heisst aber, dass die Men­schen eben genau zuse­hen wol­len, wie sich da ein paar mehr oder wenig pro­mi­nen­te Fern­seh-Akteue­re bei den pro­f­ans­ten Din­gen fil­men las­sen.

Wenn es jemand inner­halb der SPD ernst mein­te damit, sol­che For­ma­te unmög­lich zu machen, dann heisst das doch: es muss ihr dar­an gele­gen sein, die Bil­dung und vor allem ethi­sche Bil­dung der Men­schen zu stär­ken. Das heisst, es müss­te eine Prio­ri­tät der Poli­tik wer­den, unser Bil­dungs­sys­tem mit Res­sour­cen aus­zu­stat­ten, aber auch mit den Mit­teln, eben einen erst­haf­ten Ethik-Untericht anzu­bie­ten.

Denn: es man­gelt ja nicht an Alter­na­ti­ven. Es gibt genug ande­re Sen­der, die zeit­gleich zu den Sen­dun­gen aus dem aus­tra­li­schen Dschun­gel ande­re For­ma­te, ande­re Inhal­te anbie­ten. Ja, man kann sogar den Fern­se­her aus­ge­schal­tet las­sen und sich mit ande­ren Din­gen aus­ein­an­der­set­zen. Aber: die sind eben nicht attrak­tiv. Und das liegt dar­an, wor­an die Men­schen Ver­gnü­gen fin­den.

Die­ses Ver­gnü­gen dar­an wird ihnen auch nicht ver­ge­hen, wenn das For­mat ver­bo­ten ist. Aber wenn sie sich vor Augen füh­ren, wozu sie da gera­de die Akteu­re ver­füh­ren – viel­leicht wird das Inter­es­se dann gerin­ger.

Also: nicht das Dschun­gel­camp ver­bie­ten. So viel in die Men­schen inves­tie­ren, dass es die Zuse­her ein­fach nicht mehr inter­es­siert.

Die USA und der Rest der Welt

Die Ame­ri­ka­ner hät­ten sie ver­ra­ten, klagt der BND. Man hat­te zuerst auf ein schnel­les Ende der Ver­hand­lun­gen gehofft – aber es scheint nun dar­auf hin­aus­zu­lau­fen, dass es kein “No Spy”-Abkommen mit den USA geben wird. Ja mehr noch, die USA geben nicht mal Ein­blick in ihre Spio­na­ge­tä­tig­keit gegen deut­sche Spit­zen­po­li­ti­ker.

Die Über­nah­me der Antei­le von Gene­ral Motors an Opel durch die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Die Ver­hand­lun­gen um inter­na­tio­na­le Urhe­ber­rechts-Abkom­men. Das Kyo­to-Pro­to­koll. Die Ver­ant­wort­lich­keit über ICANN. Swift. Das Flug­da­ten­ab­kom­men. Die Lis­te lässt sich wohl ziem­lich lan­ge fort­set­zen.

Aus genau wel­chem Grund kommt es jetzt uner­war­tet, dass die USA kein Inter­es­se an einem sol­chen Abkom­men hat? Wel­che Vor­tei­le könn­ten ihnen dar­aus erwach­sen?

Luhmann on trust and manipulation

Describing mani­pu­la­ti­on as an actor in a sys­tem of trust

But this only cau­ses the sus­pi­ci­on of mani­pu­la­ti­on to beco­me uni­ver­sal, thus beco­m­ing inde­pen­dent of con­fir­ma­ti­on or refu­ta­ti­on of indi­vi­du­al cases. Trust can only be pre­ser­ved if it finds a form that can live with that sus­pi­ci­on, that is immu­ne against it.

Niklas Luh­mann: Ver­trau­en

Über Offenlegung und Vertrauen

[…] Aber damit wird nur bewirkt, dass der Ver­dacht auf Mani­pu­la­ti­on uni­ver­sell wird und sich dadurch von Bestä­ti­gun­gen oder Wider­le­gun­gen im Ein­zel­fall unab­hän­gig macht. Ver­trau­en läßt sich nur dann erhal­ten, wenn es eine Form fin­det, in der es mit die­sem Ver­dacht leben kann und gegen ihn immun wird.

aus Niklas Luh­mann: Ver­trau­en.

Grundsätzliche Überlegungen.

Wenn wir anneh­men, dass Geheim­diens­te immer wei­ter spio­nie­ren wer­den und alle For­men der elek­tro­ni­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on in dem Maße über­wa­chen, das tech­nisch mög­lich ist – egal, in wel­cher Wei­se Geset­ze sie zu beschrän­ken ver­su­chen. Wenn wir wei­ter­hin anneh­men, dass wir nicht mal legis­la­ti­ven Ein­fluss auf die über­wie­gen­de Anzahl an Geheim­diens­ten haben, da sie Insti­tu­tio­nen ande­rer Staa­ten sind. Wenn wir zusätz­lich noch anneh­men, dass die Geheim­diens­te auch noch die Auf­sicht, die in man­chen Staa­ten die Legis­la­ti­ve aus­zu­üben berech­tigt ist, als ihren Geg­ner auf­fas­sen und ihr Mög­lichs­tes tun, ihre tat­säch­li­chen Akti­vi­tä­ten zu ver­schlei­ern und die eigent­lich Befug­ten auch absicht­lich im Dun­keln las­sen – ja, wel­che Mit­tel haben wir denn dann über­haupt, die Situa­ti­on der Welt zu ver­bes­sern?