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Hartzen

In ganz Deutsch­land wird wegen „Hartz IV“ pro­tes­tiert. Selbst in Aachen gibts jetzt Mon­tags­de­mos gegen die Reform der Arbeits­lo­sen­hil­fe.

Ist das nicht alles ein wenig spät? Die Geset­ze sind nun schon seit Mona­ten bekannt und beschlos­sen, ihre Kon­se­quen­zen also nicht ganz neu. Trotz­dem kommt man jetzt erst drauf, dass man viel­leicht pro­tie­stie­ren und demons­trie­ren könn­te?

Natür­lich ist es nicht schön, wenn Men­schen weni­ger Geld haben. Aber liegt nicht auch ein gewis­ses Mass an Unge­rech­tig­keit dar­in, dass das Ver­hält­nis der Leis­tungs­be­zie­her vs. der Ver­si­che­rungs­zah­ler sich immer mehr ver­schiebt? Soll­te man nicht da viel­leicht auch mal regelnd ein­grei­fen?

Was ich auch noch nicht ver­stan­den habe (oder, bes­ser gesagt: Wozu ich noch kei­ne für mich ver­ständ­li­che Erklä­rung gehört oder gele­sen habe) ist, wie denn jetzt Hartz IV für mehr Arbeits­plät­ze sor­gen soll. Klar, wenn es jetzt freie Stel­len gibt, dann sind Leu­te ver­pflich­tet, sie auch anzu­neh­men — das wird noch eine sehr span­nen­de Dyna­mik am Arbeits­markt, der sich nun von einem Abneh­mer- zu einem Anbie­ter­markt umdreht. Aber es gibt doch ein­fach nicht genug! Ich sehe immer noch kei­ne zusätz­li­chen Anrei­ze für Unter­neh­men, neue Arbeits­plät­ze zu schaf­fen.

Der Hund hat meine Hausaufgaben …

Oder so ähn­lich. Jeden­falls hat es Franz ‚Mün­te‘ Mün­te­fe­ring nicht für not­wen­dig erach­tet, auf mei­ne über das Kon­takt­for­mu­lar der SPD abge­schick­te Email zu ant­wor­ten. Ob der wohl weiss, das ich nicht in die Ver­le­gen­heit kom­men kann, ihn zu wäh­len? Er hät­te jetzt zumin­dest etwa ein Monat zur Beant­wor­tung Zeit gehabt.

Ich woll­te von ihm ger­ne wis­sen, wie denn das Geld ver­wen­det wer­den soll­te, des­sen Erhe­bung mit­tels Aus­bil­dungs­platz­ab­ga­be geplant gewe­sen wäre. Wel­che Struk­tu­ren hät­ten denn kurz­fris­tig vie­le Aus­bil­dungs­plät­ze zur Ver­fü­gung stel­len kön­nen — und was hält die­se Struk­tu­ren bis­her davon ab? Nach wel­chem Ver­tei­lungs-Schlüs­sel wären die Plät­ze geschaf­fen wor­den? Wie­vie­le KFZ-Mecha­tro­ni­ker soll­ten aus­ge­bil­det wer­den, wie­vie­le Kup­fer­schmie­de, wie­vie­le Stein­met­ze, wie­vie­le Gerüst­bau­er?

Aber lei­der wer­de ich die Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen wohl nie erfah­ren. Oder zumin­dest nicht vom Herrn Mün­te­fe­ring.

Auch wenn ich ver­ste­hen kann, dass die Repu­blik ger­ne mehr Geld ein­neh­men möch­te, viel­leicht soll­te man sich doch lie­ber über­le­gen, wie man tat­säch­lich Anzei­ze schaf­fen kann, im Betrieb aus­zu­bil­den. Oder, wenn es eben schon Struk­tu­ren gibt, die die Aus­bil­dung über­neh­men kann, viel­leicht kann man Betrie­be dar­an inter­es­sie­ren, wenn sie schon nicht selbst aus­bil­den wol­len, eine Paten­schaft für einen sol­chen Platz zu über­neh­men. Oder zumin­dest für einen hal­ben!

Wenn man ganz läs­ter­lich ist, kann man natür­lich auch noch fra­gen, wel­chen Zusam­men­hang zwi­schen der Aus­bil­dungs­mü­dig­keit und der sons­ti­gen Schul- und Bil­dungs­po­li­tik es gibt. Aber wer will das schon.

Die Zeit — Interview mit Johannes Rau

Unter Die Zeit — „Wir plau­dern uns zu Tode“ fin­det sich ein sehr span­nen­des Inter­view mit Johan­nes Rau zum Ende sei­ner Bun­des­prä­si­dent­schaft statt. Unter ande­rem beklagt er etwas, was er als „Kurz­at­mig­keit“ in der Poli­tik bezeich­net — wie sehr sich die Poli­tik mitt­ler­wei­le dar­in ergeht, an Details her­um­zu­fei­len anstatt sich um die grund­sätz­li­che­ren Fra­gen zu küm­mern. Span­nend zu lesen.

Denksportaufgabe

Wenn es in ganz Deutsch­land mehr Arbeits­su­chen­de als Arbeits­plät­ze gibt, wie kann man mehr Men­schen in neue Arbeits­ver­hält­nis­se ver­mit­teln, wenn man ihnen vor­schreibt, dass sie auch wei­te­re Distan­zen zum Arbeits­platz akzep­tie­ren müs­sen?

Woher, bit­te, sol­len plöt­lich die neu­en Arbeits­plät­ze am Ziel­ort kom­men?

Ana­lo­ges lässt sich auch für Aus­zu­bil­den­de und Aus­bil­dungs­plät­ze fest­stel­len.