Erster Akt
In der Lokalzeitung scheibt ein meinungsstarker Redakteur, dessen Themen vor allem der Niedergang der Stadt durch Verkehrsberuhigung und widrige Umstände für Unternehmen zu sein scheinen und der gerne jedem einzelnen umgewidmeten Parkplatz einen Nachruf widmet, einen Artikel über einen Verwaltungsakt der Stadtbaurätin, die auf einem kurzen Stück Straße in der Innenstadt Recht durchsetzt, damit die gemeinsam genutzte Straße für alle Verkehrsteilnehmer*innen ausreichend Platz lässt. Das führt, so führt der Artikel aus, dass Restaurants weniger Tische in der Außengastronomie zur Verfügung stellen können, weil die Flächen nun für anderen Verkehr zur Verfügung stellen sollen.Die fünf – in Worten: fünf – betroffenen Betriebe werden alle im Artikel benannt.
Zweiter Akt
Der noch relativ neue Oberbürgermeister (CDU) macht ein Video in Social Media, dass die Bescheide zurückgenommen weren und er möchte einen runden Tisch einberufen, damit alle miteinander reden und ein Kompromiss getroffen werden kann, mit dem alle leben können
Dritter Akt
Unser Protagonist des ersten Aktes, der Redakteur, verfasst einen neuen Artikel, in dem er berichten kann, dass der OB dem Fachbereich Mobilität und Verkehr und seiner Leiterin die Zuständigkeit entzogen wurde. Sie sei davon in Kenntnis gesetzt worden. Der OB sei vom ganzen Vorgang nicht vorher informiert gewesen.
Zu Wort kommen im Artikel: Betreiber der Gastronomieunternehmen, die IHK, derOB, der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Stimmen aus der SPD-Fraktion.
Vierter Akt
Wir freuen uns schon drauf.
Bei mir hinterlässt der gesamte Vorgang eine Reihe von Fragen.
- Wird sich die Stadtverwaltung jetzt weiter von Robert Esser und der Aachener Zeitung vor sich her treiben lassen?
- Die Bescheide sind ja offensichtlich auf einer Rechtsbasis erlassen worden. Bei Bescheiden dieser Natur gibt es auch Rechtsmittel. Warum kann hier nicht einfach ein normaler Prozess stattfinden?
- Warum nimmt der OB an einer populistischen Kampagne gegen eine Mitarbeiterin seiner Verwaltung teil?
- Warum wurde die Fachbereichsleiterin nur informiert? Muss da kein runder Tisch abgehalten werden, damit ein Kompromiss gefunden werden kann, mit dem alle leben können?
- In welcher Weise werden die diversen Verkehrsteilnehmer*innen in der Innenstadt am runden Tisch repräsentiert sein: Behindertenverbände, Elternverbände, Radentscheid Aachen, Verkehrsrechtsexpertise?
- Die einzige Frau in der ganzen Situation ist die Fachbereichsleiterin. Sonst sind in der ganzen Sache offensichtlich nur Männer involviert. Und Frau Burgdorff kam bisher nirgendwo zu Wort.
- Ist das wirklich der Führungsstil unseres OB?