AI in der Schule

Die Schu­le, in die mei­ne Kin­der gegan­gen sind – es geht nur mehr einer hin – und in der ich mich sehr lan­ge recht inten­siv enga­giert habe, hat ges­tern Abend eine Ver­an­stal­tung unter dem Mot­to: „Think Tank Schul­ent­wick­lung – Ler­nen und Leh­ren im Zeit­al­ter von KI“. Span­nen­des The­ma, so fand ich, also bin ich hin.

Zunächst: die sehr spar­sa­me Betei­li­gung fand ich scha­de. Es waren gera­de mal vier Eltern da (von denen einer recht bald auch wie­der wei­ter­muss­te), die bei­den Schülersprecher*innen, ein wei­te­rer inter­es­sier­ter Schü­ler und der ein­la­den­de stell­ver­tre­ten­de Schul­lei­ter. Ich hat­te mir erhofft, dass mehr Eltern gera­de bei dem The­ma Inter­es­se dar­an haben, wie „ihre Schu­le“ mit den Her­aus­for­de­run­gen umgeht, die jetzt auch schon bestehen und die abseh­bar nicht klei­ner wer­den. Ins­be­son­de­re, wo ein ande­rer par­ti­zi­pa­ti­ver Pro­zess im letz­ten Jahr von gro­ßer Betei­li­gung getra­gen war. Und dass über­haupt nie­mand aus der Lehrer*innenschaft da war, das fand ich auch eher verwunderlich.

Beob­ach­tung 1: Neben der Schul­spre­che­rin waren nur Män­ner anwesend.

Beob­ach­tung 2: Das SAMR Modell hat auch im Kon­text von AI sei­ne Gül­tig­keit. Man kann es kurz fas­sen als: man muss eige­ne Erfah­run­gen machen und die dann reflek­tie­ren, um mit Tech­no­lo­gien im Unter­richt umzu­ge­hen und ihre Poten­zia­le zu erken­nen und zu heben. Wenn Men­schen an unter­schied­li­chen Stel­len die­ser Ska­la ste­hen, dann ist eine Dis­kus­si­on schwierig.

Beob­ach­tung 3: Es wird zu wenig auf Schü­le­rin­nen und Schü­ler gehört, dabei waren sie sehr aus­kunfts­wil­lig und durch­aus erfah­ren in dem The­ma. (Es wur­de jetzt ver­ein­bart, dass eine Dele­ga­ti­on von Schü­le­rin­nen und Schü­lern sich mit Lehr­per­so­nal zusam­men­setzt um mal abzu­glei­chen, womit man schon gute Erfah­run­gen gemacht hat und wo die Expe­ri­men­te der Schü­le­rin­nen und Schü­ler gute Ergeb­nis­se für das eige­ne Ler­nen erbracht haben.)

Beob­ach­tung 4: Es ist abzu­se­hen, dass indi­vi­du­el­le För­de­rung auf AI abge­wälzt wer­den wird und – auch getrie­ben durch den Man­gel an aus­ge­bil­de­ten Lehr­kräf­ten – grö­ße­re Klas­sen gebil­det wer­den sol­len, weil ja AI einen guten Teil über­neh­men kann. Das macht mich nicht froh.

Beob­ach­tung 5: Die Bezie­hungs­ori­en­tie­rung beim Ler­nen hat man nicht so arg auf dem Schirm.

Beob­ach­tung 6: Es fällt oft sehr schwer, Ler­nen ohne die aktu­el­le Struk­tu­rie­rung durch Haus­auf­ga­ben und spe­zi­fi­sche Prü­fungs­for­men zu den­ken. Ler­nen ohne Prü­fun­gen ist in der Regel gar nicht vorstellbar.

Beob­ach­tung 7: Im Schul­all­tag bleibt nur sehr wenig Gele­gen­heit, wei­ter­ge­hend zu den­ken und die eige­ne Erfah­rung zu reflektieren.

Beob­ach­tung 8: Das Sys­tem Schu­le kann schon jetzt die IT-Infra­struk­tur nur mit Hän­gen und Wür­gen so bereit­stel­len, dass jeder­zeit Arbei­ten damit mög­lich ist. Wie bei allen kom­ple­xen IT-Sys­te­men liegt es auch hier an zig­hun­dert Details, die jedes für sich nicht so schlimm sind. Das wird mit Ver­wen­dung von AI-Sys­te­men nicht besser.

Beob­ach­tung 9: Ich fin­de es sehr gut, wenn Schu­le par­ti­zi­pa­tiv vor­geht. Mir ist klar, dass es an eini­gen Stel­len Gren­zen von Trans­pa­renz geben muss. Solan­ge aber Schu­le nicht offen­legt, wel­che Gren­zen bestehen und wor­an man sich auf jeden Fall hal­ten muss, solan­ge man zwar in ande­re Sub­sys­te­me kom­mu­ni­ziert, von dort aber nur wenig zurück­be­kommt, wird es kein par­ti­zi­pa­ti­ves Arbei­ten sein, son­dern letzt­lich exter­ne Beratung.

Beob­ach­tung 10: Zumin­dest ges­tern wur­de in der Debat­te viel zu viel Homo­ge­ni­tät unter­stellt – was Leh­rerinnen so tun, was Schü­lerinnen so tun. Dass es unter­schied­li­che Bedürf­nis­se, Bedar­fe und schlicht per­sön­li­che Inter­es­sen und Her­an­ge­hens­wei­sen gibt, das ist nicht der ers­te Blick.

Ich bin gespannt, wie das weitergeht.

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