Es gibt Orte, die werden zu einer Chiffre für das, was dort passiert ist. Einfach, weil es so außerhalb unserer Normalität ist, so jenseits dessen, was wir als das annehmen, das eben überall passieren könnte, dass der Ortsname dafür stehen muss – alle anderen, die dort leben, in Geiselhaft nehmend.
Seit letzter Woche hat Österreich einen solchen Ort mehr: Marchtrenk. Und das, was dort passiert ist, das ist außerhalb des Vorstellbaren, und gleichzeitig so profan in seiner Bösartigkeit, dass man es von sich abtrennen muss. Und die, die da in Geiselhaft genommen sind für diesen unbeschreiblichen, bestialischen Mord, für diese – und hier passt dieses Wort leider viel zu genau: Schändung, die müssen sich fragen, ob sie einen Mann kannten, der beteiligt war. Der davon wusste. Der es, wenn schon nicht gut fand, dann zumindest vertuscht hat.
Und es ist ja nicht mit den Gewalttaten an einer Frau alleine getan, nein. Journalisten und Zeitungsmacher entscheiden, Bilder der Frau im Bikini zu veröffentlichen. Chats vom Handy des Haupttäters, über seine Briefe aus dem Gefängnis zu schreiben.
Selbst im Tod muss die Frau als sexualisiertes Objekt zur Verfügung stehen.
So, wie das, was passiert ist, außerhalb des Vorstellbaren ist, ist auch das, was ich empfinde, außerhalb dessen, was ich mit Worten greifen kann. Aber: wir dürfen es nicht ignorieren. Wir müssen uns dem Gedanken stellen, dass das eben auch vorkommt. Und dass wir gewisse politische Akteure nicht davon freisprechen können, genau diese Impulse ansprechen zu wollen.
Ich wünsche es den Menschen in Marchtrenk, die nichts mit diesem Netzwerk, dass solche Verbrechen verübt oder gutheißt, zu tun hat, dass es bald andere Begriffe für diese Greueltat gibt.
Ich wünsche den Tätern und Vertuschern, dass ihnen irgendwann klar wird, was sie da getan haben. Und ich wünsche uns alle wache Menschen rundherum, damit solche Taten doch irgendwann wieder unvorstellbar werden.