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Hintertürchen [Korrigiert]

Ein auf Cryp­to­me gepos­te­tes Doku­ment, dass Foli­en aus einer Schu­lung zum The­ma Com­pu­ter­fo­ren­sik für Geset­zes­hü­ter in USA ent­hält, hat – neben vie­len ande­ren Details – einen enorm inter­es­san­ten Bul­let Point:

Auf der Folie „What’s a back­door“ („a method to bypass data encryp­ti­on or secu­ri­ty“) steht:

  • Cur­r­ent­ly avail­ab­le for major encryp­ti­on soft­ware – Micro­soft Bit­lo­cker, FileV­ault, Best­Crypt, Tru­e­Crypt, etc

Quel­le: http://​cryp​to​me​.org/​2​0​1​3​/​0​9​/​c​o​m​p​u​t​e​r​-​f​o​r​e​n​s​i​c​s​-​2​0​1​3​.​pdf

Kor­rek­tur Das Doku­ment scheint dann doch eher nicht echt; da bin ich wohl einem Hoax auf­ge­ses­sen.

So ein Blog … 

Da gibt es also einen gelern­ten Jour­na­lis­ten, der jetzt eine PR Agen­tur betreibt und der für einen Bun­des­kanz­ler­kan­di­da­ten einen Blog auf­setzt. Der sich, zumin­dest auf sei­ner Refe­ren­zen-Lis­te nicht mit son­der­lich inno­va­ti­ven oder auch gar nur im öffent­li­chen Dis­kurs statt­fin­den­den Online-Pro­jek­ten her­vor­tut. Angeb­lich hat er dafür Spen­den in sechs­stel­li­ger Höhe von Unter­neh­mern ein­ge­sam­melt. Und dann hat die­ser Mensch die Ver­ve, zu behaup­ten, die­ses Pro­jekt ent­sprä­che in etwa dem, was die Kam­pa­gne für Barack Oba­ma in den USA online auch schon umge­setzt hat.

Mal abge­se­hen davon, dass es schon wirk­lich Grö­ßen­wahn ent­spricht, einen ein­zel­nen Blog mit einer so zen­tra­len stra­te­gi­schen Kom­po­nen­te – für die wirk­lich gute Men­schen über Jah­re gear­bei­tet haben und über die mitt­ler­wei­le nun doch das eine oder ande­re bekannt gewor­den ist – des Oba­ma-Wahl­kampfs zu ver­glei­chen. Die­ser Grö­ßen­wahn wird zwar auch in der finan­zi­el­len Dimen­si­on klar (ein Blog, der nicht mal ein Jahr lau­fen soll, und dann ein sechs­stel­li­ges Bud­get?). Nein, was ich nun wirk­lich nicht ver­ste­he ist, war­um das gan­ze so ama­teur­haft ange­gan­gen wird. Stein­brück muss das Pro­jekt gekannt haben, sonst hät­te es doch gar nicht mit sei­nem Namen star­ten kön­nen. Hat also der Kan­di­dat kei­nen Kon­takt mit sei­ner Par­tei­zen­tra­le – wo es ja durch­aus Kom­pe­tenz in die­sem The­men­be­reich gibt? Oder ist ihm so egal, was sei­ne Par­tei ihm sagt? Wenn Letz­te­res wahr ist, was sagt das dann über eine poten­zi­el­le Regie­rungs­mann­schaft auf SPD-Sei­te aus? Und wenn das gan­ze auch inner­halb der SPD abge­stimmt war – will man dann Stein­brück jetzt ver­hei­zen, weil die Wahl die­ses Jahr sowie­so zu kei­nem SPD-Bun­des­kanz­ler füh­ren kann, son­dern nur zu einem Vize­kanz­ler, und das will Genos­se Peer ja bekannt­lich nicht machen?

Und nicht zuletzt: Will man einen Bun­des­kanz­ler haben, der im The­ma Medi­en­kom­pe­tenz sowohl selbst so unge­schickt wie auch so schlecht bera­ten ist, wie Stein­brück?

Solange … 

Solan­ge es erlaubt ist, sich man­geln­der Empa­thie zu rüh­men; solan­ge es ein Makel ist, ein gewis­ses Min­dest­maß jener Fähig­keit zu besit­zen, sich in ande­re Men­schen ein­füh­len zu kön­nen und auch nur eine Idee davon zu haben, was deren Moti­va­ti­on sein könn­te – und nichts ande­res heisst „Frau­en­ver­ste­her“ ja! – wird dem Sexis­mus nichts ernst­lich im Weg ste­hen.

Solan­ge Män­ner glau­ben, sie könn­ten Frau­en erklä­ren, wie sie zu reagie­ren hät­ten oder wie sie etwas zu emp­fin­den hät­ten, wer­den sie nie als Gesprächs­part­ner gese­hen wer­den. Wenn sie dabei auch noch in einer struk­tu­rell macht­vol­le­ren Situa­ti­on sind, ist die Schwel­le zum Gespräch sowie­so schon recht hoch.

Solan­ge Män­ner immer noch glau­ben, eine Ernied­ri­gung oder Belei­di­gung sei­en ein Kom­pli­ment, dür­fen sie sich nicht wun­dern, wenn das Gegen­über sich eher belei­digt denn wert­ge­schätzt fühlt

Solan­ge das Gefühl besteht, dass doch mit etwas mehr Höf­lich­keit das Pro­blem schon gelöst wäre, ist immer noch nicht ange­kom­men, was das Pro­blem ist.

Sexismus in „Greenbox“

In Tim Mäl­zers neu­em Koch­buch „Green­box“ fin­det sich, ziem­lich weit vor­ne, ein Rezept namens „Wei­ber­pas­ta“. Offen­sicht­lich als Erläu­te­rung für die­sen Namen fin­det sich eine Bemer­kung von Herrn Mel­zer:

Brok­ko­li gehör­te für mich bis­lang ins Fach der Wei­ber­ge­mü­se. Ich wer­de aber im Alter nicht nur dicker, son­dern auch wei­ser und muss lei­der fest­stel­len, dass ich über die Jah­re echt was ver­passt habe.

Die­ser Begriff für Brok­ko­li ist auch nichts Neu­es, schon im Jahr 2007 fin­det sich im Stan­dard eine Bemer­kung, in der auch die Wort­schöp­fung Wei­ber­ge­mü­se (Arti­kel in der​Stan​dard​.at) kri­ti­siert wird.

Da fragt man sich, was das wohl soll – aus­ser eine Selbst­ent­lar­vung sein.

Postbesuch, anno 2013

Ich war gera­de auf unse­rer Post. Das ist die zen­tra­le Post­fi­lia­le in einer Stadt mit rund 250.000 Ein­woh­nern, die vor nicht all­zu lan­ger Zeit um einen ordent­li­chen Hau­fen Geld erneu­ert wur­de. Die eine Innen­ein­rich­tung mit min­des­tens vier gro­ßen Plas­ma­fern­se­hern hat, die einem Post-Wer­be­fil­me vor­spie­len, wäh­rend man dort war­tet. Ich will jetzt gar nicht dar­auf ein­ge­hen, dass die Post offen­sicht­lich weiß, dass sie ein Pro­blem mit War­te­zei­ten hat und des­halb die­ses Ablen­kungs­pro­gramm um viel Geld dort instal­liert und betreibt – denn ein War­te­zei­ten­pro­blem hat zumin­dest die­se Filia­le erheb­lich. Nein, es geht mir um was ande­res: ich möch­te ger­ne mein Kauf-Erleb­nis schil­dern!

Ich bin also mit einem gemisch­ten Sta­pel Brie­fe dahin, weil die per ePost­fi­lia­le bestell­ten Mar­ken noch nicht im Büro ange­kom­men sind und sich schon etwas Aus­gangs­post gesam­melt hat­te. Das waren alles nor­ma­le Umschlä­ge; ein paar davon ins euro­päi­sche Aus­land, ein paar davon schwe­rer als die nor­ma­le wir-fran­kie­ren-bis-zu-zwei-Blät­ter-mit-nun-58c-Post. Und eine ordent­li­che Hand­voll nor­ma­ler Brie­fe, nicht zu schwer und nicht zu leicht. Ich hat­te das schon in schö­ne, unter­schied­li­che Päck­chen zer­teilt, weil ich dach­te, dann klappt das mit dem Fran­kie­ren schnel­ler.

Nach­dem ich dann (es waren nur fünf Leu­te vor mir in der Schlan­ge! Schnell!) an den Schal­ter kam, schlief der Frau schon das Gesicht bei der Brief­men­ge ein. Ich erklär­te ihr mei­ne unter­schied­li­chen Anfor­de­run­gen … Und dann durf­te ich vor ihr am Schal­ter die Brie­fe ein­zeln abzäh­len, sie zähl­te mir die Brief­mar­ken ab (35 davon, 10 davon, 3 davon) und ich konn­te zah­len.

Ein Gut­teil der Mar­ken war nicht selbst­kle­bend, son­dern woll­te vor dem Auf­kle­ben befeuch­tet wer­den. Weit und breit kein ent­spre­chen­des Schwämm­chen in der Filia­le in Sicht. Also set­ze ich mich zu den Tischen, die eigent­lich für Bera­tungs­ge­sprä­che der Post­bank gemeint sind – die vor dem Kaf­fee­au­to­ma­ten mit dem rie­si­gen, hand­ge­schrie­be­nen „Defekt!“-Schild dran. Dann kleb­te ich brav mei­ne Mar­ken auf, durf­te dann mit dem Sta­pel zum Post­kas­ten gehen und sie ein­wer­fen.

Gab es da nicht mal so ein Wort von der Ser­vice­wüs­te Deutsch­land?

Features I’d love to see in an ADN client

I’ve dipped my toes in to the waters of app​.net (I’m @Konrad the­re) and must say that I qui­te enjoy the expe­ri­ence. Qui­te a bit of resource­ful indi­vi­du­als also fre­quent that ven­ture, so the eco­sys­tem is com­ing along nice­ly — the num­ber of new cli­ents to try is increa­sing rapidly, and new things are being tried out. Exci­ting times.

Picking up from an old post of mine and put­ting into wor­ds a few ide­as I have been car­ry­ing around for a while now, I am going to start a list of fea­tures that I would love to see in an ADN cli­ent. I wouldn’t mind if they also show­ed up in Twit­ter cli­ents, but I’m not so hope­ful that inno­va­ti­on will con­ti­nue in that space.

  • intel­li­gent user­na­me refe­ren­ces. I’d love to see if the @-notated links in messa­ges indi­ca­ted whe­ther I alre­ady fol­low a user or not; this could so very easi­ly be achie­ved with color-coding the link, or giving them litt­le icons.
  • Make inter­ac­tions asyn­chro­nous whe­re­ver that is pos­si­ble. I am not so par­ti­cu­lar­ly curious as to when the cli­ent stars a messa­ge that I am loo­king at. I’d much rather it remem­bers my inten­ti­on to do so and tri­es until it suc­ceeds over reporting back to me that it was cur­r­ent­ly impos­si­ble. To my tas­tes, it could just as well pre­tend that the star­ring has alre­ady hap­pen­ed even if it hasn’t — so color­code the stars when it’s just a local chan­ge queued no be sent out.
  • Queu­es, lists, wha­te­ver: right now, I have two dis­tinct uses of star­ring pos­tings. One is to let others know I par­ti­cu­lar­ly lik­ed some­thing, the other is a remin­der for me to look at some­thing again — goog­ling it, fol­lo­wing up to it, loo­king at a book refe­rence. I would so much like to be able to sepe­ra­te the two things; having the stars for the out­side com­mu­ni­ca­ti­on and some­thing like a flag for mys­elf.
  • [Added Nov 15] Timestamps on when the post was writ­ten. I think it makes qui­te a bit of sen­se to know what the local time of day was for the aut­hor of the post and less for me, the reader. So having a way to see what time the aut­hor wro­te the post at would be qui­te grand.

I’m sure other things will come to mind even­tual­ly. And I am even more con­vin­ced other peop­le will come up with more inte­res­ting, more cle­ver and just bet­ter ide­as. But I just had to wri­te this up!

Beeindruckend.

Schon lan­ge ist es nicht mehr pas­siert, dass ein ein­zi­ges Video so viel bei mir bewirkt hat: einen neu­en Blick dar­auf, was Hip Hop ist und sein kann; einen neu­en Blick auf die Geschich­te. Kurz: Sehr beein­dru­ckend, das. Und zwar: Lin-Manu­el Miran­da per­forms at the White Hou­se. Ein Hip­hop Song über Alex­an­der Hamil­ton.

Wenn Sie bit­te hier gucken wol­len:

Musikverleger und die Einhaltung der Gesetze.

Ich stim­me ja mit den Plat­ten­ver­la­gen und Musik­pro­du­zen­ten in der Auf­fas­sung über­ein, dass es wich­tig ist, bestehen­de Geset­ze ein­zu­hal­ten und gege­be­nen­falls die Geset­ze auch so zu ver­än­dern, dass uner­wünsch­tes Ver­hal­ten schnell und uner­bitt­lich abge­stellt wer­den kann.
Ich fin­de, man kann nicht oft genug ein posi­ti­ves Vor­bild set­zen, dass Dro­gen in unse­rer Kul­tur nicht akzep­ta­bel sind. Wir haben einen gesell­schaft­li­chen Kon­sens, dass Dro­gen nicht akzep­ta­bel sind – und auch Stra­fen für Han­del und Besitz.
Nun scheint mir zumin­dest bei eini­gen Plat­ten­la­bels die Ver­ant­wor­tung über die Vor­bild­funk­ti­on von Künst­lern nicht hin­rei­chend aus­ge­prägt. Ich den­ke, hier tut eine Klä­rung not; eine Unter­stüt­zung der Ver­la­ge in ihrem Bestre­ben, das Rich­ti­ge zu tun.
Wir soll­ten uns dafür ein­set­zen, dass Künst­ler, die schon mal alko­ho­li­siert auf­ge­fal­len sind oder in der Öffent­lich­keit berauscht in Erschei­nung getre­ten sind, nicht mehr im Radio gespielt wer­den, Plat­ten­lä­den und -ver­sen­der kei­ne Plat­ten die­ser Künst­ler mehr anbie­ten dür­fen und auch kei­ne Kon­zer­te mehr mit die­sen Musi­kern mehr statt­fin­den. Die Post muss ent­spre­chen­de Sen­dun­gen von Plat­ten­lä­den kon­trol­lie­ren; und sicher­heits­hal­ber auch alle ande­ren Pake­te – es könn­ten sich dar­in ja auch CDs befin­den.
Denn wir sind uns ja einig: der gesamt­ge­sell­schaft­li­che Scha­den durch Dro­gen, Alko­hol und Ziga­ret­ten ist enorm hoch. Wir müs­sen alle Anstren­gun­gen unter­neh­men, dem Ein­halt zu gebie­ten.

Kei­ne Macht den Dro­gen.

Programming for quite a while … 

One of the most important things I’ve read all week:

Any­way, at din­ner the other night the ques­ti­on came up of what’s the diff betw pro­gramming after 37 years, and pro­gramming after say 10 or 15. Here’s the deal. I know now that it’s important to pace mys­elf. When I reach a level, I have to stop and admi­re the view. May­be build a hou­se or at least a ham­mock. Bring elec­tiri­ci­ty in. Find out whe­re the super­mar­ket is, and the Starbuck’s. Don’t be so quick to move on, to build on your accom­plish­ments. It takes many years to undo the mista­kes you make when you thought you were in a rush. It’s much fas­ter to catch your bre­ath and think. Even pon­der a litt­le. Weigh the choices.

Dave Winer at After X Years of Pro­gramming.

re:publica 12 Widget

Das re:publica-Widget, das ich für die re:publica XI erstellt habe, gibt es jetzt auch in einer Vari­an­te für die kom­men­de re:publica.

Die Datei gibt es hier zum her­un­ter­la­den: repu­bli­ca12-wid­get

Instal­la­ti­on:

  1. Datei her­un­ter­la­den und ent­pa­cken
  2. Das Ver­zeich­nis repu­bli­ca-wid­get in Dei­nen /wp-con­ten­t/p­lug­ins-Order hoch­la­den
  3. Das Plug­in in Wor­d­Press akti­vie­ren
  4. in der Wid­get-Über­sicht das re:publica Wid­get in den pas­sen­den Side­bar zie­hen und das Ban­ner aus­wäh­len, das Du auf Dei­nem Blog zei­gen möch­test
  5. Fer­tig!

Also dann: Wir sehen uns in Ber­lin!

Wie ich Zeitung lese.

Eine der Sen­dun­gen, die mir im Deutsch­land­ra­dio den meis­ten Spass besche­ren, ist die Pres­se­schau. Nicht auf ein spe­zi­el­les Pro­dukt fest­ge­legt zu sein, son­dern mal von hier und mal von da einen guten Gedan­ken prä­sen­tiert zu bekom­men, das ist für mich eine ange­neh­me und kurz­wei­li­ge Art des Umgangs mit jour­na­lis­ti­scher Bericht­erstat­tung.
Bei mei­nem Ritu­al, auch selbst „Zei­tung zu lesen“ ertap­pe ich mich, wie ähn­lich zur Pres­se­schau auch mein eige­nes Her­an­ge­hen an schrift­li­chen Jour­na­lis­mus gewor­den ist. übri­gens, damit wir uns nicht falsch ver­ste­hen: dass ich eine Zei­tung aus Papier kau­fe ist ein Ereig­nis mit Sel­ten­heits­wert. Schrift­li­cher Jour­na­lis­mus fin­det bei mir tat­säch­lich rein elek­tro­nisch statt. Und bei allem Ver­ständ­nis für Argu­men­te um den Umwelt­schutz, bei mir hat es rein prak­ti­sche Grün­de.
Zei­tung­le­sen, das bedeu­tet bei mir: Tags­über den Twit­ter-Cli­ent öffent­li­chen, oder zumin­dest immer mal wie­der in mei­ne Time­li­ne zu sehen – Dort fol­ge ich durch­aus eini­gen Ver­lags­an­ge­bo­ten. Wenn ich von einem Arti­kel lese, der mich inter­es­sie­ren könn­te, wan­dert der Link dar­auf in mei­nen Insta­pa­per-Account. Und abends, da nut­ze ich ent­we­der iPad oder iPho­ne um zumin­dest stück­chen­wei­se zu lesen, was ich tags­über so abge­legt habe. Manch­mal ver­fas­se ich Kom­men­ta­re, manch­mal lei­te ich Links wei­ter: ich neh­me mit die­sem Arti­keln am Soci­al Web teil. Durch die Online-Ange­bo­te lese ich Arti­kel in vie­len Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten, die ich sonst nie in der Hand hät­te: taz, FAZ, Süd­deut­sche, Spie­gel Online, Zeit, Cice­ro, New York Times, Finan­ci­al Times Deutsch­land: sie alle gehö­ren zu den Quel­len, aus denen sich mein Insta­pa­per speist. (übri­gens ist es oft­mals so, dass sich bei den inter­na­tio­na­len Pro­duk­ten die Arti­kel mit weni­ger Klicks in les­ba­rer Art und Wei­se spei­chern las­sen, weil man nicht erst umständ­lich auf eine Druck­ver­si­on zugrei­fen muss, von der aus man aber trotz­dem nicht aus­dru­cken möch­te.) Ich fin­de, es berei­chert mein Leben und ver­schafft mir ein dif­fe­ren­zier­te­res Bild von der Welt. Natür­lich spei­sen auch ande­re Quel­len mein Kon­to: ein­zel­ne Blog Pos­tings, die Huf­fing­ton Post, Hei­se Online aber auch ein­zel­ne Threads auf Goog­le Plus lan­den auch alle in mei­ner Samm­lung für den Abend.
Ich kann mir, ehr­lich gesagt, auch gar nicht mehr so rich­tig vor­stel­len, Zei­tung über­wie­gend auf Papier zu lesen: Zu unhand­lich ist das For­mat im Ver­gleich zu den elek­tro­ni­schen Lese­ge­rä­ten, zu pas­siv das Medi­um: ich kann nicht schnell mal nach Din­gen goog­len, ich kann mir nicht rele­van­te Aus­schnit­te irgend­wo hin­ko­pie­ren, ich kann kei­ne Ver­wei­se wei­te­ge­ben: Papier ist doof. Ich muss aber auch zuge­ben: ich nut­ze die­se Ange­bo­te nur, wo sie leicht zugäng­lich und gra­tis sind. Die ipad-Apps von Zeit und FAZ mögen viel­leicht gut sein, aber ich will kei­ne Abos für die Zei­tun­gen abschlies­sen. Ich will mich nicht mal dafür regis­trie­ren müs­sen. Wenn die Links nicht an mir vor­bei­schwim­men und ich den Text nicht von dort aus mit dem Werk­zeug mei­ner Wahl (und das ist ein wich­ti­ger Punkt!) lesen kann, dann hat der Ver­lag mich als Leser ver­lo­ren. Und dar­um geht es doch: die Auf­merk­sam­keit des Lesers. Seit Insta­pa­per und ipho­ne lese ich mehr Zei­tung als je zuvor: sowohl, wie­viel Zeit ich für die Zei­tun­gen auf­wen­de, als auch wie­vie­le ver­schie­de­ne Zei­tun­gen ich lese. Das soll­ten doch für die Ver­la­ge eigent­lich gute Nach­rich­ten sein, allei­ne schon wegen der Ziel­grup­pe. Jetzt müs­sen sie nur noch einen Weg fin­den, ein trag­fä­hi­ges und markt­wirt­schaft­li­ches Kon­zept zu erar­bei­ten, wie sie damit Geld ver­die­nen kön­nen.

Different take on the Keynote

A good num­ber of peop­le, inclu­ding Dar­ing Fireball’s estee­med John Gru­ber pain­ted the pic­tu­re that last weeks WWDC key­note was about Goog­le framing the future of com­pu­ting in the brow­ser vs. Apple framing it with nati­ve, local apps on their platt­forms. As much as this being an inte­res­ting ques­ti­on, what strikes me as a very fun­da­men­tal chan­ge — and one that’s gone fair­ly uncom­men­ted is Apple doing away with the need to under­stand or deal with files for the gene­ral user. The com­bi­na­ti­on of never having to save your work, just naming it and using it seems so obvious, yet power­ful. Adding Ver­si­ons into the mix, and the iCloud sto­ra­ge stra­te­gy and sud­den­ly you have a very power­ful new way to deal with thr stuff you crea­te. You do not syn­chro­ni­ze, the »truth is in the cloud.« You just access what you have from the device you have near­by, and that’s it.

It will be inte­res­ting to see how this also works out with local file ser­vers and stuff you don’t want to put up on Apple’s ser­vers. But to me, the pic­tures the crew has pain­ted of the future of desk­top inter­faces is the real­ly fun­da­ment­al­ly new thing that we saw.

IP-Provider

Anstatt zu über­le­gen, wie sie für’s zer­schnei­den und neu zusam­men­set­zen mei­nes Traf­fics noch Geld ver­lan­gen kön­nen, könn­ten die Pro­vi­der sich mal Gedan­ken dar­über machen, mich dar­in zu unter­stüt­zen zu sehen, wann wel­ches mei­ner End­ge­rä­te mit wel­chen Gegen­stel­len kom­mu­ni­ziert. Denn: Spei­chern wer­den sie die Daten ja wohl sowie­so müs­sen, über kurz oder lang. Wenn man dann sähe, wie oft z.B. so ein iPho­ne mit Apple kom­mu­ni­ziert, und das viel­leicht sogar beim Pro­vi­der unter­bin­den könn­te, wäre das schon mal ein gros­ser Schritt.

Datenverlust und Kontrollangst

Nach Kris­ti­an Köhn­tropps (@isotopp) Arti­kel „Von der Spa­cke­ria, von Alu­hü­ten und vom Kon­troll­ver­lust“ kann ich lang­sam etwas genau­er begrün­den, was mich am Dis­kurs so stört: die in mei­ner Wahr­neh­mung nur sehr ein­sei­ti­ge Betrach­tungs­wei­se der Mate­rie. Der Groß­teil der Dis­kus­si­on fin­det aus der War­te des ein­zel­nen Users statt. In dem Spiel gibt es noch eine Rei­he ande­rer Akteu­re und deren Inter­es­sen ste­hen gera­de einer sol­chen Trans­pa­renz, wie die Spa­cke­ria sie – in mei­nen Augen höchst uto­pisch – ein­for­dert, dia­me­tral ent­ge­gen. Klas­si­sche Bei­spie­le sind da wohl Goog­le und Face­book: Es gehört essen­zi­ell zu deren Geschäfts­mo­dell, dass wir nicht wis­sen, wel­che Daten sie genau über uns erhe­ben, spei­chern und wie sie die­se Daten wei­ter­ver­ar­bei­ten. Ich sehe auch kei­nen Weg, wie man zu einer Offen­le­gung der inne­ren Pro­zes­se der bei­den Unter­neh­men kom­men könn­te; das sind die Kron­ju­we­len, die sie sicher maxi­mal ver­tei­di­gen wer­den.

Wir als Netz­nut­zer haben hier übri­gens eine Dop­pel­rol­le: einer­seits kon­su­mie­ren wir Dienst­leis­tun­gen der Unter­neh­men. Ande­rer­seits sind wir aber auch Pro­du­zen­ten des Roh­stof­fes, der die Pro­duk­te aus­macht: Genau der Daten, die die Geschäfts­grund­la­ge sind. Des­halb wer­den die Unter­neh­men auch bemüht sein, dass wir ihnen immer mehr und mehr Daten zur Spei­che­rung über­las­sen – und es uns natür­lich auch immer ein­fa­cher und attrak­ti­ver machen, genau die­se Daten ihren Sys­te­men zur Ver­fü­gung zu stel­len. Die Bei­spie­le Goog­le und Face­book zei­gen noch eine ande­re Pro­ble­ma­tik an der Trans­pa­ren­zu­to­pie: Die Akteu­re sind zu glo­bal, als dass sie sich an einen in Deutsch­land zu errei­chen­den Kon­sens bin­den lies­sen. Selbst, wenn wir ein Min­dest­maß an Trans­pa­renz erzwän­gen: Wie woll­ten wir das gegen­über mul­ti­na­tio­na­ler Kon­zer­ne durch­set­zen?

Wir kön­nen übri­gens auch ganz ein­fach ein Bei­spiel bemü­hen, das auch ganz off­line und nur natio­nal funk­tio­niert: Die Kre­dit­be­wer­tun­gen der diver­sen Aus­kunftei­en. Wir wis­sen zwar unge­fähr, wel­che Daten z.B. an die Schufa wei­ter­ge­lei­tet wer­den. Wie die dar­aus aber dann die spe­zi­fi­sche, per­sön­li­che Kre­dit­wür­dig­keit ablei­tet – das wird wohl auch wei­ter im Ver­bor­ge­nen blei­ben. Und wir wis­sen ja auch alle, wie ein­fach es ist, fal­sche Ein­trä­ge bei der Schufa kor­ri­giert zu bekom­men. Am Ran­de sei nur erwähnt, dass auch schon die Abfra­ge bei der Schufa wie­der Daten gene­rie­ren kann, die auf die Kre­dit­kon­di­tio­nen bei der Bank Ein­fluss haben – man muss dem Bank­be­ra­ter spe­zi­fisch ans Herz legen, die Schufa-Daten so abzu­fra­gen, dass das Rating davon unbe­ein­flusst bleibt.

Apro­pos Ban­ken: Daten aller Kon­to­be­we­gun­gen fal­len ja deut­lich unter die sen­si­ti­ve­ren per­sön­li­chen Daten; man wird nur weni­ge Men­schen fin­den, die ihre Kon­to­aus­zü­ge voll­stän­dig online stel­len wer­den. Für unse­re Haus­bank sind wir auf eine gewis­se Art sehr, sehr trans­pa­rent. War­um sehen wir eigent­lich nicht auf den Kon­to­aus­zü­gen der Ban­ken, wel­che Mit­ar­bei­ter wann und zu wel­chem Grund auf die­se Daten zuge­grif­fen haben – als Maß­nah­me der gegen­sei­ti­gen Trans­pa­renz? Und auch, wann die­se Daten über wel­che Schnitt­stel­le an ame­ri­ka­ni­sche Behör­den über­mit­telt wur­den, übri­gens.

Das Gefähr­li­che an den Daten, die wir von uns geben, ist aber auch, dass wir heu­te noch nicht sagen kön­nen, wel­che Rele­vanz und Aus­sa­gen sie in Zukunft noch haben kön­nen. Es ist ähn­lich wie die heu­te ein­ge­fro­re­nen Blut­pro­ben von Sport­lern – wir kön­nen heu­te noch nicht sagen, wel­che dia­gnos­ti­schen Metho­den in zehn Jah­ren zur Ver­fü­gung ste­hen wer­den, um Doping nach­zu­wei­sen. Wir kön­nen heu­te noch nicht sagen, wel­che heu­te zutiefst harm­lo­sen Daten im Lau­fe unse­res Lebens doch noch eine ganz ande­re Bedeu­tung und Rele­vanz bekom­men. Und uns dann doch wie­der ein­ho­len.

Ins­be­son­de­re gibt es da noch den zusätz­li­chen Akteur, der im Raum steht: den Staat. Alle von pri­va­ten Enti­tä­ten gespei­cher­ten Daten kön­nen, ob wir das wol­len oder nicht, von der Staats­ge­walt genutzt wer­den. Und zwar nicht nur von der, wo wir woh­nen, son­dern auch von allen Tran­sit­län­dern und Fir­men­sit­zen. Ob das nun der Zugriff auf die Sys­te­me der Tel­cos ist, oder ob die in der Cloud gespei­cher­ten Daten selbst abge­grif­fen wer­den (wie ja Drop­box erst letz­ten öffent­lich ein­ge­stan­den hat): die­sen Teil­neh­mer gibt es auch, immer und jeder­zeit. Bist Du Dir sicher, das die Daten, die Du heu­te spei­cherst oder pro­du­zierst von allen Län­dern, in die Du rei­sen wirst, als harm­los gese­hen wer­den? Was, wenn ein Nut­zer des glei­chen Namens wie Du isla­mis­ti­sche Bot­schaf­ten ver­öf­fent­licht hat, und die USA bei der Ein­rei­se plötz­lich auf sol­che Din­ge ach­ten? Auch die­sen Teil­neh­mern wird man kei­ne Trans­pa­renz ver­ord­nen kön­nen; allei­ne schon der Ansatz wirkt fast iro­nisch.

Nein, mir ist die­se Grund­an­nah­me der Spa­cke­ria suspekt. Ich möch­te nicht ger­ne trans­pa­rent sein. Und erst recht nicht um den Preis, dass wir doch schon mal anfan­gen sol­len, die ande­ren Teil­neh­mer zie­hen dann viel­leicht spä­ter schon mal nach.

I dream of a coworking space …

Wenn ich denn je genug Geld hät­te, einen cowor­king space zu grün­den, dann hät­te er sicher fol­gen­de Fea­tures:

  1. Büros in den ver­schie­dens­ten Grö­ßen, die man mie­ten kann
  2. Bespre­chungs­räu­me mit guter Infra­struk­tur (Bea­mer, Lein­wand, Tele­fon mit guter Frei­sprech­an­la­ge)
  3. Tele­fon-Ser­vice für die Zei­ten, an denen man nicht am Schreib­tisch oder im Büro ist
  4. In der Eta­ge unter dem nor­ma­len Cowor­king Space ein rich­tig, rich­tig, rich­tig gutes Cafe. Also eines, wo Leu­te schon mal ger­ne hin­ge­hen, ohne da zu arbei­ten.

Aber wahr­schein­lich bleibt das auch nur ein Hirn­ge­spinst.

Ein Idee zum Urheberrecht

Und nur halb ernst, aber auch nur halb lus­tig ver­meint:
Ähn­lich, wie die Schutz­rech­te für eine Mar­ke erst erwor­ben wer­den müs­sen, müs­sen Schutz­rech­te für ande­re Krea­tiv­wer­ke auch erwor­ben wer­den – wobei noch zu klä­ren wäre, was ein Werk ist und wel­che Kate­go­ri­en Kunst schutz­wür­dig sind. Und dann muss die Ver­län­ge­rung der Schutz­rech­te jedes Jahr bezahlt wer­den. Im ers­ten Jahr kos­tet das Schutz­recht ein Euro, im zwei­ten Jahr zwei, und immer wei­ter. Der Preis ver­dop­pelt sich jedes Jahr.
Es bleibt eine Rechen­auf­ga­be, ab wann es für den Pro­du­zen­ten oder Ver­wer­ter nicht mehr attrak­tiv ist, ein Werk für sich zu mono­po­li­sie­ren.

Anonymität oder leicht zu googlen?

Seit der Ses­si­on Was ist mor­gen öffent­lich, was pri­vat den­ke ich über Pri­vat­sphä­re und Öffent­lich­keit nach, bzw. auch über aug­men­ted rea­li­ty. Falk Lüke benann­te als Bei­spiel: Was, wenn Goog­le Gog­gles eine Gesichts­er­ken­nung ein­baut, und man plötz­lich jeden, den man auf der Stras­se sieht, sofort goog­len kann? Und mei­ne ange­schlos­se­ne Fra­ge ist: Wird das emp­fun­de­ne Unwohl­sein nach ver­wen­de­ter Tech­no­lo­gie anders? Was, wenn z.B. die Kon­fe­renz-Namens­schil­der, auf die vie­le ja doch ihre Twit­ter-Namen schrei­ben, plötz­lich auch QR-Codes hät­ten? Was, wenn wir irgend­wo einen RFID hät­ten, der die Infor­ma­ti­on auf Rück­fra­ge raus­gibt? Was, wenn die­ser RFID plötz­lich implan­tiert ist? Und wenn es die Tech­no­lo­gie der Gesichts­er­ken­nung gäbe, hät­te das auch Ein­fluss auf die Bur­qa-Debat­te?
Allei­ne schon die­se ein­fa­che Fra­ge – unter­stützt eine Tech­no­lo­gie die Mög­lich­keit, sich im öffent­li­chen Raum iden­ti­fi­zier­bar zu machen – mit ihren ver­schie­de­nen Schat­tie­run­gen je nach spe­zi­fi­scher Tech­no­lo­gie zeigt auch, wie hoff­nungs­los über­for­dert der Gesetz­ge­bungs­pro­zess hier nur sein kann: ers­tens ändern sich die tech­no­lo­gi­schen Mög­lich­kei­ten so schnell, dass selbst libe­ral for­mu­lier­te Rah­men­ge­set­ze schnell an Gren­zen sto­ßen (wer hät­te vor drei, vier Jah­ren schon gedacht, dass Geo­lo­ca­ti­on-Ser­vices auf dem Han­dy so in The­ma wer­den wür­de) und ande­rer­seits ist das tech­no­lo­gie-neu­tra­le For­mu­lie­ren von eben auch Schat­tie­run­gen eine gar kom­ple­xe Auf­ga­be. Wie man das einer brei­te­ren Mas­se trans­pa­rent machen soll, damit di eben auch die Geset­ze ihres Lan­des ver­ste­hen, ist mir gar noch nicht klar.
Und trotz­dem: das The­ma bleibt wei­ter sehr, sehr span­nend.

Und wenn sie es ernst meinten …

Wenn es die deut­sche Bun­des­re­gie­rung wirk­lich ernst mein­te, die Atom­ener­gie ohne Tabus zu hin­ter­fra­gen, dann stell­te sie sich auch den fol­gen­den Fra­gen:

  • Wie soll der Müll aus den Atom­kraft­wer­ken ent­sorgt wer­den? Wie soll er an die­se Lager­stel­le trans­por­tiert wer­den?
  • Wer sorgt in wel­cher Wei­se für den Rück­bau der Atom­kraft­wer­ke, nach dem sie aus­ser Betrieb gegan­gen sind? Wer ist für die Sicher­heit der Anla­gen nach dem Ende ver­ant­wort­lich?

Und wenn sie den Bür­gen eine halb­wegs infor­mier­te Posi­ti­on zutraut, dann ste­hen da in mei­nen Augen noch ein paar Fra­gen mehr auf der Tages­ord­nung:

  • Wie viel Nukle­ar­ma­te­ri­al ver­baucht ein AKW pro pro­du­zier­tem Mega­watt? Wie viel von wel­chem Mate­ri­al muss also für die Lauf­zeit­ver­län­ge­rung ein­ge­kauft wer­den, und wo pas­siert das?
  • War­um sind die Gewin­ne der Atom­kon­zer­ne so hoch, wenn gleich­zei­tig z.B. die Ent­sor­gung des radio­ak­ti­ven Abfalls Sache der All­ge­mein­heit ist?

Ich sehe gera­de sehr viel Ähn­lich­keit zwi­schen den Atom­ener­gie-Pro­du­zen­ten und den Ziga­ret­ten­pro­du­zen­ten. Beim Rau­chen bewegt sich die Gesell­schaft mitt­ler­wei­le in die rich­ti­ge Rich­tung. Schaf­fen wir es bei der Atom­ener­gie auch?

Für eine neue Energiepolitik.

Ener­gie­po­li­tik ist Geo­po­li­tik: Fast alle Ener­gie­trä­ger, die in Groß­kraft­wer­ken ein­ge­setzt wer­den, müs­sen aus dem Aus­land impor­tiert wer­den. Das heißt, dass wir die dor­ti­gen Regimes finan­zi­ell unter­stüt­zen. Gas kommt aus Russ­land, Öl kommt aus dem nahen Osten. Uran kommt aus Aus­tra­li­en, Russ­land, Niger, Nami­bia, Kasach­stan und Usbe­ki­stan. Und auch Koh­le wird bald nicht mehr in Deutsch­land geför­dert (und auch jetzt nicht zu wett­be­werbs­fä­hi­gen Kos­ten). Neben der finan­zi­el­len Unter­stüt­zung ist es aber auch – und das Bei­spiel Russ­land zeigt das ja jeden Win­ter aufs Neue in ein­drucks­vol­ler Wei­se – ein enor­mer Macht­fak­tor. Es muss im Sin­ne eines grö­ße­ren Ent­schei­dungs­spiel­rau­mes das Inter­es­se der euro­päi­schen Uni­on sein, dass die Ener­gie­ver­sor­gung auch in ihren Ver­brauchs­gü­tern – so die­se noch erfor­der­lich sind – aut­ark von stat­ten geht. Erst dann wird es auch glaub­haft mög­lich, sich für ande­re poli­ti­sche Zie­le wie Demo­kra­ti­sie­rung des nahen und mitt­le­ren Ostens ein­zu­set­zen: die bestehen­den Abhän­gig­keits­struk­tu­ren fal­len weg.
Ener­gie­po­li­tik ist Umwelt­po­li­tik: die­sen Punkt muss man wohl nicht mehr näher aus­füh­ren. CO2-Aus­stoß, Umwelt­ver­schmut­zung durch Abga­se und Abfäl­le; Abwär­me durch Ver­feue­rung in den Öfen der Kraft­wer­ke. Die Mär, Atom­ener­gie wäre sau­be­re Ener­gie ist ja schon lan­ge ent­larvt und das Abfall­pro­blem ist noch immer nicht gelöst.
Ener­gie­po­li­tik ist Wirt­schafts­po­li­tik: in wel­chem Maße Ener­gie zur Ver­fü­gung steht, wel­che Kos­ten Gross­ab­neh­mern erwach­sen, in wel­cher Wei­se auch Ener­gie­ge­win­nung ver­gü­tet wird: das alles sind für die Indus­trie rele­van­te Ent­schei­dungs­grö­ßen. Aber auch die Fra­ge nach For­schung und Ent­wick­lung in Ener­gie­tech­ni­ken ist wich­tig und soll­te nicht aus den Augen ver­lo­ren wer­den.
Wir sehen schon heu­te, dass der Strom­be­darf unse­rer Gesell­schaft in nächs­ter Zeit nicht weni­ger wird. Moder­ne Heiz­sys­te­me (wie Geo­ther­mie oder Wär­me­rück­ge­win­nung) brau­chen immer auch Strom. Die indi­vi­du­el­le Mobi­li­tät geht nur in die Rich­tung weg von Ver­bren­nungs- und hin zu Elek­tro­mo­to­ren. Der gesam­te All­tag wird mehr und mehr von elek­tri­schen Gerä­ten abhän­gig. Nicht zuletzt in der Medi­zin: Ein MRT-Scan­ner ver­braucht im Betrieb zwi­schen 40 und 100 Kilo­watt.
Die Fra­ge­stel­lun­gen sind bekannt; auch Lösungs­tech­no­lo­gi­en lie­gen uns in vie­len Fäl­len schon vor und müss­ten nur umge­setzt wer­den. Das Strom­ver­tei­lungs-Netz inner­halb Deutsch­lands (und ver­mut­lich auch inner­halb der EU) ist an vie­len Stel­len unter­di­men­sio­niert und muss stark aus­ge­baut wer­den. Durch den Tausch vie­ler Kom­po­nen­ten von ihren aktu­ell sehr ein­fa­chen Vari­an­ten hin zu intel­li­gen­te­ren Gerä­ten ermög­licht vie­le neue Mög­lich­kei­ten; exem­pla­risch sei­en hier die Smart Meter für den Ein­satz beim End­ver­brau­cher genannt, die eine punkt­ge­naue Ver­brauchs­kon­trol­le und damit neue Abrech­nungs­sys­te­me ermög­li­chen. Aber auch ein­fach einen Über­blick, wie die Ver­brauchs­si­tua­ti­on momen­tan denn ist, um z.B. im Haus­halt auch gegen­steu­ern zu kön­nen. In der Ener­gie­ge­win­nung müs­sen rege­ne­ra­ti­ve Ener­gie­trä­ger viel stär­ker als bis­lang aus­ge­baut wer­den.
Es ist an der Zeit, sich der gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung zu stel­len und sich nicht nur den Inter­es­sen der aktu­el­len Strom­in­dus­trie zu wid­men.