Archiv der Kategorie: General

Hintertürchen [Korrigiert]

Ein auf Cryptome gepostetes Dokument, dass Folien aus einer Schulung zum Thema Computerforensik für Gesetzeshüter in USA enthält, hat – neben vielen anderen Details – einen enorm interessanten Bullet Point:

Auf der Folie „What’s a backdoor“ („a method to bypass data encryption or security“) steht:

  • Currently available for major encryption software – Microsoft Bitlocker, FileVault, BestCrypt, TrueCrypt, etc

Quelle: http://cryptome.org/2013/09/computer-forensics-2013.pdf

Korrektur Das Dokument scheint dann doch eher nicht echt; da bin ich wohl einem Hoax aufgesessen.

So ein Blog … 

Da gibt es also einen gelernten Journalisten, der jetzt eine PR Agentur betreibt und der für einen Bundeskanzlerkandidaten einen Blog aufsetzt. Der sich, zumindest auf seiner Referenzen-Liste nicht mit sonderlich innovativen oder auch gar nur im öffentlichen Diskurs stattfindenden Online-Projekten hervortut. Angeblich hat er dafür Spenden in sechsstelliger Höhe von Unternehmern eingesammelt. Und dann hat dieser Mensch die Verve, zu behaupten, dieses Projekt entspräche in etwa dem, was die Kampagne für Barack Obama in den USA online auch schon umgesetzt hat.

Mal abgesehen davon, dass es schon wirklich Größenwahn entspricht, einen einzelnen Blog mit einer so zentralen strategischen Komponente – für die wirklich gute Menschen über Jahre gearbeitet haben und über die mittlerweile nun doch das eine oder andere bekannt geworden ist – des Obama-Wahlkampfs zu vergleichen. Dieser Größenwahn wird zwar auch in der finanziellen Dimension klar (ein Blog, der nicht mal ein Jahr laufen soll, und dann ein sechsstelliges Budget?). Nein, was ich nun wirklich nicht verstehe ist, warum das ganze so amateurhaft angegangen wird. Steinbrück muss das Projekt gekannt haben, sonst hätte es doch gar nicht mit seinem Namen starten können. Hat also der Kandidat keinen Kontakt mit seiner Parteizentrale – wo es ja durchaus Kompetenz in diesem Themenbereich gibt? Oder ist ihm so egal, was seine Partei ihm sagt? Wenn Letzteres wahr ist, was sagt das dann über eine potenzielle Regierungsmannschaft auf SPD-Seite aus? Und wenn das ganze auch innerhalb der SPD abgestimmt war – will man dann Steinbrück jetzt verheizen, weil die Wahl dieses Jahr sowieso zu keinem SPD-Bundeskanzler führen kann, sondern nur zu einem Vizekanzler, und das will Genosse Peer ja bekanntlich nicht machen?

Und nicht zuletzt: Will man einen Bundeskanzler haben, der im Thema Medienkompetenz sowohl selbst so ungeschickt wie auch so schlecht beraten ist, wie Steinbrück?

Solange … 

Solange es erlaubt ist, sich mangelnder Empathie zu rühmen; solange es ein Makel ist, ein gewisses Mindestmaß jener Fähigkeit zu besitzen, sich in andere Menschen einfühlen zu können und auch nur eine Idee davon zu haben, was deren Motivation sein könnte – und nichts anderes heisst „Frauenversteher“ ja! – wird dem Sexismus nichts ernstlich im Weg stehen.

Solange Männer glauben, sie könnten Frauen erklären, wie sie zu reagieren hätten oder wie sie etwas zu empfinden hätten, werden sie nie als Gesprächspartner gesehen werden. Wenn sie dabei auch noch in einer strukturell machtvolleren Situation sind, ist die Schwelle zum Gespräch sowieso schon recht hoch.

Solange Männer immer noch glauben, eine Erniedrigung oder Beleidigung seien ein Kompliment, dürfen sie sich nicht wundern, wenn das Gegenüber sich eher beleidigt denn wertgeschätzt fühlt

Solange das Gefühl besteht, dass doch mit etwas mehr Höflichkeit das Problem schon gelöst wäre, ist immer noch nicht angekommen, was das Problem ist.

Sexismus in „Greenbox“

In Tim Mälzers neuem Kochbuch „Greenbox“ findet sich, ziemlich weit vorne, ein Rezept namens „Weiberpasta“. Offensichtlich als Erläuterung für diesen Namen findet sich eine Bemerkung von Herrn Melzer:

Brokkoli gehörte für mich bislang ins Fach der Weibergemüse. Ich werde aber im Alter nicht nur dicker, sondern auch weiser und muss leider feststellen, dass ich über die Jahre echt was verpasst habe.

Dieser Begriff für Brokkoli ist auch nichts Neues, schon im Jahr 2007 findet sich im Standard eine Bemerkung, in der auch die Wortschöpfung Weibergemüse (Artikel in derStandard.at) kritisiert wird.

Da fragt man sich, was das wohl soll – ausser eine Selbstentlarvung sein.

Postbesuch, anno 2013

Ich war gerade auf unserer Post. Das ist die zentrale Postfiliale in einer Stadt mit rund 250.000 Einwohnern, die vor nicht allzu langer Zeit um einen ordentlichen Haufen Geld erneuert wurde. Die eine Inneneinrichtung mit mindestens vier großen Plasmafernsehern hat, die einem Post-Werbefilme vorspielen, während man dort wartet. Ich will jetzt gar nicht darauf eingehen, dass die Post offensichtlich weiß, dass sie ein Problem mit Wartezeiten hat und deshalb dieses Ablenkungsprogramm um viel Geld dort installiert und betreibt – denn ein Wartezeitenproblem hat zumindest diese Filiale erheblich. Nein, es geht mir um was anderes: ich möchte gerne mein Kauf-Erlebnis schildern!

Ich bin also mit einem gemischten Stapel Briefe dahin, weil die per ePostfiliale bestellten Marken noch nicht im Büro angekommen sind und sich schon etwas Ausgangspost gesammelt hatte. Das waren alles normale Umschläge; ein paar davon ins europäische Ausland, ein paar davon schwerer als die normale wir-frankieren-bis-zu-zwei-Blätter-mit-nun-58c-Post. Und eine ordentliche Handvoll normaler Briefe, nicht zu schwer und nicht zu leicht. Ich hatte das schon in schöne, unterschiedliche Päckchen zerteilt, weil ich dachte, dann klappt das mit dem Frankieren schneller.

Nachdem ich dann (es waren nur fünf Leute vor mir in der Schlange! Schnell!) an den Schalter kam, schlief der Frau schon das Gesicht bei der Briefmenge ein. Ich erklärte ihr meine unterschiedlichen Anforderungen … Und dann durfte ich vor ihr am Schalter die Briefe einzeln abzählen, sie zählte mir die Briefmarken ab (35 davon, 10 davon, 3 davon) und ich konnte zahlen.

Ein Gutteil der Marken war nicht selbstklebend, sondern wollte vor dem Aufkleben befeuchtet werden. Weit und breit kein entsprechendes Schwämmchen in der Filiale in Sicht. Also setze ich mich zu den Tischen, die eigentlich für Beratungsgespräche der Postbank gemeint sind – die vor dem Kaffeeautomaten mit dem riesigen, handgeschriebenen „Defekt!“-Schild dran. Dann klebte ich brav meine Marken auf, durfte dann mit dem Stapel zum Postkasten gehen und sie einwerfen.

Gab es da nicht mal so ein Wort von der Servicewüste Deutschland?

Features I’d love to see in an ADN client

I’ve dipped my toes in to the waters of app.net (I’m @Konrad there) and must say that I quite enjoy the experience. Quite a bit of resourceful individuals also frequent that venture, so the ecosystem is coming along nicely—the number of new clients to try is increasing rapidly, and new things are being tried out. Exciting times.

Picking up from an old post of mine and putting into words a few ideas I have been carrying around for a while now, I am going to start a list of features that I would love to see in an ADN client. I wouldn’t mind if they also showed up in Twitter clients, but I’m not so hopeful that innovation will continue in that space.

  • intelligent username references. I’d love to see if the @-notated links in messages indicated whether I already follow a user or not; this could so very easily be achieved with color-coding the link, or giving them little icons.
  • Make interactions asynchronous wherever that is possible. I am not so particularly curious as to when the client stars a message that I am looking at. I’d much rather it remembers my intention to do so and tries until it succeeds over reporting back to me that it was currently impossible. To my tastes, it could just as well pretend that the starring has already happened even if it hasn’t—so colorcode the stars when it’s just a local change queued no be sent out.
  • Queues, lists, whatever: right now, I have two distinct uses of starring postings. One is to let others know I particularly liked something, the other is a reminder for me to look at something again — googling it, following up to it, looking at a book reference. I would so much like to be able to seperate the two things; having the stars for the outside communication and something like a flag for myself.
  • [Added Nov 15] Timestamps on when the post was written. I think it makes quite a bit of sense to know what the local time of day was for the author of the post and less for me, the reader. So having a way to see what time the author wrote the post at would be quite grand.

I’m sure other things will come to mind eventually. And I am even more convinced other people will come up with more interesting, more clever and just better ideas. But I just had to write this up!

Beeindruckend.

Schon lange ist es nicht mehr passiert, dass ein einziges Video so viel bei mir bewirkt hat: einen neuen Blick darauf, was Hip Hop ist und sein kann; einen neuen Blick auf die Geschichte. Kurz: Sehr beeindruckend, das. Und zwar: Lin-Manuel Miranda performs at the White House. Ein Hiphop Song über Alexander Hamilton.

Wenn Sie bitte hier gucken wollen:

Musikverleger und die Einhaltung der Gesetze.

Ich stimme ja mit den Plattenverlagen und Musikproduzenten in der Auffassung überein, dass es wichtig ist, bestehende Gesetze einzuhalten und gegebenenfalls die Gesetze auch so zu verändern, dass unerwünschtes Verhalten schnell und unerbittlich abgestellt werden kann.
Ich finde, man kann nicht oft genug ein positives Vorbild setzen, dass Drogen in unserer Kultur nicht akzeptabel sind. Wir haben einen gesellschaftlichen Konsens, dass Drogen nicht akzeptabel sind – und auch Strafen für Handel und Besitz.
Nun scheint mir zumindest bei einigen Plattenlabels die Verantwortung über die Vorbildfunktion von Künstlern nicht hinreichend ausgeprägt. Ich denke, hier tut eine Klärung not; eine Unterstützung der Verlage in ihrem Bestreben, das Richtige zu tun.
Wir sollten uns dafür einsetzen, dass Künstler, die schon mal alkoholisiert aufgefallen sind oder in der Öffentlichkeit berauscht in Erscheinung getreten sind, nicht mehr im Radio gespielt werden, Plattenläden und -versender keine Platten dieser Künstler mehr anbieten dürfen und auch keine Konzerte mehr mit diesen Musikern mehr stattfinden. Die Post muss entsprechende Sendungen von Plattenläden kontrollieren; und sicherheitshalber auch alle anderen Pakete – es könnten sich darin ja auch CDs befinden.
Denn wir sind uns ja einig: der gesamtgesellschaftliche Schaden durch Drogen, Alkohol und Zigaretten ist enorm hoch. Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, dem Einhalt zu gebieten.

Keine Macht den Drogen.

Programming for quite a while … 

One of the most important things I’ve read all week:

Anyway, at dinner the other night the question came up of what’s the diff betw programming after 37 years, and programming after say 10 or 15. Here’s the deal. I know now that it’s important to pace myself. When I reach a level, I have to stop and admire the view. Maybe build a house or at least a hammock. Bring electiricity in. Find out where the supermarket is, and the Starbuck’s. Don’t be so quick to move on, to build on your accomplishments. It takes many years to undo the mistakes you make when you thought you were in a rush. It’s much faster to catch your breath and think. Even ponder a little. Weigh the choices.

Dave Winer at After X Years of Programming.

re:publica 12 Widget

Das re:publica-Widget, das ich für die re:publica XI erstellt habe, gibt es jetzt auch in einer Variante für die kommende re:publica.

Die Datei gibt es hier zum herunterladen: republica12-widget

Installation:

  1. Datei herunterladen und entpacken
  2. Das Verzeichnis republica-widget in Deinen /wp-content/plugins-Order hochladen
  3. Das Plugin in WordPress aktivieren
  4. in der Widget-Übersicht das re:publica Widget in den passenden Sidebar ziehen und das Banner auswählen, das Du auf Deinem Blog zeigen möchtest
  5. Fertig!

Also dann: Wir sehen uns in Berlin!

Wie ich Zeitung lese.

Eine der Sendungen, die mir im Deutschlandradio den meisten Spass bescheren, ist die Presseschau. Nicht auf ein spezielles Produkt festgelegt zu sein, sondern mal von hier und mal von da einen guten Gedanken präsentiert zu bekommen, das ist für mich eine angenehme und kurzweilige Art des Umgangs mit journalistischer Berichterstattung.
Bei meinem Ritual, auch selbst „Zeitung zu lesen“ ertappe ich mich, wie ähnlich zur Presseschau auch mein eigenes Herangehen an schriftlichen Journalismus geworden ist. übrigens, damit wir uns nicht falsch verstehen: dass ich eine Zeitung aus Papier kaufe ist ein Ereignis mit Seltenheitswert. Schriftlicher Journalismus findet bei mir tatsächlich rein elektronisch statt. Und bei allem Verständnis für Argumente um den Umweltschutz, bei mir hat es rein praktische Gründe.
Zeitunglesen, das bedeutet bei mir: Tagsüber den Twitter-Client öffentlichen, oder zumindest immer mal wieder in meine Timeline zu sehen – Dort folge ich durchaus einigen Verlagsangeboten. Wenn ich von einem Artikel lese, der mich interessieren könnte, wandert der Link darauf in meinen Instapaper-Account. Und abends, da nutze ich entweder iPad oder iPhone um zumindest stückchenweise zu lesen, was ich tagsüber so abgelegt habe. Manchmal verfasse ich Kommentare, manchmal leite ich Links weiter: ich nehme mit diesem Artikeln am Social Web teil. Durch die Online-Angebote lese ich Artikel in vielen Zeitungen und Zeitschriften, die ich sonst nie in der Hand hätte: taz, FAZ, Süddeutsche, Spiegel Online, Zeit, Cicero, New York Times, Financial Times Deutschland: sie alle gehören zu den Quellen, aus denen sich mein Instapaper speist. (übrigens ist es oftmals so, dass sich bei den internationalen Produkten die Artikel mit weniger Klicks in lesbarer Art und Weise speichern lassen, weil man nicht erst umständlich auf eine Druckversion zugreifen muss, von der aus man aber trotzdem nicht ausdrucken möchte.) Ich finde, es bereichert mein Leben und verschafft mir ein differenzierteres Bild von der Welt. Natürlich speisen auch andere Quellen mein Konto: einzelne Blog Postings, die Huffington Post, Heise Online aber auch einzelne Threads auf Google Plus landen auch alle in meiner Sammlung für den Abend.
Ich kann mir, ehrlich gesagt, auch gar nicht mehr so richtig vorstellen, Zeitung überwiegend auf Papier zu lesen: Zu unhandlich ist das Format im Vergleich zu den elektronischen Lesegeräten, zu passiv das Medium: ich kann nicht schnell mal nach Dingen googlen, ich kann mir nicht relevante Ausschnitte irgendwo hinkopieren, ich kann keine Verweise weitegeben: Papier ist doof. Ich muss aber auch zugeben: ich nutze diese Angebote nur, wo sie leicht zugänglich und gratis sind. Die ipad-Apps von Zeit und FAZ mögen vielleicht gut sein, aber ich will keine Abos für die Zeitungen abschliessen. Ich will mich nicht mal dafür registrieren müssen. Wenn die Links nicht an mir vorbeischwimmen und ich den Text nicht von dort aus mit dem Werkzeug meiner Wahl (und das ist ein wichtiger Punkt!) lesen kann, dann hat der Verlag mich als Leser verloren. Und darum geht es doch: die Aufmerksamkeit des Lesers. Seit Instapaper und iphone lese ich mehr Zeitung als je zuvor: sowohl, wieviel Zeit ich für die Zeitungen aufwende, als auch wieviele verschiedene Zeitungen ich lese. Das sollten doch für die Verlage eigentlich gute Nachrichten sein, alleine schon wegen der Zielgruppe. Jetzt müssen sie nur noch einen Weg finden, ein tragfähiges und marktwirtschaftliches Konzept zu erarbeiten, wie sie damit Geld verdienen können.

Different take on the Keynote

A good number of people, including Daring Fireball’s esteemed John Gruber painted the picture that last weeks WWDC keynote was about Google framing the future of computing in the browser vs. Apple framing it with native, local apps on their plattforms. As much as this being an interesting question, what strikes me as a very fundamental change — and one that’s gone fairly uncommented is Apple doing away with the need to understand or deal with files for the general user. The combination of never having to save your work, just naming it and using it seems so obvious, yet powerful. Adding Versions into the mix, and the iCloud storage strategy and suddenly you have a very powerful new way to deal with thr stuff you create. You do not synchronize, the »truth is in the cloud.« You just access what you have from the device you have nearby, and that’s it.

It will be interesting to see how this also works out with local file servers and stuff you don’t want to put up on Apple’s servers. But to me, the pictures the crew has painted of the future of desktop interfaces is the really fundamentally new thing that we saw.

IP-Provider

Anstatt zu überlegen, wie sie für’s zerschneiden und neu zusammensetzen meines Traffics noch Geld verlangen können, könnten die Provider sich mal Gedanken darüber machen, mich darin zu unterstützen zu sehen, wann welches meiner Endgeräte mit welchen Gegenstellen kommuniziert. Denn: Speichern werden sie die Daten ja wohl sowieso müssen, über kurz oder lang. Wenn man dann sähe, wie oft z.B. so ein iPhone mit Apple kommuniziert, und das vielleicht sogar beim Provider unterbinden könnte, wäre das schon mal ein grosser Schritt.

Datenverlust und Kontrollangst

Nach Kristian Köhntropps (@isotopp) Artikel „Von der Spackeria, von Aluhüten und vom Kontrollverlust“ kann ich langsam etwas genauer begründen, was mich am Diskurs so stört: die in meiner Wahrnehmung nur sehr einseitige Betrachtungsweise der Materie. Der Großteil der Diskussion findet aus der Warte des einzelnen Users statt. In dem Spiel gibt es noch eine Reihe anderer Akteure und deren Interessen stehen gerade einer solchen Transparenz, wie die Spackeria sie – in meinen Augen höchst utopisch – einfordert, diametral entgegen. Klassische Beispiele sind da wohl Google und Facebook: Es gehört essenziell zu deren Geschäftsmodell, dass wir nicht wissen, welche Daten sie genau über uns erheben, speichern und wie sie diese Daten weiterverarbeiten. Ich sehe auch keinen Weg, wie man zu einer Offenlegung der inneren Prozesse der beiden Unternehmen kommen könnte; das sind die Kronjuwelen, die sie sicher maximal verteidigen werden.

Wir als Netznutzer haben hier übrigens eine Doppelrolle: einerseits konsumieren wir Dienstleistungen der Unternehmen. Andererseits sind wir aber auch Produzenten des Rohstoffes, der die Produkte ausmacht: Genau der Daten, die die Geschäftsgrundlage sind. Deshalb werden die Unternehmen auch bemüht sein, dass wir ihnen immer mehr und mehr Daten zur Speicherung überlassen – und es uns natürlich auch immer einfacher und attraktiver machen, genau diese Daten ihren Systemen zur Verfügung zu stellen. Die Beispiele Google und Facebook zeigen noch eine andere Problematik an der Transparenzutopie: Die Akteure sind zu global, als dass sie sich an einen in Deutschland zu erreichenden Konsens binden liessen. Selbst, wenn wir ein Mindestmaß an Transparenz erzwängen: Wie wollten wir das gegenüber multinationaler Konzerne durchsetzen?

Wir können übrigens auch ganz einfach ein Beispiel bemühen, das auch ganz offline und nur national funktioniert: Die Kreditbewertungen der diversen Auskunfteien. Wir wissen zwar ungefähr, welche Daten z.B. an die Schufa weitergeleitet werden. Wie die daraus aber dann die spezifische, persönliche Kreditwürdigkeit ableitet – das wird wohl auch weiter im Verborgenen bleiben. Und wir wissen ja auch alle, wie einfach es ist, falsche Einträge bei der Schufa korrigiert zu bekommen. Am Rande sei nur erwähnt, dass auch schon die Abfrage bei der Schufa wieder Daten generieren kann, die auf die Kreditkonditionen bei der Bank Einfluss haben – man muss dem Bankberater spezifisch ans Herz legen, die Schufa-Daten so abzufragen, dass das Rating davon unbeeinflusst bleibt.

Apropos Banken: Daten aller Kontobewegungen fallen ja deutlich unter die sensitiveren persönlichen Daten; man wird nur wenige Menschen finden, die ihre Kontoauszüge vollständig online stellen werden. Für unsere Hausbank sind wir auf eine gewisse Art sehr, sehr transparent. Warum sehen wir eigentlich nicht auf den Kontoauszügen der Banken, welche Mitarbeiter wann und zu welchem Grund auf diese Daten zugegriffen haben – als Maßnahme der gegenseitigen Transparenz? Und auch, wann diese Daten über welche Schnittstelle an amerikanische Behörden übermittelt wurden, übrigens.

Das Gefährliche an den Daten, die wir von uns geben, ist aber auch, dass wir heute noch nicht sagen können, welche Relevanz und Aussagen sie in Zukunft noch haben können. Es ist ähnlich wie die heute eingefrorenen Blutproben von Sportlern – wir können heute noch nicht sagen, welche diagnostischen Methoden in zehn Jahren zur Verfügung stehen werden, um Doping nachzuweisen. Wir können heute noch nicht sagen, welche heute zutiefst harmlosen Daten im Laufe unseres Lebens doch noch eine ganz andere Bedeutung und Relevanz bekommen. Und uns dann doch wieder einholen.

Insbesondere gibt es da noch den zusätzlichen Akteur, der im Raum steht: den Staat. Alle von privaten Entitäten gespeicherten Daten können, ob wir das wollen oder nicht, von der Staatsgewalt genutzt werden. Und zwar nicht nur von der, wo wir wohnen, sondern auch von allen Transitländern und Firmensitzen. Ob das nun der Zugriff auf die Systeme der Telcos ist, oder ob die in der Cloud gespeicherten Daten selbst abgegriffen werden (wie ja Dropbox erst letzten öffentlich eingestanden hat): diesen Teilnehmer gibt es auch, immer und jederzeit. Bist Du Dir sicher, das die Daten, die Du heute speicherst oder produzierst von allen Ländern, in die Du reisen wirst, als harmlos gesehen werden? Was, wenn ein Nutzer des gleichen Namens wie Du islamistische Botschaften veröffentlicht hat, und die USA bei der Einreise plötzlich auf solche Dinge achten? Auch diesen Teilnehmern wird man keine Transparenz verordnen können; alleine schon der Ansatz wirkt fast ironisch.

Nein, mir ist diese Grundannahme der Spackeria suspekt. Ich möchte nicht gerne transparent sein. Und erst recht nicht um den Preis, dass wir doch schon mal anfangen sollen, die anderen Teilnehmer ziehen dann vielleicht später schon mal nach.

I dream of a coworking space …

Wenn ich denn je genug Geld hätte, einen coworking space zu gründen, dann hätte er sicher folgende Features:

  1. Büros in den verschiedensten Größen, die man mieten kann
  2. Besprechungsräume mit guter Infrastruktur (Beamer, Leinwand, Telefon mit guter Freisprechanlage)
  3. Telefon-Service für die Zeiten, an denen man nicht am Schreibtisch oder im Büro ist
  4. In der Etage unter dem normalen Coworking Space ein richtig, richtig, richtig gutes Cafe. Also eines, wo Leute schon mal gerne hingehen, ohne da zu arbeiten.

Aber wahrscheinlich bleibt das auch nur ein Hirngespinst.

Ein Idee zum Urheberrecht

Und nur halb ernst, aber auch nur halb lustig vermeint:
Ähnlich, wie die Schutzrechte für eine Marke erst erworben werden müssen, müssen Schutzrechte für andere Kreativwerke auch erworben werden – wobei noch zu klären wäre, was ein Werk ist und welche Kategorien Kunst schutzwürdig sind. Und dann muss die Verlängerung der Schutzrechte jedes Jahr bezahlt werden. Im ersten Jahr kostet das Schutzrecht ein Euro, im zweiten Jahr zwei, und immer weiter. Der Preis verdoppelt sich jedes Jahr.
Es bleibt eine Rechenaufgabe, ab wann es für den Produzenten oder Verwerter nicht mehr attraktiv ist, ein Werk für sich zu monopolisieren.

Anonymität oder leicht zu googlen?

Seit der Session Was ist morgen öffentlich, was privat denke ich über Privatsphäre und Öffentlichkeit nach, bzw. auch über augmented reality. Falk Lüke benannte als Beispiel: Was, wenn Google Goggles eine Gesichtserkennung einbaut, und man plötzlich jeden, den man auf der Strasse sieht, sofort googlen kann? Und meine angeschlossene Frage ist: Wird das empfundene Unwohlsein nach verwendeter Technologie anders? Was, wenn z.B. die Konferenz-Namensschilder, auf die viele ja doch ihre Twitter-Namen schreiben, plötzlich auch QR-Codes hätten? Was, wenn wir irgendwo einen RFID hätten, der die Information auf Rückfrage rausgibt? Was, wenn dieser RFID plötzlich implantiert ist? Und wenn es die Technologie der Gesichtserkennung gäbe, hätte das auch Einfluss auf die Burqa-Debatte?
Alleine schon diese einfache Frage – unterstützt eine Technologie die Möglichkeit, sich im öffentlichen Raum identifizierbar zu machen – mit ihren verschiedenen Schattierungen je nach spezifischer Technologie zeigt auch, wie hoffnungslos überfordert der Gesetzgebungsprozess hier nur sein kann: erstens ändern sich die technologischen Möglichkeiten so schnell, dass selbst liberal formulierte Rahmengesetze schnell an Grenzen stoßen (wer hätte vor drei, vier Jahren schon gedacht, dass Geolocation-Services auf dem Handy so in Thema werden würde) und andererseits ist das technologie-neutrale Formulieren von eben auch Schattierungen eine gar komplexe Aufgabe. Wie man das einer breiteren Masse transparent machen soll, damit di eben auch die Gesetze ihres Landes verstehen, ist mir gar noch nicht klar.
Und trotzdem: das Thema bleibt weiter sehr, sehr spannend.

Und wenn sie es ernst meinten …

Wenn es die deutsche Bundesregierung wirklich ernst meinte, die Atomenergie ohne Tabus zu hinterfragen, dann stellte sie sich auch den folgenden Fragen:

  • Wie soll der Müll aus den Atomkraftwerken entsorgt werden? Wie soll er an diese Lagerstelle transportiert werden?
  • Wer sorgt in welcher Weise für den Rückbau der Atomkraftwerke, nach dem sie ausser Betrieb gegangen sind? Wer ist für die Sicherheit der Anlagen nach dem Ende verantwortlich?

Und wenn sie den Bürgen eine halbwegs informierte Position zutraut, dann stehen da in meinen Augen noch ein paar Fragen mehr auf der Tagesordnung:

  • Wie viel Nuklearmaterial verbaucht ein AKW pro produziertem Megawatt? Wie viel von welchem Material muss also für die Laufzeitverlängerung eingekauft werden, und wo passiert das?
  • Warum sind die Gewinne der Atomkonzerne so hoch, wenn gleichzeitig z.B. die Entsorgung des radioaktiven Abfalls Sache der Allgemeinheit ist?

Ich sehe gerade sehr viel Ähnlichkeit zwischen den Atomenergie-Produzenten und den Zigarettenproduzenten. Beim Rauchen bewegt sich die Gesellschaft mittlerweile in die richtige Richtung. Schaffen wir es bei der Atomenergie auch?

Für eine neue Energiepolitik.

Energiepolitik ist Geopolitik: Fast alle Energieträger, die in Großkraftwerken eingesetzt werden, müssen aus dem Ausland importiert werden. Das heißt, dass wir die dortigen Regimes finanziell unterstützen. Gas kommt aus Russland, Öl kommt aus dem nahen Osten. Uran kommt aus Australien, Russland, Niger, Namibia, Kasachstan und Usbekistan. Und auch Kohle wird bald nicht mehr in Deutschland gefördert (und auch jetzt nicht zu wettbewerbsfähigen Kosten). Neben der finanziellen Unterstützung ist es aber auch – und das Beispiel Russland zeigt das ja jeden Winter aufs Neue in eindrucksvoller Weise – ein enormer Machtfaktor. Es muss im Sinne eines größeren Entscheidungsspielraumes das Interesse der europäischen Union sein, dass die Energieversorgung auch in ihren Verbrauchsgütern – so diese noch erforderlich sind – autark von statten geht. Erst dann wird es auch glaubhaft möglich, sich für andere politische Ziele wie Demokratisierung des nahen und mittleren Ostens einzusetzen: die bestehenden Abhängigkeitsstrukturen fallen weg.
Energiepolitik ist Umweltpolitik: diesen Punkt muss man wohl nicht mehr näher ausführen. CO2-Ausstoß, Umweltverschmutzung durch Abgase und Abfälle; Abwärme durch Verfeuerung in den Öfen der Kraftwerke. Die Mär, Atomenergie wäre saubere Energie ist ja schon lange entlarvt und das Abfallproblem ist noch immer nicht gelöst.
Energiepolitik ist Wirtschaftspolitik: in welchem Maße Energie zur Verfügung steht, welche Kosten Grossabnehmern erwachsen, in welcher Weise auch Energiegewinnung vergütet wird: das alles sind für die Industrie relevante Entscheidungsgrößen. Aber auch die Frage nach Forschung und Entwicklung in Energietechniken ist wichtig und sollte nicht aus den Augen verloren werden.
Wir sehen schon heute, dass der Strombedarf unserer Gesellschaft in nächster Zeit nicht weniger wird. Moderne Heizsysteme (wie Geothermie oder Wärmerückgewinnung) brauchen immer auch Strom. Die individuelle Mobilität geht nur in die Richtung weg von Verbrennungs- und hin zu Elektromotoren. Der gesamte Alltag wird mehr und mehr von elektrischen Geräten abhängig. Nicht zuletzt in der Medizin: Ein MRT-Scanner verbraucht im Betrieb zwischen 40 und 100 Kilowatt.
Die Fragestellungen sind bekannt; auch Lösungstechnologien liegen uns in vielen Fällen schon vor und müssten nur umgesetzt werden. Das Stromverteilungs-Netz innerhalb Deutschlands (und vermutlich auch innerhalb der EU) ist an vielen Stellen unterdimensioniert und muss stark ausgebaut werden. Durch den Tausch vieler Komponenten von ihren aktuell sehr einfachen Varianten hin zu intelligenteren Geräten ermöglicht viele neue Möglichkeiten; exemplarisch seien hier die Smart Meter für den Einsatz beim Endverbraucher genannt, die eine punktgenaue Verbrauchskontrolle und damit neue Abrechnungssysteme ermöglichen. Aber auch einfach einen Überblick, wie die Verbrauchssituation momentan denn ist, um z.B. im Haushalt auch gegensteuern zu können. In der Energiegewinnung müssen regenerative Energieträger viel stärker als bislang ausgebaut werden.
Es ist an der Zeit, sich der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung zu stellen und sich nicht nur den Interessen der aktuellen Stromindustrie zu widmen.