Für ein aufgeklärtes Europa

Auf Twit­ter schrieb ich heute, dass ich poli­tisch lie­ber für ein auf­ge­klär­tes denn für ein christ­li­ches Europa ein­träte. Dar­aus ent­spann sich eine gewisse Dis­kus­sion, die zwar span­nend, aber letzt­lich für das Medium dann doch zu kom­plex war – daher möchte ich hier gerne meine Gedan­ken etwas aus­führ­li­cher niederschreiben.

Wenn wir Europa nicht nur als Wirt­schafts­union, son­dern auch als Kul­tur­raum ernst neh­men wol­len, stellt sich in mei­nen Augen die Frage, was wir da als unser Leit­bild anneh­men möch­ten: eine Grund­menge an Wer­ten und ein Kanon an Qua­li­tä­ten, die wir für erstre­bens­wert hal­ten und in deren Rich­tung wir uns als Gesell­schaf­ten tat­säch­lich wei­ter­ent­wi­ckeln wol­len. Nach mei­ner Auf­fas­sung sollte das auch  eine kul­tu­relle Strö­mung sein, die Europa bereits wesent­lich geprägt und sich am Kon­ti­nent auch so weit ver­brei­tet hat, dass man sie als euro­päi­sche Ent­wick­lung erken­nen kann (und nicht eine, die stär­ker regio­nal geprägt ist). Hier scheint mir die Auf­klä­rung der ein­zige ernst­zu­neh­mende Bewer­ber um den Titel.

Natür­lich hat auch das Chris­ten­tum Europa stark und nach­hal­tig geprägt; trotz­dem ist es mir als Begriff im poli­ti­schen Dis­kurs suspekt. Alleine schon durch unsere Geschichte und die Kriege, die im Namen des Chris­ten­tums sowohl in Europa, als auch von Europa aus gegen andere Gebiete geführt wur­den, passt für mich das Chris­ten­tum nicht unmit­tel­bar zu einer fried­li­chen euro­päi­schen Inte­gra­tion. Min­des­tens genauso wich­tig ist aber, dass wir in Europa auch Regio­nen haben, die nicht über­wie­gend von Chris­ten bewohnt wer­den. Alleine schon aus Respekt zu die­sen – genau wie wir euro­päi­schen – Gebie­ten, dür­fen wir sie nicht ver­ein­nah­men und ihnen das Chris­ten­tum über­strei­fen. Und auch für die Regio­nen, wo die Chris­ten zwar eine Mehr­heit stel­len, andere Reli­gio­nen zu sagen, dass hier zwar leben, aber nicht Teil der Iden­ti­tät des Kon­ti­nents sind, halte ich nicht für ein Vor­ge­hen, das wir uns zu eigen machen soll­ten. Und wenn es jetzt um das kul­tu­relle Erbe geht, und wie sehr unsere Gesell­schaf­ten christ­lich geprägt sind: ich sehe das im All­tag nicht. Das Kul­tur­le­ben sicher, aber unsere Ori­en­tie­rung vor allem auf ein funk­tio­nie­ren­des Wirt­schafts­sys­tem, unsere unglaub­li­che neo­li­be­rale Prä­gung im öffent­li­chen Dis­kurs über­deckt zumin­dest in mei­ner Wahr­neh­mung jeg­li­che Grund­prä­gung im Sinne von christ­li­chen Werten.

Und: was haben wir denn dadurch zu gewin­nen, wenn wir jetzt den Begriff des christ­li­chen Europa der von man­chen emp­fun­de­nen isla­mi­schen Bedro­hung ent­ge­gen­set­zen? Wo könnte es denn Sinn machen, sich auf eine sol­che Form der reli­giös gepräg­ten Aus­ein­an­der­set­zung ein­zu­las­sen? Nein: Auf­klä­rung lässt bei­den Reli­gio­nen – und natür­lich allen ande­ren auch – Spiel­raum; denn die Insti­tu­tio­nen des Zusam­men­le­bens sind nicht durch sie geprägt. Damit ist es müßig, diese Dis­kus­sion zu füh­ren – sie hat sich ein­fach erübrigt.

Und so bleibe ich dabei: ich möchte lie­ber, dass wir für ein auf­ge­klär­tes denn für ein christ­li­ches Europa eintreten.

Widersprüchliche Politikbegriffe

Es scheint mir, als führte uns die Dis­kus­sion auch zwei wider­sprüch­li­che Politik-Begriffe vor Augen, die gerade zusam­men­tref­fen. Zum einen ist es Auf­gabe der reprä­sen­ta­ti­ven Demo­kra­tie, die beste­hen­den Ver­hält­nisse abzu­bil­den und das in der Bevöl­ke­rung gege­bene Mei­nungs­spek­trum auch in die beschluss­fas­sen­den Organe der Repu­blik brin­gen. Wenn es also eine signi­fi­kante Menge an Men­schen gibt, die solch rechte Posi­tio­nen ver­tre­ten, dann gehört es zum Sys­tem, dass diese Posi­tio­nen auch das poli­ti­sche Han­deln mit­be­stim­men und diese Mei­nun­gen die Gesell­schaft eben formen.

Zugleich gibt es aber auch die Erwar­tung an die Poli­tik, dass man ihr die Füh­rung des Staa­tes, die Gestal­tung der Gesell­schaft über­tra­gen hat und eine – man­gels eines bes­se­ren Wor­tes – poli­ti­sche Klasse sich den Über­blick zu ver­schaf­fen hat und mit einem kla­ren poli­ti­schen Kom­pass jene Mei­nun­gen, die pro­ble­ma­tisch sind oder einen offen­sicht­lich vor­aus­ge­setz­ten Kon­sens dar­über, was legi­time Posi­tio­nen sind, zumin­dest von der Macht fern­hält oder in ande­rer Weise aus­grenzt. Die sol­len sich darum küm­mern, dass das wie­der in Ord­nung kommt. Die kön­nen das doch nicht machen.

Das sich in die­sem Span­nungs­feld auch man­cher Detail­kon­flikt abspielt, liegt für mich auf der Hand.

Beim Namen genommen

Wenn es sich bei der Bewe­gung tat­säch­lich um Patrio­ti­sche Euro­päer han­delt, denen es um ihre euro­päi­schen Mit­men­schen geht, dann müsste fol­gen­des Gedan­ken­ex­pe­ri­ment doch posi­tiv ausgehen:

Wie sieht es aus mit der Unter­stüt­zung und Soli­da­ri­tät für die Gene­ra­tion arbeits­lo­ser jun­ger Grie­chin­nen und Grie­chen? Wie ist das mit Alba­nern, oder hoff­nungs­lo­sen Men­schen aus Bos­nien und Her­ze­go­wina? Wie sehr sind sie davon über­zeugt, dass Bul­ga­ren und Rumä­nen wert­volle Mit­glie­der der Gesell­schaft wer­den, wenn sie ein­wan­dern? (Was das übri­gens für die Gesell­schaf­ten in Bul­ga­rien und Rumä­nien bedeu­tet, wenn jetzt gut aus­ge­bil­dete Men­schen in andere Volks­wirt­schaf­ten strö­men, weil sie dort mehr Ver­dienst zu erwar­ten haben, ist eine andere Frage.) Oder, um bei gut katho­li­schen Bei­spie­len zu blei­ben: Wie sieht es damit aus, Spa­nier und Por­tu­gie­sen auf­zu­neh­men — oder Men­schen aus Nord­ir­land? Denn, nach der Begriffs­be­stim­mung von patrio­ti­schen Euro­pä­ern müss­ten das ja alles Grup­pen sein, die sich unse­rer Unter­stüt­zung sicher sein könnten.

Ich verstehe es nicht.

Da haben die Kom­mu­nen die Auf­gabe, sich um Flücht­linge und Asyl­be­wer­ber zu küm­mern und ihnen men­schen­wür­dige Unter­künfte bereit­zu­stel­len. Da sie das aber angeb­lich selbst nicht kön­nen, wer­den pri­vate (gewinn­ori­en­tierte) Unter­neh­men beschäf­tigt, die ihrer­seits noch­mals auf diverse Sub­un­ter­neh­men zurück­grei­fen.
Müll­ab­fuhr kön­nen die Städte selbst bewerk­stel­li­gen. Öffent­li­chen Ver­kehr auch. Aber das mit den Wohn­hei­men geht nicht? Woher kommt denn das Geld für die pri­va­ten Unter­neh­men und warum ist das die attrak­ti­vere Wahl?

Zur Google-Debatte

Die aktu­ell gerade wie­der durch einen Arti­kel im The Euro­pean in den Vor­der­grund der Netz­de­batte geholte Dis­kus­sion um die Regu­lie­rung oder Nicht­re­gu­lie­rung von Google inner­halb der EU oder inner­halb Deutsch­lands — ich halte sie für eine Scheindebatte.

Einer­seits muss den deut­schen Poli­ti­kern, die sich daran betei­li­gen, klar sein, dass sie kei­nen nen­nens­wer­ten Ein­fluss auf die Kern­pro­dukte von Google haben. Weder wird Google den Algo­rith­mus offen­le­gen, noch ist eine Zer­schla­gung etwas, das tat­säch­lich durch­setz­bar wäre. Und ich halte kei­nen der betei­lig­ten Men­schen für so unge­bil­det und poli­tisch naiv, das nicht voll­stän­dig ver­stan­den zu haben.

Ich finde es viel inter­es­san­ter zu fra­gen, warum diese Debatte trotz­dem geführt wird. Und wel­che eigent­li­chen Fra­gen da aus­ge­tra­gen wer­den. Ich halte es für plau­si­bel, das hier eine Kulisse für andere, bereits seit län­ge­rem beab­sich­tigte Ver­än­de­run­gen gibt – ich habe aber kein Bild davon, worum es geht. Und nicht zuletzt denke ich, dass sich einige Poli­ti­ker einen Image-Transfer erhof­fen: wenn Poli­ti­ker gegen die Daten­sam­mel­wut und den „Miss­brauch“ der Daten durch Google auf­tre­ten, dann wer­den sie sich doch auch in ande­ren Gebie­ten um unsere Daten bemü­hen, nicht? Und nicht zuletzt ist in Frage Daten­schutz die Sam­mel­wut der Staa­ten oft genug und fest genug mit dem Geschäfts­ge­ba­ren von Unter­neh­men ver­mischt wur­den, sodass bei Men­schen, denen die Daten­the­ma­tik nicht das wich­tigste poli­ti­sche Anlie­gen sind, da wahr­schein­lich auch keine scharfe Tren­nung gegen­wär­tig ist. Es geht also, in mei­nen Augen, ein biss­chen auch um die Frage der Über­wa­chung durch Geheimdienste.

Und wie jetzt damit umge­hen? In mei­nen Augen soll­ten wir danach suchen, was die nicht kom­mu­ni­zier­ten Ziele der Debatte sind. Und wel­che Ände­run­gen wel­che Inter­es­sen­gruppe denn der Regie­rung (oder der SPD oder der Union oder wem auch immer) schon lange genug schmack­haft macht. Und dann kön­nen wir uns über­le­gen, wie wir die gestellte Frage beantworten.

My take on app​.net

As a fairly pro­li­fic pos­ter and emo­tio­nally inves­ted par­ti­ci­pant in app​.net who is not immune to the emo­tio­nal tur­moil that has deve­l­o­ped since the State of the Union pos­ting, but par­ti­cu­larly over the last few days, I want to share my per­so­nal per­spec­tive on the deve­lop­ment of app​.net and a few thoughts that I have regar­ding pro­jects set up to be a successor-in-spirit of sorts.
As these things go, these obser­va­tions are purely my own. I am acu­tely aware that I only have the limited per­spec­tive of a regu­lar user. I know not­hing about the inter­nal dea­lings of app.net’s foun­ders, their rela­ti­onship to inves­tors and those par­ties prio­ri­ties. I try to not make assump­ti­ons about them, but I might be fai­ling at that in a few points.

The ori­gi­nal out­look of having an alter­na­tive to Twit­ter – a pro­duct in many ways ali­gned more with ide­als of one who grew up in an Inter­net that was not pri­ma­rily dri­ven by a quest for ad reve­nue – was so pro­mi­sing I backed the ori­gi­nal crowd­fun­ding drive fairly quickly. As soon as I had access to the sys­tem, I fairly quickly spent less and less time on Twit­ter and more and more time on the micro­blog that was app​.net at that time. New cli­ents emer­ged, people put in time and energy to sup­port a gro­wing infra­struc­ture. It was fun to be there. But not long after the pro­ject took of, the first high-profile per­so­na­li­ties left the net­work: @gruber and @marco, and a few others. The first cli­ents got aban­do­ned: moApp and appe­ti­zer – their aut­hors also lea­ving the net­work behind. But that didn’t change the tone of the net­work. Stuff still hap­pened, the net­work still felt mostly like being built up and being maintained.

But over time, things chan­ged. Sud­denly, we heard that Micro­blog­ging was not the pri­mary focus of app​.net. Rather, it was about infra­struc­ture and pro­vi­ding plum­bing to other, novel app­li­ca­ti­ons that were not about micro­blog­ging. Ten­ta­tive steps were taken in that direc­tion, and a few apps did show up. Also, deve­lop­ment hap­pened around the micro­blog­ging ser­vice that took it ent­i­rely new pla­ces: Pat­ter, Tree­view – all stuff that sim­ply was not pos­si­ble with Twit­ter. Stuff thought up and imple­men­ted by inde­pen­dent deve­l­o­pers, but depen­dent on the stuff app​.net pro­vi­des – and the micro­blog­ging com­po­nent .But the offi­cial line of foun­ders con­ti­nued to be that the micro­blog­ging stuff was only a show­case app­li­ca­tion of the actual pro­duct, the infra­struc­ture. Often-requested fea­tures on that side were not imple­men­ted; a few things in the API remain in a less-than-ideal state until today.

What app​.net did to encou­rage new pro­ducts to take them up for their offe­rings, how they spoke to deve­l­o­pers who might have had an inte­rest in inte­gra­ting app​.net in their stuff I don’t know. And while there were new app­li­ca­ti­ons inte­gra­ting app​.net in their offe­rings (Sun­lit and Momento come to mind), it appears that they were more geared towards those users who alre­ady were on app​.net instead of brin­ging in new users who would also pay for their usage of app​.net.

And as a deve­l­oper, I remain uncon­vin­ced of inte­gra­ting app​.net in pro­ducts. I do not see a bene­fit of using that infra­struc­ture over using my own. The user base is not large enough to be inte­res­ting as a poten­tial tar­get audi­ence; and I would essen­ti­ally be brin­ging ano­ther com­pany cust­o­mers. Why would I not want to have that money come in to my own com­pany? And I know for sure I am not the only one who sees things that way.

But what the shif­ting focus of the app​.net team also meant that there no lon­ger was com­mu­nity manage­ment. The cul­ture degra­ded; and while many noti­ced and drew their own con­clu­si­ons, no chan­ges were insti­tu­ted to work against that. There were no role models or media­tors; things just went down­hill. But not loo­king at the com­mu­nity seems to have been inten­tio­nal: no struc­tures were put in place to help tend the com­mu­nity; no resour­ces were inves­ted in making sure that the posi­tive cul­ture of the early days was encouraged.

What I per­so­nally take away from this? If you have a pro­duct, it pays off to have a clear, easily-communicable value pro­po­si­tion. I do not see that in app.net’s case. If you start buil­ding a com­mu­nity, you have to make sure you have the resour­ces to work with the com­mu­nity and to shape it the way you want. And if you want your com­mu­ni­ca­ti­ons chan­nel to be used by more than a very spe­ci­fic seg­ment of the popu­la­tion, you need to make sure that diver­sity hap­pens, because only then are enough topics appa­rent enough that new people com­ing in will find ways to con­nect. Just with­dra­wing and focus­sing purely on tech­ni­cal aspects is – to me! – not the way that makes an endea­vor like that suc­ceed. Do I think it’s easy? No, not at all. Encou­ra­ging good com­mu­ni­ca­tion hab­its, set­ting good exam­ples for new and old users is very hard work to get right. But I see little alter­na­ti­ves to make an open net­work work.

 

 

Geweiteter Horizont

#Auf­schrei. Das war vor ein paar Mona­ten – gut, es ist jetzt schon über ein Jahr her - auf Twit­ter ein sehr beein­dru­cken­des Phä­no­men. Es hat auf ein­dring­li­che Weise illus­triert, wie sehr Frauen von Män­nern beläs­tigt wer­den. Es hat erfahr­bar gemacht, dass es sich nicht um Ein­zel­fälle han­delt, son­dern eben ein kul­tu­rel­les Phä­no­men ist.

Ich selbst habe dadurch einen deut­lich ver­än­der­ten Blick – mir hat #Auf­schrei ermög­licht, diese Kul­tur bes­ser zu ver­ste­hen. Es hat mir auf­ge­zeigt, dass mein eige­nes Emp­fin­den, ja doch sen­si­bel und auf­ge­klärt zu sein, nicht wirk­lich gerecht­fer­tigt war. Meine Über­ra­schung ob dem, was ich da alles zu lesen bekam, war ein deut­li­ches Zei­chen, dass ich eben doch sehr viel von dem, was rund um mich pas­siert, nicht mit­be­komme oder in grö­ße­ren Zusam­men­hän­gen verstehe.

Nun, mit etwas Abstand, kön­nen wir uns viel­leicht die Frage stel­len, wo wir noch genau sol­chen kul­tu­rel­len Phä­no­me­nen auf­sit­zen. Wo wir Mei­nun­gen haben, ohne genug der Fak­ten zu ken­nen oder mit den Betrof­fe­nen über­haupt gespro­chen zu haben.

In so vie­len Dis­kus­sio­nen habe ich in letz­ter Zeit den Ein­druck, dass die Posi­tio­nen so stark von der per­sön­li­chen Lebens­welt geprägt sind, ohne dass sich Dis­ku­tan­ten über­haupt vor­stel­len kön­nen, dass man auch einen ande­ren Blick haben kann. So kann ich mir gut vor­stel­len, dass Berufs­po­li­ti­ker ein ande­res Gefühl der Bedro­hung erle­ben und daher ihre Per­spek­tive auf das Sicher­heits– und Poli­zei­we­sen eine deut­lich andere ist als das von Men­schen, die nicht so expo­niert leben. Oder die Frage, was Men­schen dazu brin­gen kann, Dro­gen zu neh­men oder extre­mis­ti­sche Posi­tio­nen einzunehmen.

Was hel­fen kann? Zum einen gute Mög­lich­kei­ten, eben genau die Per­spek­tive der ande­ren ein­zu­neh­men. Das kann guter Jour­na­lis­mus sein, der einem diese Optio­nen gibt – aber auch gute Lite­ra­tur oder empha­tisch gezeich­nete Cha­rak­tere in Fil­men. Was es aber auf jeden Fall braucht ist die Bereit­schaft, den ande­ren Men­schen zuzu­trauen, ihre Ent­schei­dun­gen sinn­voll zu tref­fen und ihr Ver­hal­ten so aus­zu­rich­ten, wie es ihnen adäquat auf die Gege­ben­hei­ten ihres Lebens erscheint. Das heisst: andere Men­schen ernst zu neh­men, und mit einem freund­li­chen Blick und einem offe­nen Geist auf sie zuzu­ge­hen. Sich selbst zurück­zu­neh­men, und mit Fra­gen zu kom­men anstatt mit Ant­wor­ten. Aber genau das ist wohl der schwie­rigste Teil an der gan­zen Aufgabe.

Get lost, Google.

OK Google.

That is what your phone and your Google brow­ser soon will react to. Any time. I’m not even going to go into the details of how I stron­gly I oppose this from a pri­vacy view­point – because at a point in the not so dis­tant future, I will be sur­roun­ded by active micro­pho­nes whe­re­ver I go, even if my per­so­nal tele­phone is not all ears.

I dis­like the idea of star­ting a con­ver­sa­tion – even if it is a rudi­men­tary one – with the words “OK Google”. I feel that it is wrong on a num­ber of counts.

  1. Who is this „Google“ you talk to? It’s a nebu­lous entity. Do they really want you to think that you’re addres­sing all of the com­pany, with just one state­ment? Do they want you to feel that with just one com­mand, the many thousands of employees are at your beck and call? Or is Google – the com­pany – try­ing to do away with dif­fe­ren­tia­tion, dif­fe­rent pro­ducts and have just one iden­ti­fier? Or is it sup­po­sed to be a vir­tual assis­tant, able to get at all data their sys­tems have about your hab­its, your calen­dar, your fri­ends and your inte­rests,  that just hap­pens to have the same name?
  2. Emo­tio­nal con­nec­tion. I feel that in part, using their brand here is sup­po­sed to forge an emo­tio­nal con­nec­tion bet­ween you and the com­pany. To me, this is a kind of mani­pu­la­tion that I am not at all happy to see. They could use any other word „OK, Phone“, „OK, Search engine“ – anything. But no, it has to be Google, their name.

 

Around a table.

I’ve recently star­ted rea­ding Crea­ti­vity, Inc by Ed Cat­mull. I’m not very far in yet, but in the first few pages, there was an anec­dote that spoke rather deeply to me.

Cat­mull tells us of a table in a mee­ting room (West One) that was fun­da­men­tally incom­pa­ti­ble with Pixar cul­ture, in unex­pec­ted ways. It was nar­row and long, for­cing people to sit in neat rows oppo­site one ano­ther. And as that means it’s not ent­i­rely easy to com­mu­ni­cate, they also had place cards, put­ting the higher-ups in the middle so that they could hear everyone.

The fur­ther out a per­son sat on the table, the less likely they were part of the con­ver­sa­tion, because it was har­der to hear ever­y­thing and be heard.

Part of the pro­blem, he con­ti­nues to explain, was that the people sit­ting in the cen­ter did not even rea­lize that there was a pro­blem: they could hear ever­y­thing. They thought they knew what ever­yone was up to and doing.

I see this as a very, very handy meta­phor to explain the pro­blem of struc­tu­ral disad­van­ta­ges in gene­ral. Those in the middle, those in the posi­ti­ons of power do not see anything wrong, because for them, not­hing is. And how could it be dif­fe­rent for anyone else? Isn’t ever­yone sea­ted at the very same table? And why should they be giving up their seat – everyone’s the same around this table, are they not?

So fights start, to get from the outs­ide of the sea­ting order more to the cen­ter; and people start expen­ding ener­gies into fights that dis­tract from what the actual, gene­ral agenda is. And sud­denly, it is more about being heard than what you have to say.

The solu­tion Pixar finally rea­li­zed it had to apply? They got a new table, a new seat lay­out. That put ever­yone in a posi­tion to equally be com­mu­ni­ca­ting with all the others.

Maybe it also is time that we examined how we could gene­rally leave behind our old sit­ting order.

Das Telefonat der Julia T.

Lasst uns zusam­men­fas­sen: wir wis­sen nicht mal genau, mit wem sie die­ses Tele­fo­nat geführt hat. Unter wel­chen Umstän­den, oder zu wel­chem Zeit­punkt. Wie ihr Tag davor war, wie sie sich fühlte (wenn ich mich rich­tig erin­nere, hatte sie einen schwe­ren Band­schei­ben­vor­fall und des­halb schon ein paar Jahre Schmer­zen), wie sehr das Tele­fo­nat sich vor­her schon auf­ge­heizt hatte und wel­che Dyna­mik die Bezie­hung der Men­schen am Tele­fon hatte.

Und dann sol­len wir uns über zwei, drei Sätze aus dem Tele­fo­nat ernst­haft unter­hal­ten? Ob das nun die eigent­li­che per­sön­li­che  Mei­nung der Frau zum Aus­druck bringe und in wel­cher Weise sie sich da jetzt poli­tisch dis­qua­li­fi­ziert habe?

Lasst uns doch eher dar­auf sehen, wer denn Inter­esse hat, diese Form der Öffent­lich­keit zu for­cie­ren. Oder uns fra­gen, warum es diese Mit­schnitte über­haupt gibt und in wel­che Weise es legi­tim ist, so etwas zu ver­öf­fent­li­chen. Und wenn es nicht legi­tim ist, dann soll­ten wir dem Thema tun­lichst nicht noch mehr Öffent­lich­keit verschaffen.

Das, was wir da sehen ist aller­feinste Pro­pa­ganda. Ich finde, dass gerade die Ent­wick­lun­gen des letz­ten Jah­res sehr gut zei­gen, wel­che Dyna­mi­ken gerade in der poli­ti­schen Öffent­lich­keit so wir­ken. Ich ver­stehe nur nicht, warum die Presse jetzt immer noch so mitspielt.

Zur Spendenbereitschaft der Steuerhinterziehenden

Natür­lich ging es mir anläss­lich des Fal­les Ulrich H. aus M. durch den Kopf, es gilt natür­lich allgemeiner.

Wenn diese Herr­schaf­ten so sagen, dass sie doch keine Sozi­al­schma­rot­zer sind, oder keine aso­zia­len Typen, und dann ihre Spen­den­be­reit­schaft als Argu­ment ins Feld füh­ren, so ist die meine per­sön­li­che Ant­wort dar­auf: Wohl. Sind sie doch, und zwar sowohl das eine als auch das andere.

Aso­zial sind sie, weil sie mei­nen, dass das von ihnen erar­bei­tete Geld nur genau an den Stel­len einer ein­ge­schränk­ten All­ge­mein­heit zu Gute kom­men soll, wo sie das für rich­tig emp­fin­den. Sie ent­zie­hen es also der all­ge­mei­nen Ver­fü­gungs­masse, bei der ein gesamt­ge­sell­schaft­li­cher Kon­sens zur Ver­wen­dung statt­ge­fun­den hat – denn das ist es, was die Poli­tik ja mit den Steu­ern macht. Es ist aber keine Option, dass man als Staats­bür­ger so alleine ent­schei­det, wie die Mit­teln zu ver­tei­len sind. Die­ses Ver­hal­ten ist asozial.

Sozi­al­schma­rot­zer sind sie, weil durch ihre Steu­er­hin­ter­zie­hung der All­ge­mein­heit schlicht weni­ger Geld zur Ver­fü­gung steht. Die Auf­ga­ben der Gemein­schaft wer­den ja nicht weni­ger, nur weil da man­che Leute beschlos­sen haben, bes­sere Ver­wen­dun­gen für ihr Geld zu haben, als Steu­ern zu zah­len. (Das ist übri­gens auch eine Begrün­dung, die die katho­li­sche Kir­che in Köln für ein „Steu­er­spar­mo­dell“ bei einem Immo­bi­li­en­er­werb benützt hat.) Das heisst in der Kon­se­quenz, dass andere Men­schen mehr Steu­ern zah­len müs­sen, weil sich da Leute fein raus­hal­ten. Und das ist es, warum auch der Begriff Sozi­al­schma­rot­zer passt.

Nur, falls noch mal jemand fragt. :-)

Überwachungsfrei

Es ist schon seit ein paar Wochen so, aber ich habe es noch nicht öffent­lich gemacht: die­ser Blog läuft jetzt voll­stän­dig ohne User Tracking. Also, viel­leicht gibt es noch irgend­wel­che Wege, die Word­Press intern nutzt und die ich noch nicht gese­hen habe. Aber alles, was so Jet­Pack, Google Ana­lytics, sons­tige Tra­cker sind, habe ich ent­fernt. Damit habe ich zwar keine Idee mehr, wer mei­nen Blog so liest, woher ihr so kommt und wie viele ihr so seid, aber dass lässt mir dafür auch mehr den Raum, mich auf meine Gedan­ken und mein Schrei­ben zu kon­zen­trie­ren. Klingt für mich nach einem guten Tausch.

Dear internet.

Some words of wis­dom to you and par­ti­cu­larly me:

It is not the cri­tic who counts; not the man who points out how the strong man stum­bles, or where the doer of deeds could have done them bet­ter. The credit belongs to the man who is actually in the arena, whose face is mar­red by dust and sweat and blood; who stri­ves vali­antly; who errs, who comes short again and again, because there is no effort wit­hout error and short­co­m­ing; but who does actually strive to do the deeds; who knows great enthu­si­asms, the great devo­ti­ons; who spends him­self in a wor­thy cause; who at the best knows in the end the tri­umph of high achie­ve­ment, and who at the worst, if he fails, at least fails while dar­ing greatly, so that his place shall never be with those cold and timid souls who neit­her know vic­tory nor defeat.

Theo­dore Roosevelt.

Life changing … 

No, I would not describe any of the Mac­in­tos­hes I used or owned as life chan­ging. My course of life was too much direc­ted towards pro­fes­sio­nal geek­dom; my inte­rests had always been ali­gned with that stuff so that I would not call any sin­gle of the com­pu­ters I had life changing.

The first Mac I ever had the fun of having on my desk was one of the very early models, and I must have been around ele­ven or so. My dad had got­ten it on loan from Apple Aus­tria for a while, and I got to play with it. I fondly remem­ber the sound that the disk dri­ves made on ejec­ting the disks – and I remem­ber my hun­ting for paper clips to get disks out once the eject func­tion did not really work anymore.

I remem­ber owning a Mac emu­la­tor for one of my Ami­gas, and even a hard­ware inter­face so that I could con­nect an exter­nal Mac floppy to the Amiga. But that never really worked so well.

The first Mac I owned in a while was a Power­book 170 – any­body remem­ber lap­tops with mono­chrome dis­plays? I bought it because I had wan­ted to install NetBSD on it, but I never got around doing that. Part of the rea­son was because at the time I had an inte­rest in that, the video card in that lap­top was not really sup­por­ted well enough and the only option to use NetBSD on said lap­top was via serial con­sole, which sort of made having a lap­top point­less. Ano­ther part was that there was no built-in ether­net, and the exter­nal solu­tion I had was also in no way sup­por­ted by NetBSD, so this would have made me the owner of a very, very soli­tary NetBSD system.

I sold the Mac­Book to a fri­end who used it for DTP on the road for a while; I don’t really know what he did with it.

After those months with the Power­book, I got hold of a used NeXT cube, for which I later also bought the NeXT­Di­men­sion board. That was quite a fun machine to have, and it ser­ved as my work horse for a good num­ber of years. I still keep it around for nost­al­gic rea­sons, but am rather cer­tain it no lon­ger boots.

At the same time, my sis­ter had a Per­forma Mac that she made still frame ani­ma­ti­ons with, and pro­bably quite a num­ber of other things.

All the fond remem­bran­ces of Mac­in­tosh com­pu­ters of the past ages must not let us for­get that Apple did pro­duce a num­ber of crappy pro­ducts. They let their Ope­ra­ting Sys­tem fall behind tre­men­dously before they swit­ched to what ear­lier had been Next­S­tep; they had a chao­tic pro­duct policy before Steve Jobs retur­ned and I’m sure most of us remem­ber just how close they came to bankruptcy in their bad days.

But where Apple shi­nes is put­ting the focus not on tech­ni­cal aspects or just the data of their machi­nes; in how they pre­sent things to the world, it always is about the things you can do with them, the new worlds that are avail­able to you, the fea­tures you can accom­plish with just the right tools (which hap­pen to run on Apple pro­ducts) and your talents. This is what sets them apart; that in ever­y­thing, they see the stuff the pro­duce as a means to an end. Or at least they want us to believe that.

And on that note, happy birth­day, Macintosh.

Perspektivenkorrektur

Ges­tern ist mir ein Video unter­ge­kom­men, das ich auch auf jeden Fall mit Euch tei­len muss. Es geht mir schon den gan­zen Tag nicht aus dem Sinn. Und letzt­lich fasst es auf unglaub­li­che Weise einen Aspekt zusam­men, was in unse­rer Welt so total schief läuft.

Es geht um die Ver­tei­lung von Reich­tum in den USA – wie die Men­schen es emp­fin­den, und wie es tat­säch­lich ist.

Ver­mö­gens­ver­tei­lung – der unge­recht ver­teilte Reich­tum der USA

Alle Jahre wieder … 

Auch die­ses Jahr gibt es wie­der ein Dschun­gel­camp, und auch die­ses Jahr fin­det sich wie­der ein Poli­ti­ker, der er so gerne ver­bie­ten möchte. Die­ses mal ist es Hauke Jagau von der SPD. Iro­ni­scher­weise for­dert er es in der BILD, also jener Zei­tung, die schon seit Wochen genau jenes For­mat behy­ped, um das es da geht. Ich bin mir recht sicher, dass es hier sicher auch darum gehen wird, den eige­nen Namen bekann­ter zu machen. Da eben genau jenes For­mat von RTL der­zeit so viel mediale Auf­merk­sam­keit genießt (selbst das öffentlich-rechtliche Fern­se­hen schenkt der Wer­bung für das Pro­gramm erstaun­lich viele Sen­de­mi­nu­ten) ist das dafür auch ein pro­ba­tes Mittel.

Wenn man das State­ment inhalt­lich aber ernst nimmt, ist es eine Bank­rott­er­klä­rung für die Poli­tik der SPD. Denn: warum macht RTL denn so ein „men­schen­ver­ach­ten­des Format“?

Weil es funktioniert.

Die Zuschauer schal­ten ein. Die Quote der Sen­dun­gen ist enorm, die Wer­be­zei­ten sind sicher dem­ent­spre­chend teuer. Das heisst aber, dass die Men­schen eben genau zuse­hen wol­len, wie sich da ein paar mehr oder wenig pro­mi­nente Fernseh-Akteuere bei den pro­fans­ten Din­gen fil­men lassen.

Wenn es jemand inner­halb der SPD ernst meinte damit, sol­che For­mate unmög­lich zu machen, dann heisst das doch: es muss ihr daran gele­gen sein, die Bil­dung und vor allem ethi­sche Bil­dung der Men­schen zu stär­ken. Das heisst, es müsste eine Prio­ri­tät der Poli­tik wer­den, unser Bil­dungs­sys­tem mit Res­sour­cen aus­zu­stat­ten, aber auch mit den Mit­teln, eben einen erst­haf­ten Ethik-Untericht anzubieten.

Denn: es man­gelt ja nicht an Alter­na­ti­ven. Es gibt genug andere Sen­der, die zeit­gleich zu den Sen­dun­gen aus dem aus­tra­li­schen Dschun­gel andere For­mate, andere Inhalte anbie­ten. Ja, man kann sogar den Fern­se­her aus­ge­schal­tet las­sen und sich mit ande­ren Din­gen aus­ein­an­der­set­zen. Aber: die sind eben nicht attrak­tiv. Und das liegt daran, woran die Men­schen Ver­gnü­gen finden.

Die­ses Ver­gnü­gen daran wird ihnen auch nicht ver­ge­hen, wenn das For­mat ver­bo­ten ist. Aber wenn sie sich vor Augen füh­ren, wozu sie da gerade die Akteure ver­füh­ren – viel­leicht wird das Inter­esse dann geringer.

Also: nicht das Dschun­gel­camp ver­bie­ten. So viel in die Men­schen inves­tie­ren, dass es die Zuse­her ein­fach nicht mehr interessiert.

Die USA und der Rest der Welt

Die Ame­ri­ka­ner hät­ten sie ver­ra­ten, klagt der BND. Man hatte zuerst auf ein schnel­les Ende der Ver­hand­lun­gen gehofft – aber es scheint nun dar­auf hin­aus­zu­lau­fen, dass es kein “No Spy”-Abkommen mit den USA geben wird. Ja mehr noch, die USA geben nicht mal Ein­blick in ihre Spio­na­ge­tä­tig­keit gegen deut­sche Spitzenpolitiker.

Die Über­nahme der Anteile von Gene­ral Motors an Opel durch die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Die Ver­hand­lun­gen um inter­na­tio­nale Urheberrechts-Abkommen. Das Kyoto-Protokoll. Die Ver­ant­wort­lich­keit über ICANN. Swift. Das Flug­da­ten­ab­kom­men. Die Liste lässt sich wohl ziem­lich lange fortsetzen.

Aus genau wel­chem Grund kommt es jetzt uner­war­tet, dass die USA kein Inter­esse an einem sol­chen Abkom­men hat? Wel­che Vor­teile könn­ten ihnen dar­aus erwachsen?

Luhmann on trust and manipulation

Descri­bing mani­pu­la­tion as an actor in a sys­tem of trust

But this only cau­ses the sus­pi­cion of mani­pu­la­tion to become uni­ver­sal, thus beco­m­ing inde­pen­dent of con­fir­ma­tion or refu­ta­tion of indi­vi­dual cases. Trust can only be pre­ser­ved if it finds a form that can live with that sus­pi­cion, that is immune against it.

Niklas Luh­mann: Vertrauen

random notes of a professional geek