Repräsentation statt Identifikation

Von der Frage ausgehend, die ich letztens stellte, habe ich ein paar weitere Gedanken. Ich glaube, dass ein Gutteil der — in meinen Augen falschen! — Identifikation der Wähler mit den Funktionären der AfD über deren sprachlichen Code läuft. „Die sprechen wie wir“, „die sagen das, was wir auch sagen (wollten)“ sind da Gedanken, die ich mir als Motivation der Wähler vorstellen kann. Dadurch, dass sie auch in der Sprache der Menschen die von ihnen empfundenen Probleme benennen, kann man zum Gedanken verleitet werden, die Menschen seien wie sie und hätten daher ihre Interessen im Blick. „Das sind welche von uns.“ Damit stellt sich aber die Frage nach den politischen Zielen gar nicht mehr, denn aus dieser unterstellten Nähe ergeben sich keine Frage nach dem Ziel und dem Zweck. Das ist ja das fiese an Identifikation statt Repräsentation.

Diese Mittel einzusetzen, um dann aber ein stramm an den Eliten orientiertes Programm durchsetzen zu wollen sind eine in meinen Augen ziemlich zynische Art Politik zu machen.

Zusätzlich ergibt es sich, dass es auch ganz gut in die Interessen der Politiker, die auf diese Art Politik betreiben, passt, das Gefühl, dass man ja den derzeitigen Eliten so tief mistrauen muss. Dass die Medien, die sich nicht dieser populistischen Meinung verschrieben haben, in die große Verschwörung eingebunden sind. Damit ist nämlich deren Interesse, eben die politischen Agenden zu hinterleuchten, auch nur von deren Interesse am Machterhalt getrieben und kann nicht ernsthaft sein, und schon gar nicht wahrhaftig. Hier eint also das Verschwörungs-Gefühl der Wählerinnen und Wähler das starke Bedürfnis nach Intransparenz der Demagogen. Und auch diese Kombination ist ein gefährlicher Mix gegen Journalisten, die als Gegner empfunden werden.

Hohe Identifikation mit der politischen Bewegung bedeutet bei den Anhängern, dass jegliche inhaltliche Auseinandersetzung sehr schnell in Gefahr ist, als persönliche Angriffe aufgefasst zu werden — es gibt ja keine Distanz, die eine Reflektion erlaubte. Und wieder: Im Sinne der Demagogen ist das ja toll.

Ein weiterer Aspekt ist das drinnen/draußen: nur, wer sich der sprachlichen Codes bedient — und damit natürlich die entpsrechenden Gefühle aktiviert — ist ein Insider. Das ist an der Stelle tückisch, wo alleine schon eine distanziertere Sprache ein Zeichen dafür, dass man es mit einem Gegner zu tun hat. Damit ist jegliche rationale Diskussionsebene verstellt: denn die Mittel des argumentativen Diskurses wurden außerhalb dessen gestellt, worauf zurückgegriffen werden kann, wenn man ernstgenommen werden möchte.

Es wird also schwierig.

Keine Götter unter uns …

Es gab da mal diese tolle Plakat-Kampagne eines Herstellers von Navigationslösungen:

You are not stuck in traffic: you are traffic.

Es ist verführerisch, sich in einer außenstehenden, beobachtenden Position zu wähnen, die Welt zu betrachten, objektiv und nur mit wenig Emotion. Alleine, es ist falsch: es gibt keine außenstehende Position. Für niemanden.

So, wie Journalismus keine neutrale, rein deskriptive Position einnehmen kann, hat auch Politik keine aus dem System herausgelöste, nur dem gerechten Interessenausgleich verpflichtete Position.

Es gibt in Gesellschaften keine aus dem System herausgelöste Position — und sich so zu verhalten, als wäre es anders ist unredlich. Noch unredlicher ist es, diese Position für sich zu beanspruchen, um damit die Interessen, die man verfolgt — aus welchen Gründen auch immer! — zu verbergen; in den letzten Jahren hatten wir diverse Fälle, wo genau solche Konstellationen ziemlich laut auseinandergenommen wurden.

Also: wer in der öffentlichen Sphäre ernst genommen werden will, sollte sich daran gewöhnen, die eigenen Interessen und Unterstützer konkret zu benennen. Dann klappt das auch besser mit dem Interessensausgleich.

Selbstfahrende Autos & Politik

Ach, wunderbare neue Welt. Bald schon werden wir in unsere Autos steigen, einen Zielort angeben und uns von dem dann endlich den Namen verdienenden Selbstfahrer dort hinbringen lassen. Viele kleine Entscheidungen nehmen uns dann Automaten ab.

Aber wie kommt es zu diesen Entscheidungen? Und wer legt die Rahmenbedingungen fest, nach denen so ein automatisches System seinen Weg findet? Welche Akteure im Gesamtsystem werden relevant, welche Interessen haben sie und wem sind sie verantwortlich?

Zunächst die Hersteller der Fahrzeuge; die haben wie bisher ihre Verantwortung – aber neben dem Bau der sicheren Karosserie, des energieeeffizienten Antriebs und der zuverlässigen Bremsen kommen ganz neue Entscheidungen dazu: welche Sensoren lassen das Fahrzeug in welche Weise seine unmittelbare und mittelbare Umwelt überhaupt erkennen? In welcher Weise stehen in welchem Umfang und mit welcher Verzögerung welche Daten zur Verfügung, auf deren Grundlage Algorithmen überhaupt erst Entscheidungen treffen können? Und welchen Aufwand in der Bearbeitung zieht das nach sich?

Dann die Hersteller der Systeme, die die Entscheidungen treffen und das Fahrzeug steuern: welche Eventualitäten haben Sie betrachtet? Wie verifiziert ein solches System die ihm zur Verfügung stehenden Messdaten und wie kann es reagieren, wenn die Daten kein konsistentes Bild ermöglichen?

Eine zentrale Stellung werden wohl die Anbieter von Geo-Informationen haben: ganz wesentliche Entscheidungen können nur auf Basis der Daten getroffen werden, die von den Kartenanbietern zur Verfügung gestellt werden. Und für diese werden sich wunderbare neue Geschäftsmodelle auftun! Sowohl in der Sicht des einzelnen Fahrzeugs, als auch in der Sicht des Gesamtsystems gibt es da spannende Optionen. „Mit dem Premium-Abo stehen Ihnen auch die Routen offen, auf denen wir seltener Staus registrieren.” Und wo sich so ein Stau bildet, das kann das Unternehmen ja auch sehr genau steuern. Oder wollen sie als Stadtviertels-Verantwortlicher, dass hier mehr Ruhe ist und weniger Autos fahren? Natürlich lässt sich das steuern. Vielleicht gibt es Kombi-Angebote: wenn sie bei allen Märkten dieser Kette vorbeifahren, oder wenn sie nur diesen einen Tank-Anbieter (oder Strom-Anbieter) nutzen, dann werden sonst die Routen billiger.

Oder vielleicht kann man ja die Abnützung der Straßen steuern – in Ländern mit privatisierten Autobahnen eine spannende Frage.

Alle diese Marktteilnehmer haben ein großes Interesse daran, dass ihre Entscheidungen, ihre Daten und ihre Algorithmen geheim bleiben. Transparenz kann nicht in deren Interesse sein. Viele von ihnen sind nicht in Europa beheimatet – oder wenn, dann ist es ganz einfach, das Intellectual Property umzusiedeln. Es wird also schwierig zu klären, wie man diese Sachen rechtlich steuert. Und dann waren die politischen Strukturen ja schon beim technisch viel, viel einfachen Diesel-Skandal rund um VW überfordert. Wie sollen die denn mit solchen Fragestellungen zurechtkommen können?

[EDIT: Nachdem ich den Artikel geschrieben habe, fand ich zufällig die Blogparade zum Thema Elektromobilität von Andreas Schulz bei ingenieurversteher-de und Stefan Fritz und habe diesen Artikel dort auch in den Topf geworfen.]

Brotanschnitt

Ich sage Scherzel dazu, meine Schwägerin aus Solingen Knäppchen. Das erste Stück Brot, der Anschnitt. Ich mag das total gerne: so schön knusprig, gerade das richtige bißchen Härte. Ehrlich: wenn das Brot auch noch frisch ist, das ist das beste Stück am ganzen Laib. Meine Liebste mag es nicht sonderlich und auch der erste Sohn wollte lieber immer weichere Teile; es ist also immer mir geblieben. Wenn frisches Brot angeschnitten wurde, dann bekam ich es automatisch. Wenn es im Brotkorb lag, dann war es für mich.

Aber irgendwann kam der zweite Sohn. Und der mag auch gerne Scherzeln. Und wenn wir mit der größeren Familie essen: mein Schwiegervater mag sie auch. Und die Schwägerin. Und es ist gar nicht so nett, die Dinger immer auf den Brotkorb zu spitzen und sie schnell rauszumopsen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Also muss ich ein freundliches Gesicht machen und mit einem leichten Stich im Herzen zusehen, wie andere auch das Scherzl essen, von dem ich doch das Gefühl habe, das es mir zustünde.

Das müssen diese Privilegien sein.

Warten

Warten.

Warten.

Ich bin es leid, auf mich zu warten.

Als müsste da noch was kommen, dass …

Als fehlte noch ein Stück, damit …

Und in der Zwischenzeit fülle ich mir das Hirn mit unnötigen Sachen und den Tag mit sinnleerem Kram.

Ich mache mir Gedanken um die Welt und Gott, aber nicht für zwei Cent gucke ich mit Klarheit auf mich.

Und ich verstehe es abstrakt, aber ich kann es nicht konkret. Und ich kapier es mit dem Kopf, aber es ändert zu wenig im Herz.

Also warte ich.

Ich warte.

Warten.

Warum ich bargeldlose Zahlungen nicht für den Untergang halte

Da im Austausch auf Twitter nicht genug Platz war, meine Antwort halbwegs verständlich zu kommunizieren, versuche ich hier, meine Gedanken etwas zu strukturieren. 

Es ist technisch nicht so schwer, bargeldlose anonyme Zahlverfahren zu bauen. Die GeldKarte ist ein Beispiel, für das es sogar Infrastruktur gäbe, es verwendet sie nur niemand. Andere Prepaid-Karten, die nicht persönlich zuordenbar sind, gibt es ja auch schon längere Zeit — seien sie von Kreditkartenunternehmen oder auch nur vom Einzelhandel.
In den letzten Jahren konnte man ja nur schwer online übersehen, dass mit BitCoin prinzipiell eine neue Technologie existiert, mit der anonyme Transaktionen sicher durchführbar wären. Ich bin mir sicher, dass wir da in den nächsten Jahren einige Innovationen erleben werden.
Aber gehen wir in den Gedanken weiter. Selbst wenn die Banken alle summarischen Umsätze meiner Einkäufe hätten: was könnte dann aus den Daten abgelesen werden und von wem?

Die Bank, bei der ich das Konto habe, das belastet wird. Deren Informationsinteresse an den Transaktionen ist nicht so hoch, denn deren Informationsbedarf ist schon durch den aktuellen Stand gut befriedigt. Ob ich 200 Euro pro Woche am Geldautomaten ziehe oder wofür ich diese 200 Euro ausgebe, gibt wahrscheinlich für das Kredit-Scoring nur wenig an Mehrwert.
Ich kann Konten bei mehreren Banken unterhalten und so meine Daten nicht alle in eine Hand geben — also selbst wenn alle Transaktionen unbar sind, müssen nicht alle die gleichen Beteiligten haben.
Der Zugriff auf die Bewungsdaten von Bankkonten durch staatliche Stellen (Polizei, Finanzamt, Geheimdienst) ist nicht so einfach — das halte ich aktuell für keine wirklich diskutierenswerte Gefahr.
Mir ist auch nicht klar, warum die Daten, was man konsumiert, so besonders mehr aussagekräftig sein sollten als die Daten von Twitter — insbesondere, wenn man da die vollständigen Transaktionen sieht. Twitter, das bedeutet: ein Teil Deiner Beziehungsstruktur und Deiner Überzeugungen werden leicht automatisch auswertbar. Deine Gewohnheiten lassen sich ein Stück weit rekonstruieren (wann liest Du nur, wann interagierst Du mit welchen Links, wann schreibst Du — von welchem Device, und wenn von einem Mobil-Device, an welchem Ort). Beim Twitter-Stream ist nicht ersichtlich, wer auf diese Daten aller Zugriff nimmt und sie in welcher Weise nutzt (wir können sicher sein bei: NSA und die Seven Eyes, wahrscheinlich aber auch noch Dienste anderer Nationen). Und wenn dann auch noch die Mobiltelefon-Daten dazukommen, dann sieht das Bild nochmal sehr anders aus.

Ich finde also, dass die Idee des Bargeldverzichts wirklich nicht so schlimm ist.

Australia’s Got Talent

Tim Minchin ist ein in Australien lebender Musiker und Schauspieler. In seinen Liedern setzt er sich immer mal wieder kritisch mit der katholischen Kirche auseinander, legendär ist z.B. sein Pope Song. Aus Wut über das Verhalten von Kardinal Pell und seine Weigerung, für ein Verfahren in Australien aus Rom anzureisen und damit den Opfern der sexuellen Gewalt eine Möglichkeit zu geben, ihm gegenüberzutreten, hat er nun in kurzer Zeit ein Lied geschrieben und produziert: Come Home, Cardinal Pell. Und ebenjenes neue Lied ist in Australien nahezu sofort ein Hit geworden: 12 Stunden nach dem Erscheinen war es schon die Nummer Eins der iTunes Charts. Den Erlös des Liedes spendet er übrigens einer Initiative, die es den Opfern ermöglichen möchte, nach Rom zu fliegen um dort bei der Aussage des Kardinals vor Ort dabeisein zu können.

Und wenn ihr auch noch andere Sachen von Tim Minchin hören wollt, kann ich White Wine in The Sun sehr empfehlen, oder auch den Rock And Roll Nerd.

Dependency Buffet

When I first read about dependency injection, the pattern made total sense to me in a number of ways. It fits the way I think about problems and my mental model of designing object representations of the stuff I am implementing. I’ve decided to roll my own DI solution, though, because there are a few subtle changes that align even better with a few of my basic premises in programming.

When I write code, I think about what I want to do and what I need to do that. When I write a class that does database stuff, I know it requires a database connection. I think this is information that should be apparent in the class implementation and nowhere else. So, what is more obvious to have the class know what it requires in the class itself? And this is how our Factory class approaches this: it can ask a class it is just instantiating what it needs.

The code flow on instantiation is basically

  1.  we ask the Factory for an object:
    $factory->giveme(’Car’);
  2. Factory instantiates
  3. (see below)
  4.  Factory asks the object
    $newObject->requireAssets()
  5. NewObject returns an array of assets that it needs
  6. Factory keeps a list of registered assets (like an open and ready-to-use database connection) or knows how to find assets it does not yet have registered.
  7. Factory also registers itself as an asset with newObject
  8. The new object is returned to the caller

One of the lovely side effects of this flow is that in most cases, we can eliminate the need for singletons; we can just open the database connection once and pass it on or we can register a cache once and have multiple objects use it.

You may have realized that we skipped a step on the first flow. Before Factory actually asks newObject what it requires, it passes Context on. Context is – as the name implies – a collection of information about the current application in its environment. For instance, we have the name and class of the system we are running on in there, or whether it is an anonymous session or one of a logged-in user. By first knowing this, the object we are setting up gets to decide what it actually requires before it answers the question. For instance, it may well be that an anonymous session does not require a database connection where a logged-in user will need that. So we additionally have:

3. Inject Context:
$newObject->setContext($context);

Another thing that is important to me when I design stuff is to only keep around the stuff I need and only when I need it. I don’t think you should pull in all code of all libraries you use for every call. This means that some methods may need additional assets that other methods in the same class won’t need. By having Factory as an asset, we can let those methods ask for registered assets from our class hierarchy at the time they need them; not when first initializing the object.

To have an asset, Factory has a method registerAsset(name, asset). asset can be an object of the name of a class. If it is a class name that is registered, it will be instantiated the first time it is actually required and then also passed on to other objects that also require it. If our objects need new instances of a class, it is possible to specify that at registration (because it is more likely that the providing object knows about that).  To register an asset emailTemplate that will actually provide every object with a new emailTemplate, we need just to write

$factory->registerAssetToInstantiate('emailTemplate', 'emailTemplate');

and are all set.

As a final fallback, when Factory is asked for an asset that it doesn’t know about, it just tries to instantiate a class by that name.

Our Object class – which, as the name implies, is the parent class of most objects in our hierachy – encapsulates the default behavior. It uses one protected variable _requiredAssets that contains the array of the assets the current class requires. And that way, we can just concentrate on getting on with the stuff that the class is actually about.

Living Conditionally.

So how do you make a selfish character likable? We realized, you can make him kind, generous, funny, considerate, as long as one condition is met for him, is that he stays the top toy. And that’s what it really is, is that we all live life conditionally. We’re all willing to play by the rules and follow things along, as long as certain conditions are met. After that, all bets are off.

The Danger of a single story

Heute Abend habe ich ein sehr, sehr tolles Video gesehen.

Chimamanda Adichie erklärt darin, warum Pegida dort so erfolgreich ist, wo es so wenige Ausländer gibt; warum die Formulierung „der Ausländer“ oder „der Syrer“ kein Zufall sondern klare Absicht ist, aber auch einen Teil davon, wie religiöser Fanatismus funktioniert. Es geht auch um die Dynamik von Vorurteilen, aber geht deutlich tiefer. Mir persönlich haben diese paar Minuten den Horizont geweitet — absolute Empfehlung.

Ich finde es einen unglaublich wertvollen Beitrag zum aktuellen gesamtgesellschaftlichen Diskurs „Zuwanderung von Fremden“ und es fehlen mir gerade die Worte, es hinreichend zu loben.

The Danger of a Single Story

Autorität

Manche Menschen, die haben einfach Autorität: persönliche Autorität. Wenn die sprechen, hört man zu — und setzt sich zumeist zu dem gesagten auch in Relation. Man muss ihnen nicht immer glauben, aber oft ist es zumindest nicht egal, was sie sagen. Wenn die sich hinter eine Sache stellen, dann ändert das was. Es muss nicht sein, dass sie oft den Kampf suchen, aber sie scheuen ihn auch nicht.

Und dann gibt es Menschen, die finden Autorität sehr attraktiv. Die möchten gerne Autorität haben; sie glauben, die Zuschreibungen einer Rolle seien dann Zuschreibungen für sie als Person. Das ist das Interesse an struktureller Autorität.

Wenn man also mit Menschen in einer Autoritätsposition zu tun hat, kann man leider oft genug erkennen, in welche der beiden Gruppen jemand fällt.

Wir können das nicht alleine …

Weil gerade das Argument wieder die Runde macht, einzelne Länder in Europa alleine könnten die große Zahl der Vertriebenen nicht bewältigen (heute wieder von der SPD gehört).

Land Bevölkerung # Vetriebene BNP BNP/Kopf
Libanon ~ 4,5 Mio ~ 2 Mio 25 Mrd.$ 6.500 $
Türkei ~ 80 Mio ~ 1,8 Mio 1,7 Bio $ 22.000 $
Jordanien ~ 7 Mio ~ 800.000 44,3 Mrd $ 6.500 $
Deutschland ~80 Mio 3,5 Bio $ 43.500 $
EU ~500 Mio 18 Bio $ 37.000 $

Wir sprechen bei der Flüchtlingsquote von 160.000, die jetzt in Europa verteilt werden sollen, weil es angeblich „einzelne Länder alleine nicht schaffen.“

Nochmal als Vergleich: in Jordanien gibt es ein einzelnes Flüchtlingslager, das 100.000 Menschen beherbergt. Also eine komplett neue Stadt.

Quellen: Die Flüchtlingszahlen hat Michel Reimon bei „Im Zentrum“ (ORF) genannt; die anderen Zahlen stammen von Wikipedia.

Maronensuppe

Heute auf speziellen Wunsch des Siebenjährigen.

Ingredienzien:

  • Butter (passend zur Kochtopfgröße)
  • 1 mittelgroße Zwiebel (kann gerne rot sein, bei uns war heute nur weiß im Vorrat)
  • 200g Maronen (ich nehme die eingeschweißten, vorgekochten)
  • 2 Teelöffel Zucker
  • etwa 150ml Weißwein
  • 1 Karotte
  • 200g Sahne (oder entsprechendes Substitut)
  • 1 Saftorange
  • Salz

Und dann zur Tat:

Zwiebel fein würfeln, in Butter glasig dünsten. Die gehackten Maronen dazu, etwas anbraten. Zucker drüber und etwas karamelisieren lassen. (Vorsicht: zumindest bei mir legte das im Kochtopf total schnell an, also viel rühren.) Dann mit Weißwein löschen und etwas köcheln lassen. Mit Sahne verlängern, und je nach Essern auch noch etwas Wasser dazu. In der Zwischenzeit Karotte fein schneiden und auch in den Topf. Kochen lassen, bis die Karotten und Maronen wirklich schön weich sind. Dann mit dem Stabmixer pürieren und nach Geschmack nochmal Wasser bis zu richtigen Konsistenz bringen. Salzen und mit Orangensaft den Geschmack abrunden (bei mir war es etwas mehr als die Hälfte des Saftes der einen Orange).

Dazu passt gut getoastetes Weißbrot. Und natürlich etwas Weißwein.

You are the product

“If you are not paying, you are the product.”

It’s one of the widely circulating truisms about services on the internet. To me, it is sloppy thinking just the right size to be an a soundbite.

For one, it seems to imply that a service provider can only have one particular kind of product. We all know that this is not true, on the Internet just as well as off. For another, it implies that money is the only way in which to pay for a product. And thirdly, the concept of a person being subject to a financial transaction has been outlawed for a good number of years — conventionally, we call that slavery.

It is true that many corporations – particularly the big players – make their income off selling ads for appropriately selected audiences. But that has also happened before the Internet happened; broadcast radio and TV operate by the same principle. Strangely enough, nobody says that for those service providers, their viewers and listeners are the product. But the belief is widespread that this is so for web properties.

What the actual service the internet companies provide is finding, growing and keeping audiences that give them enough attention. They do not sell anything off of you; they are middlemen for those who are willing to pay for somebodies attention and those giving their attention. And that is quite a different thing from the original statement.

It’s about time we retired it.

Gedanken zu „Hochgeschlafen“

Vor ein paar Tagen las ich Hochgeschlafen von Sara Hassan.

Natürlich sind diese Bemerkungen oft daraus aus, die Frau, um die es geht zu diskreditieren und ihr Grenzüberschreitungen zu unterstellen, um ihre fachspezifischen Fähigkeiten in Zweifel zu ziehen. Aber: sie beschuldigen auch alle an der Situation beteiligten Männer, ihre Machtposition zu ihrem persönlichen Vorteil und zum Schaden ihres Unternehmens auszunutzen. Und möglicherweise, je nach ihrer persönlichen Lebenssituation, ihre Partnerin zu hintergehen.

Wenn also diese Gerüchte in einer Branche über verschiedene Männer erzählt werden, und sie nicht sofort als komplett unrealistisch verlacht werden: welchen Zustand beschreiben sie da, über jene Männer an Machtpositionen, die ihre eigenen Beziehungen, ihre Arbeitgeber und ihre Mitarbeiterinnen so sehr nur für ihren persönlichen und zutiefst nur eigennützigen Vorteil nutzen?

Was für ein Sittenbild …

Es droht Gefahr!

Die Menschen heute sind ja großen Gefahren ausgesetzt. Wir wissen, dass in der Bevölkerung Masern wieder ihr Unwesen treiben, wir hören immer wieder von multiresistenten Keimen, Vogelgrippe und anderen wunderbaren Errungenschaften der Natur. 

Um sicherzustellen, dass wir auch noch unbekannte Bedrohungen auf dem Schirm haben und auch die Zusammenhänge erkennen, die sich heute noch nicht erschließen, sollten wir uns dafür stark machen, dass einfach alle Gesundheitsdaten zentral zusammengeführt werden. Alle Diagnoseschlüssel, alle Behandlungen (insbesondere Medikamentenverschreibungen) müssen für die entsprechenden Behörden einsehbar sein. Es ist ja alles nur im Dienste der Volksgesundheit. 

Ach, bei Gesundheitsdaten ist das nicht so toll? Aber bei Kommunikationsdaten sollen wir es uns gefallen lassen? 

Ressentiment

Angry white men in exhibit what French social theorist Georges Sorel called „ressentiment“ – a personal sense of self that is defined always in relationship to some perceived injury and whose collective politics mixes hatred and envy of those who we believe have injured us. That „creative hatred“, Sorel argues, is anathema to serious collective action because it is so easily manipulated; it is more likely to spasmodic violent eruptions than a serious social movement.

Michael Kimmel: Angry White Men.

Für ein aufgeklärtes Europa

Auf Twitter schrieb ich heute, dass ich politisch lieber für ein aufgeklärtes denn für ein christliches Europa einträte. Daraus entspann sich eine gewisse Diskussion, die zwar spannend, aber letztlich für das Medium dann doch zu komplex war – daher möchte ich hier gerne meine Gedanken etwas ausführlicher niederschreiben.

Wenn wir Europa nicht nur als Wirtschaftsunion, sondern auch als Kulturraum ernst nehmen wollen, stellt sich in meinen Augen die Frage, was wir da als unser Leitbild annehmen möchten: eine Grundmenge an Werten und ein Kanon an Qualitäten, die wir für erstrebenswert halten und in deren Richtung wir uns als Gesellschaften tatsächlich weiterentwickeln wollen. Nach meiner Auffassung sollte das auch  eine kulturelle Strömung sein, die Europa bereits wesentlich geprägt und sich am Kontinent auch so weit verbreitet hat, dass man sie als europäische Entwicklung erkennen kann (und nicht eine, die stärker regional geprägt ist). Hier scheint mir die Aufklärung der einzige ernstzunehmende Bewerber um den Titel.

Natürlich hat auch das Christentum Europa stark und nachhaltig geprägt; trotzdem ist es mir als Begriff im politischen Diskurs suspekt. Alleine schon durch unsere Geschichte und die Kriege, die im Namen des Christentums sowohl in Europa, als auch von Europa aus gegen andere Gebiete geführt wurden, passt für mich das Christentum nicht unmittelbar zu einer friedlichen europäischen Integration. Mindestens genauso wichtig ist aber, dass wir in Europa auch Regionen haben, die nicht überwiegend von Christen bewohnt werden. Alleine schon aus Respekt zu diesen – genau wie wir europäischen – Gebieten, dürfen wir sie nicht vereinnahmen und ihnen das Christentum überstreifen. Und auch für die Regionen, wo die Christen zwar eine Mehrheit stellen, andere Religionen zu sagen, dass hier zwar leben, aber nicht Teil der Identität des Kontinents sind, halte ich nicht für ein Vorgehen, das wir uns zu eigen machen sollten. Und wenn es jetzt um das kulturelle Erbe geht, und wie sehr unsere Gesellschaften christlich geprägt sind: ich sehe das im Alltag nicht. Das Kulturleben sicher, aber unsere Orientierung vor allem auf ein funktionierendes Wirtschaftssystem, unsere unglaubliche neoliberale Prägung im öffentlichen Diskurs überdeckt zumindest in meiner Wahrnehmung jegliche Grundprägung im Sinne von christlichen Werten.

Und: was haben wir denn dadurch zu gewinnen, wenn wir jetzt den Begriff des christlichen Europa der von manchen empfundenen islamischen Bedrohung entgegensetzen? Wo könnte es denn Sinn machen, sich auf eine solche Form der religiös geprägten Auseinandersetzung einzulassen? Nein: Aufklärung lässt beiden Religionen – und natürlich allen anderen auch – Spielraum; denn die Institutionen des Zusammenlebens sind nicht durch sie geprägt. Damit ist es müßig, diese Diskussion zu führen – sie hat sich einfach erübrigt.

Und so bleibe ich dabei: ich möchte lieber, dass wir für ein aufgeklärtes denn für ein christliches Europa eintreten.

Widersprüchliche Politikbegriffe

Es scheint mir, als führte uns die Diskussion auch zwei widersprüchliche Politik-Begriffe vor Augen, die gerade zusammentreffen. Zum einen ist es Aufgabe der repräsentativen Demokratie, die bestehenden Verhältnisse abzubilden und das in der Bevölkerung gegebene Meinungsspektrum auch in die beschlussfassenden Organe der Republik bringen. Wenn es also eine signifikante Menge an Menschen gibt, die solch rechte Positionen vertreten, dann gehört es zum System, dass diese Positionen auch das politische Handeln mitbestimmen und diese Meinungen die Gesellschaft eben formen.

Zugleich gibt es aber auch die Erwartung an die Politik, dass man ihr die Führung des Staates, die Gestaltung der Gesellschaft übertragen hat und eine – mangels eines besseren Wortes – politische Klasse sich den Überblick zu verschaffen hat und mit einem klaren politischen Kompass jene Meinungen, die problematisch sind oder einen offensichtlich vorausgesetzten Konsens darüber, was legitime Positionen sind, zumindest von der Macht fernhält oder in anderer Weise ausgrenzt. Die sollen sich darum kümmern, dass das wieder in Ordnung kommt. Die können das doch nicht machen.

Das sich in diesem Spannungsfeld auch mancher Detailkonflikt abspielt, liegt für mich auf der Hand.

random notes of a professional geek